Opel Meriva LPG : 100 Kilometer für 7 Euro

Opels Mini-Van Meriva mit LPG-Antrieb überzeugt unterwegs. In Sachen Komfort und Fahrverhalten gibt es kaum Abstriche. Der höhere Kaufpreis rechnet sich aber nur für Vielfahrer.

Der Opel Meriva mit Autogas kann durchaus einen Spareffekt erzielen. Allerdings nur für Vielfahrer.
Der Opel Meriva mit Autogas kann durchaus einen Spareffekt erzielen. Allerdings nur für Vielfahrer.Foto: Hersteller

Autogas-Fahrzeuge sind bei den Kraftstoffkosten sparsam, aber beim Fahren eher spaßarm. Meist arbeitet unter der Haube ein kleiner und ältlicher Benziner, dem durch die LPG-Diät zusätzlich Leistung entzogen wird. Opel geht einen anderen Weg und bietet seinen relativ neuen 1,4-Liter-Turbo in einer 88 kW/120 PS starken Gasvariante an – unter anderem beim Mini-Van Meriva.

Als Familienauto ist der Meriva prädestiniert für den Einsatz von Autogas. Wer vor allem den Nachwuchs von A nach B fährt oder den Wochenendeinkauf im Discounter erledigt, braucht keinen Langstreckendiesel und kommt an der Tankstelle trotzdem mit wenig Geld aus. Knapp 80 Cent kostet der Liter Autogas. Auch wenn man den systembedingt um rund 20 Prozent höheren Verbrauch eines LPG-Motors berücksichtigt, ist das noch deutlich billiger als Superbenzin. Im Test genehmigte sich der Gas-Meriva rund 9 Liter LPG auf 100 Kilometern. Kosten: 7,20 Euro. Im reinen Benzinbetrieb brauchte der Opel knapp 7,5 Liter. Kosten hier: 11,63 Euro (bei einem Superpreis von 1,55 Euro/Liter).

Steigende Spritpreise könnten helfen

Allerdings ist die LPG-Version mit mindestens 22 520 Euro rund 2100 Euro teurer als die reine Benzinversion (einen vergleichbaren Diesel gibt es ab 22 400 Euro) mit ansonsten gleichem Motor. Bis der Aufpreis hereingefahren ist, vergehen gut 47 000 Kilometer oder je nach Fahrprofil rund vier bis fünf Jahre. Allerdings können weiter steigende Spritpreise die Rechnung günstiger machen – ein nicht ganz unwahrscheinliches Szenario. Autogas ist zunächst bis 2018 steuerbegünstigt, Preiserhöhungen vonseiten der Mineralölkonzerne fallen nicht so stark ins Gewicht.

Die Kosten-Nutzen-Rechnung beim Meriva weicht nicht groß von der bei anderen Autogasfahrzeugen ab – ob werksseitig oder nachträglich auf LPG-Betrieb umgerüstet. Die eigentliche Besonderheit des Opel ist der Turbomotor, der bei anderen Herstellern gar nicht zu bekommen ist und an den sich nur wenige Nachrüster herantrauen. Während viele andere Gasautos also echte Schleicher sind, ist der Meriva durchaus flott unterwegs. Der Vierzylinder steht schon bei niedrigen Touren gut im Saft und lässt auch bei höherer Drehzahl kaum nach. Der Sprint von null auf 100 km/h dauert 11,8 Sekunden und damit nur minimal länger als beim reinen Benzinermodell. Ein Rennwagen ist der Mini-Van damit natürlich nicht, aber auch keine fahrende Verzichtserklärung.

Gastank in der Reservemulde

Der kleine Unterschied bei der Längsdynamik erklärt sich vor allem aus dem geringeren Energiegehalt von Autogas, der auch für den tendenziell höheren Verbrauch verantwortlich ist. Die anderen Nachteile von LPG-Antrieben halten sich beim Opel allerdings in Grenzen: So ist das Motorengeräusch im Gasbetrieb nur einen Nuance lauter und rauer als im Benzinbetrieb. Und auch das Umschalten auf Gas kurz nach dem Losfahren – gestartet wird immer mit Super – ist kaum wahrnehmbar. Bei manchen anderen Modellen klingt es so, als hätte sich irgendwo ein unter Spannung stehendes Blechteil gelöst.

Auch beim Platzangebot muss der LPG-Fahrer kaum Einschränkungen hinnehmen. Bis auf den Antrieb bleibt der Meriva im Grunde so, wie man ihn kennt: als geräumigen und variablen Fünfsitzer mit ordentlichem Federungskomfort und neutralem Fahrverhalten. Auch die hinten angeschlagenen Fondtüren bleiben unverändert. Der 38,4 Liter große Gastank findet in der Reserveradmulde Platz, für eventuelle Reifenpannen liegt ein Reparaturset bei. Das Cockpit entspricht dem der Benzinerversionen – einzig der Knopf zum Umschalten zwischen Gas- und Benzinbetrieb in der Mittelkonsole verrät den besonderen Kraftstoff.

Opel montiert selbst

Der Vorrat an beiden Spritsorten wird jeweils über die gleiche analoge Tankanzeige im Zentralinstrument angegeben, je nachdem welcher Betriebsmodus gerade aktuell ist. An das Bastelflair einiger anderer Autogasmodelle erinnert hier nichts. Opel montiert seine LPG-Modelle in Rüsselsheim komplett selbst, integriert sie dementsprechend sauber und setzt sogar eigens für den Gasbetrieb gebaute Motoren ein.

Das Alles-aus-einer-Hand-Konzept beim Meriva kann durchaus überzeugen. Die fugenlose Umrüstung, der moderne gasoptimierte Motor und ein fairer Aufpreis machen den Mini-Van zur interessanten Wahl für Familien, die ihre Tankstellenkosten drücken wollen. Wie häufig bei alternativ angetriebenen Autos lohnt aber vorher ein genaues Nachrechnen. Denn wirklich profitieren kann nur, wer auch genug fährt. (sppr)

Autogas-Fahrzeuge und viele mehr im Automarkt bei Tagesspiegel.de

Öko fahren und sparen
In diesen Tagen werden wohl viele über ihr Auto nachdenken. Entweder, weil sie nach dem Tanken für den Urlaub einen Kleinkredit aufnehmen mussten oder weil die Preise an der Tankstelle die Autofahrer daran erinnern, dass es vielleicht doch nicht das dicke SUV sein muss. Vielleicht reicht ja auch ein Kleinwagen? Der wäre jedenfalls an der Tankstelle freundlicher zum Geldbeutel.Weitere Bilder anzeigen
1 von 13Foto: dpa
22.08.2012 19:04In diesen Tagen werden wohl viele über ihr Auto nachdenken. Entweder, weil sie nach dem Tanken für den Urlaub einen Kleinkredit...

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

17 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben