Panamera : Haben Sie’s nicht ’ne Nummer kleiner?

Für Porsches Verhältnisse ist ein Panamera ziemlich groß und ein Sechszylinder ziemlich klein – nun spannt man beides zusammen.

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Weil das ewige Mehr immer weniger akzeptiert wird, gilt das Weniger neuerdings immer mehr. Klingt kompliziert, ist aber mit Blick auf den Panamera ganz einfach: In den baut Porsche jetzt auch einen Sechszylinder ein. Das darf durchaus als kleine Sensation beklöppelt werden, zumal in einem Auto, das seinerseits schon als solche zu gelten hat. Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass Porsche heute wie selbstverständlich Geschäfte mit einem Viersitzer macht?

Ein halbes Jahr nun staunt das Publikum über eine seltsame Erscheinung, dieses gewagte Bild eines Gran Turismo, weit gespannt, flach gelegt, durchzogen von einem breiten, überbevölkerten Mitteltunnel und bestückt mit fantastischem Einzelgestühl im hinteren Abteil. Fast 20 000-mal wurde das geräumige Stück seit Erscheinen verkauft, eine Zahl, die im Plan liegt und die weniger wegen des Startpreises von gut 100 000 Euro überrascht als wegen der schier endlosen Krise. Offensichtlich hat Porsche den Nerv von Männern Anfang 50 getroffen, vornehmlich Firmeninhaber, wie die interne Statistik verrät. Die sehen ihre Familie selten genug, wollen die Liebsten folglich dabeihaben, wenn es am Wochenende mal rausgeht mit der sündigen Barentnahme. Vergnügen sich die Herren allein, lassen sie es auch im Reise-Porsche gerne mal krachen – nur so ist zu erklären, wenn jeder Vierte den stärksten und teuersten Panamera bestellt, den „Turbo“ mit 500 PS (gut 135 000 Euro).

Für die, bei denen es nicht darauf ankommt, ist also hinreichend gesorgt. Nun legt Porsche für die Schmalhänse nach, jene, die den prestigeträchtigen Einstieg durchaus vom Preis abhängig machen wollen – oder machen müssen: Gleich 20 000 Euro billiger als bei den Modellen „S“ und „4S“ kommt fortan zum Zuge, wer entweder den hinterradgeriebenen „Panamera“ (knapp 76 000 Euro) oder den Allrad „Panamera 4“ (84 000 Euro) ordert; wie gesagt, jeweils mit sechs statt mit acht Töpfen. Für den Hersteller verknüpft sich mit der selbst verordneten Diät eine Reihe positiver Nebenwirkungen: Erstens soll die soziale Akzeptanz zunehmen; immerhin sinkt der Verbrauch deutlich unter zehn Liter. Zweitens wird ein kleinerer Panamera im weiten Verkaufsreich China erschwinglicher, weil es dort eine hubraumbezogene Luxussteuer gibt. Drittens schließlich reagiert man auf das Umdenken in den USA; mit dem ersten V6 überhaupt, der drüben in der Premiumklasse angeboten wird, setzt sich Porsche an die Spitze der Bewegung. Insgesamt rechnet Zuffenhausen damit, dass über kurz oder lang die Hälfte aller georderten Panamera einen V6 unterm Blech haben wird. Ob die Einbaurate in Deutschland so hoch sein wird, bezweifeln wir. Zu deutlich ist der Leistungsabfall gegenüber dem V8 – der faktische genauso wie der gefühlte. Um Missverständnissen vorzubeugen: Mit der „kleinen“ 3,6-Liter-Liter-Maschine ist der Panamera keine lame duck. Auch mit ihm lässt sich im ICE-Tempo souverän reisen, nur leiser und komfortabler. Und auch mit ihm lassen sich Kurven lustvoller nehmen als in fast jeder Limousine. Aber beim direkten Beschleunigen, beim Spurt links vorbei, da merkt man dann schon, wenn ein Fünf-Meter-Sportwagen fast 1800 Kilo auf die Waage bringt. Sagen wir es so: Es ist beeindruckend, was Porsche aus einem V6 herausholt, insbesondere wenn man sich für den Allrad entscheidet, der ausschließlich mit dem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe ausgeliefert wird. Aber ein Kompromiss aus Preis und Leistung bleibt der V6 doch – einer, der als solcher vor allem auffällt, wenn man den direkten Vergleich hat. Wer nicht durch eine Probefahrt im V8 verdorben ist, spürt sicher gar keinen Abstiegsschmerz.

Dies umso weniger, als schon in den Einstiegsmodellen alles an technischen Raffinessen und sinnlichen Genüssen aufgeboten wird, was eine gelungene Synthese von Sport, Komfort und vertretbarem Verbrauch macht. Dass nur einige der Leckerlis serienmäßig sind (Start-Stopp, Sport-Taste, 8-fache Sitzverstellung) und viele optional (Luftfederung, Wankstabilisierung, Sportlenkrad), überrascht nach jahrzehntelanger Übung niemanden – schon eher, dass den Ingenieuren immer noch Neues einfällt. So kommt in den V6-Modellen (und damit auch in den V8) erstmals die elektronische Hinterradsperre zum Einsatz, die das Lenkverhalten durch gezielte Bremseingriffe verbessert. Konkret: Bei hohem Tempo durch Kehren wird das kurveninnere Hinterrad gebremst, zugleich die Antriebskraft des kurvenäußeren erhöht.

Am Rande: Porsche hat seinen neu entwickelten Direkteinspritzer vom 4.8-Liter des V8 abgeleitet, der im Panamera S und 4S satte 400 PS darbietet. Der V6 hat 100 PS weniger und ist ein Drittel leichter; 40 Prozent der Teile sind die dieselben, er kann somit auf der gleichen Produktionsstraße gefertigt werden – demnächst übrigens auch für den Cayenne.

Bei den V8-Modellen hat die Bestellrate einer Option „alle Erwartungen gesprengt“, wie Porsche sagt: Fast zwei Drittel (!) aller Panamera-Kunden halten eine 1000-Watt-Anlage der legendären Hifi- Edelschmiede Burmester für unverzichtbar. Das Kunstwerk mit 16 einzeln ansteuerbaren Lautsprechern, Aktiv-Subwoofer und „innengeräuschunterdrückendem Mikrofon“ kostet knapp 4800 Euro extra – aber wer den V6 ordert, spart ja auch eine ganze Menge.

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