Auto : Opel Obama

Der Insignia ist anziehender als alle vor ihm. Aber selbst mit bester Technik wird er es schwer haben, die Erwartungen zu erfüllen

Eric Metzler

Insignia? Er könnte Obama heißen. Opels neuer Typ legt bei der ersten Fahrbegegnung einen unwiderstehlichen Auftritt hin. Er sieht blendend aus, bewegt sich ebenso elegant wie dynamisch – und er macht kaum Fehler. Doch die Erwartungen sind überhöht wie die an den neuen US-Präsidenten. Was die Vorgänger angerichtet haben, will man auf einen Schlag abstreifen, wieder gemocht werden, so, wie es mal war. Vectra und Signum stehen für die alte Zeit, das verratzte Image. Bush will keiner mehr sehen, schon gar nicht die jungen Leute. Der Insignia soll, ja muss alles anders, alles besser machen; ein junges Modell, drahtig, modern, voller Ideen, an denen sich zukünftige Generationen orientieren können (siehe Kasten). Ein Wandel auf Knall und auf Fall.

Die Zeit für so eine Mission könnte schlechter nicht sein: Wenn irgend etwas darnieder liegt, dann ist es die Autoindustrie. In Berlin gibt es Händler, die in der Woche nicht ein einziges Mobil verkaufen – und bei Opel ahnt man im Stillen, wie utopisch 35 000 Insignia sind, die man plante, nächstes Jahr in Deutschland abzusetzen. Die Rüsselsheimer müssen das Kunststück vollbringen, einen neuen Wagen in einer Anti-Neuwagen-Zeit in den Markt zu drücken. Insofern klingt es ein bisschen wie das Pfeifen auf Halde, wenn Manager Christof Birringer in der Krise eine Chance sieht, bisherige Van- und SUV-Fahrer für den Insignia zu gewinnen: „Viele werden ab- oder umsteigen.“

An der Größe und an den technischen Qualitäten jedenfalls muss das nicht scheitern: 4,83 Meter sind BMW-5er-Format. Bei ersten Testfahrten hat uns imponiert, wie das Auto den Spagat zwischen großzügiger Familienkutsche und sportlicher Limousine meistert. Opels Feinarbeit am Fahrwerk hat sich gelohnt; spürbar vor allem, wenn das neue FlexRide an Bord ist. Je nachdem, wie zackig man fährt und wie die Straße beschaffen ist, steuert das „mechatronische“ System unter anderem das Verhalten von Lenkung, ESP und Stoßdämpfern so, dass der Wagen besser liegt und leichter die Ideallinie hält.

Bei den gefahrenen Motoren war unser Eindruck zwiespältig: Sie machen ihre Arbeit ordentlich, schlucken aber zu viel. Opel muss eingestehen, dass der Insignia bis zum Erscheinen einer sparsamen Ecoflex-Variante 2009 durchweg mehr verbraucht als der Vectra. Zu laut war uns der neu entwickelte Zweiliter-Diesel, den es mit 110, 130 und 160 PS gibt. Wie Opel sagt, hat man bei der Schalldämmung nachgebessert, so dass ab 22. November leisere Autos beim Händler stehen. Am besten gefällt uns ein Benziner: Der Zweiliter-Turbo-Direkteinspritzer mit 220 PS läuft mild, zieht schon bei niederen Drehzahlen gut und dreht frohgemut hoch.

Das ausgefallene Design hatten wir bereits in einem Beitrag vor Wochen gewürdigt. Dies schieben wir nach: Das Innere ist nicht nur auf Fotos premium. Alles wirkt sorgfältig ausgearbeitet, wertig bis ins Detail. Trotz vieler Knöpfe in der Mittelkonsole sind die Systeme leicht zu bedienen. Nach allem, was zu sehen und zu fühlen ist, verhält sich eines wirklich wie mit Obama: So viel Ausstrahlung war nie.

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