Opel übernimmt für GM : Chevrolet sagt in Europa leise Servus

Chevrolet wird sich in zwei Jahren aus Europa verabschieden. Verwundert hat die Strategie von General Motors ohnehin schon immer. Bei Opel dürfte Freude aufkommen.

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Weitgehend frei von Erfolg. Das Kompaktmodell Chevrolet Cruze schaffte nie einen großen Sprung in den Verkaufsstatistiken der immer noch gefragten Kompaktklasse.
Weitgehend frei von Erfolg. Das Kompaktmodell Chevrolet Cruze schaffte nie einen großen Sprung in den Verkaufsstatistiken der...Foto: Markus Mechnich

General Motors kann doch immer mal wieder überraschen. Zwar hat man in Detroit stets betont, wie wichtig der Absatzmarkt Europa für den Konzern doch sei. Aber eine richtige Strategie war in den letzten Jahren kaum erkennbar. Da wurden alteingesessene Opel-Händler dazu genötigt neben den Corsas und Astras die billigeren Chevrolets zu stellen und sich damit selbst das Leben schwer zu machen. Während bei Opel das Geld für dringende Investitionen ständig zusammengestrichen wurde, besetzte Chevrolet neue Marktsegmente, natürlich neben Opel.

Parallel dazu nur Horrormeldungen und wilde Spekulationen um die traditionsreiche Marke mit dem Blitz. Und nun die prompte Kehrtwende. In zwei Jahren wird es keine Chevrolets mehr in Europa geben. Einzig die Corvette wird nach 2015 noch die Flagge hochhalten und nur in Russland und den ehemaligen GUS-Staaten wird weiterverkauft. Welch ein Coup?

Aus Daewoo wird schrittweise Chevrolet

Was für die Strategen des Weltkonzerns und einst größten Autobauers der Welt immer logisch schien, ist in Westeuropa ohnehin nie so richtig angekommen. Ab 2002 übernahmen die Amerikaner Stück für Stück die südkoreanische Marke Daewoo und gliederten sie ins Firmenimperium ein. Über die Modelle der Koreaner, die seit den achtziger Jahren mit bescheidenem Erfolg in Europa Autos verkauften, wurde das Markenemblem von Chevrolet übergestülpt. 2005 verschwand Daewoo in Europa ganz und sechs Jahre später auch vom koreanischen Heimatmarkt.

Das Mittelklasse-Modell Chevrolet Malibu war in Europa ein Flop. Es wurde erst im vergangenen Jahr eingeführt.
Das Mittelklasse-Modell Chevrolet Malibu war in Europa ein Flop. Es wurde erst im vergangenen Jahr eingeführt.Foto: Markus Mechnich

Die Autos hinter dem Chevy-Logo, das noch der Firmengründer Louis Chevrolet, ein aus der Schweiz eingewanderter Rennfahrer, etabliert hatte, blieben im Wesentlichen unberührt. Erst in den letzten Jahren bildete sich mit Modellen wie dem Kleinwagen Spark oder dem Kompaktmodell Cruze eine Art Image der Marke heraus. Dennoch bleib vieles Badge-Engineering vom Feinsten. Der Captiva ist ein Opel Antara und der Trax ein Mokka. In Südamerika trieben es die Controller noch bunter. Dort steht fast die ganze Modellpalette von Opel als Chevrolet bei den Händlern, vom Chevrolet Kadett bis zum Chevrolet Zafira. Der Atlantik mag breit sein, aber Markenpflege geht anders. Und Innovatives war aus dem Sammelbecken für angestaubte Technik aus dem GM-Regal ohnehin nie zu erwarten.

Beim Absatz weitgehend erfolgfrei

Der Kleinwagen Chevrolet Spark war das erste eigenständig entwickelte Modell der Marke abseits der USA.
Der Kleinwagen Chevrolet Spark war das erste eigenständig entwickelte Modell der Marke abseits der USA.Foto: Hersteller

In Deutschland konnte Chevrolet nie die magische Hürde von einem Prozent Marktanteil überspringen. Die Alarmglocken dürften aber spätestens dann geschrillt haben, als selbst der Absatz des einstigen Umsatzbringers, des Kleinwagen Spark, zusammenbrach. 2010 wurden immerhin noch über 10 000 Einheiten an Kunden ausgeliefert. Bis Ende November 2013 waren es nicht mal mehr die Hälfte. Der Chevrolet Malibu, ein Import eines amerikanischen Mittelklasse-Modells, das in Korea gefertigt wird und erst letztes Jahr in Europa eingeführt wurde, kam 2013 bisher auf traurige 473 Einheiten. Die Händlerzulassungen abgezogen dürfte der reale Absatz im niedrigen zweistelligen Bereich liegen. Und selbst der Kompakte Cruze, in verschiedenen Karosserievarianten ab 2009 eingeführt, schaffte nie die Hürde von zehntausend Zulassungen jährlich. So gesehen war der Schritt überfällig.

Für Opel hingegen, vor allem für den neuen Chef Karl-Thomas Neumann, ist die Entscheidung ein Befreiungsschlag. Sein Engagement im Executive Commitee von General Motors dürfte sich alleine deshalb schon gelohnt haben. Zwar bleibt Opel beim Vertrieb weiter auf Europa beschränkt, hat jetzt aber freie Hand und muss sich nicht mehr vor dem Feind im eigenen Hause fürchten. Rüsselsheim atmet kollektiv auf.

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