Peugeot 207 CC : Wenn der sich frei macht, wird’s heiß

Zum Täschchen von Prada trägt Frau zum Beispiel Peugeot: Das neue Cabrio 207 CC macht ordentlich was her. Ein Typ zum Angeben.

Susanne Leimstoll

Es ist uns nach ein wenig Luxus heute. Nichts Protziges, bitte. Klein, fein. Nichts, was das Auge beleidigt. Wir wählen den Lackton „Parthenon Beige“, metallisch schimmernder Schmelz, perfekt zu unserem Blond. Innen: natürlich Volllederausstattung, mit cremefarbenem Faden gesteppte Nähte. Die Hand mit dem kleinen Diamantring gleitet über dezent genarbte Armaturen. Leder, cognacfarben, detailverliebter Kontrast zu schwarz bezogenen Passagen: die Türwangen, das obere Lenkradviertel, ein kleiner Streifen am unteren Holm. Die dunklen Fußmatten im selben Schmeichelbraun abgesetzt. Oh ja, das ist Haute Couture. „Alezan“, Fuchs, heißt der Farbton – ein Wort so unaufgeregt nobel wie dieses Interieur. Der Rest der Dekoration lässt das Herzchen rasen: Die mit Zierleisten in gebürstetem Metalliclook abgesetzte Konsole, Aluminiumpedale mit kleinen schwarzen Noppen. Schwarze Ziffern auf weiß hinterlegten Instrumenten, das Rund silbern eingefasst, sportlich nostalgisch. Ein Druck auf den Schlüssel und das Füchslein stellt mit kleinem Summen die Außenspiegel-Ohren auf. Jetzt hineingleiten und sich in den zehnfach höhenverstellbaren Sitz drücken. Wir lassen einen von sieben Düften aus dem Parfümspender strömen. Die Klimaanlage hält das Evian-Fläschchen im Handschuhfach schön kühl. Das ist er: der perfekte Begleiter zu Prada- Täschchen und Blahnik-Slingpumps. Understatement en francais. Dabei kostet er nicht die Welt. Und: Dies, bitte, waren erst die Amuse-Gueules …

Tja, Jungs, tut mir leid: Das neue Peugeot Coupé-Cabrio 207 CC ist eigentlich ein Frauenauto. Wir wissen schnieke Details zu schätzen, auch wenn es die nur in den Luxusausstattungen „Sport“ und „Platinum“ gibt. Peugeot hat sein Erfolgsmodell – 2002, 2003 und 2005 das meistverkaufte Cabrio in seinem Segment in Deutschland und 2006 nur vom Mercedes SLK geschlagen – zum plastischen Chirurgen geschickt. Seit März ist es – im eigenen Werk runderneuert – auf dem Markt: Ein Typ mit sexy schmalen Augen, einem alles verschlingenden Kühlermund, neu modelliertem Hintern und schlanken, aerodynamischen Flanken. Jetzt stimmen die Proportionen: Vergessen das zu kurze, aufgebockte Heck des 2006 CC mit Haltegriffen und dem Charme einer Weißblechdose. Korrigiert die zu hohe Sitzposition, optimiert die Straßenlage. Passé die Probleme mit der Wasserdichtigkeit bei geschlossenem Top. Denn und vor allem: Das Dach, früher manuell zu entriegeln, jetzt aber von Peugeot ganz und gar im eigenen Designzentrum entwickelt, fährt nun elektrohydraulisch auf Knopfdruck über den Köpfen weg und faltet sich in 25 Sekunden in den bis dahin 370 Liter fassenden Kofferraum. Danach ist in den145 Litern noch für Tennisschläger oder gaaaanz flache Kleidersäcke Platz. Taschen positioniert man bitte auf dem Rücksitz, auf dem – noch immer – sowieso kein Mensch Platz hat, auch, wenn der Hersteller das Gegenteil behauptet. Selbst mit nach vorn geschobenem Vordersitz würde es, sagen wir, die magersüchtige Nicole Ritchie nur auf Kurzstrecke aushalten. Aber: Wer will den 207 CC schon für mehr als sich und einen Beifahrer?

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Ein aufregender Begleiter: der Peugeot 207 CCPeugeot

Deutschland ist für das kleine Peugeot-Cabrio Boom-Land. Von jährlich 360 000 produzierten Vorgängermodellen wurden 100 000 en Allemagne abgesetzt. 111 000 vom neuen Modell will die Löwenfamilie 2007 unter die Cabriofans bringen. Zielgruppe sind, wie Kommunikationsdirektor Christian Peugeot und Geschäftsführer Christian Dardart sagen, „eigene Kunden“, also Nutzer der französischen Marke, die schon nach dem neuen Modell hecheln, und vor allem: Frauen. Kinderlose Frauen. Keine ganz jungen Frauen. Durchschnittsalter 43 Jahre. Frauen mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 50 000 Euro. Die machen 60 Prozent der Käuferschicht aus. Dreiviertel der Besitzer/-innen des kleinen Peugeot-Cabrios „haben mehrere Fahrzeuge“. Klingt nach: Wenn die Kinder aus dem Haus sind, Vati genug Kohle gemacht oder Mutti sowieso ihr eigenes Geld verdient hat, gönnt sie sich was Schnuckeliges für draußen. Die Zielgruppe, sagt Monsieur Peugeot, war nicht so geplant, aber: pourquoi pas?

Vergessen wir das mal. Der 207 CC ist nämlich auch was für Pragmatiker. Die Franzosen bringen ihn in drei Varianten: zwei Benziner (120 und 150 PS) und ein Diesel (109 PS). Alle drei schaffen 200 bzw. 210 km/h Spitze, alle drei sind sprintstark, die Benziner moderat im Verbrauch: 6,5 bzw 7,2 Liter Super durchschnittlich. Den Diesel bezeichnet Peugeot als Sparwunder unter den Cabrios seiner Klasse: 5,2 Liter Diesel auf 100 Kilometer soll der Neue auch dann nur schlucken, wenn man richtig Stoff gibt. Den irgendwann zu erwartenden CO2-Richtwert von 130 Gramm pro Kilometer würde zwar keines der Modelle schaffen. Der Diesel liegt bei günstigen 136, die anderen beiden bei 155 bzw. 171 g/km.

Das neue kleine Cabrio ist 20 Zentimeter länger und gut 200 Kilo schwerer als sein Vorgänger. Das ist unter anderem einer verbesserten Karosseriesteifigkeit geschuldet: Peugeot hat zum Beispiel den Unterboden mit überkreuzenden Streben verstärkt und auch die Längsachsen. Heißt: Das Ding liegt satt und sicher in der Kurve, kein Vibrieren, nichts. An der Vorderachse sitzen McPherson-Federbeine mit 21 bzw. 22 Millimeter dickem Kurvenstabilisator. Bedeutet: keine Wankbewegungen. Und apropos Sicherheit: Auch in den Überrollbügeln hinter den Fondsitzen sitzt Peugeot-Technik. Im Falle eines Überschlags sollen die – in einer Kassette zwischen Metalltrennwänden untergebracht – in 175 Millisekunden um 200 Millimeter ausfahren. Und, klar, fünf Airbags sind serienmäßig.

Wer jetzt aufs Geld schauen will: Der 207 CC kostet als Basismodell „Filou“ zur Markteinführung bis Ende April nicht mehr als sein Vorgänger: 18 450 Euro, der Diesel 20 500 Euro. Versichern lässt sich der neue 120-PS-Benziner auch günstiger als der Vorgänger: Vollkasko-Typklasse 14, also drei Klassen unter dem 206CC (Diesel: Typklasse 20).

20 Grad in Südspanien, die Regenwolken hängen tief, es nieselt. Wir starten. Der kleine Löwe schnurrt dezent. Das Dach lassen wir erst mal zu. Die stark nach hinten gezogene Frontscheibe ist nur am Anfang ungewohnt, der reduzierte Ausguck am Heck dagegen länger gewöhnungsbedürftig. Der Kleine liegt breit auf der Straße, ist lässig zu lenken. Die Serpentinen hinauf zu den weißen Häusern von Ubrique unweit der Sherry-Stadt Jerez, vorbei an schwer behangenen Zitronenbäumen und an Koppeln mit struppigen Pferden, nimmt er mit Grandezza. Kein Hauch von Schlingern auf hohlen, verschwenkten, regennassen Straßen. Selbst der Diesel sprintet los, als müsse er es selbstverständlich noch zur Corrida schaffen. Erst in den oberen Drehmomenten wirkt er ein bisschen behäbig. Egal, dafür ist er sparsamer als seine frechen Benziner-Brüder.

Als die Wolken aufreißen, ist es endlich Zeit für Frischluft. Ein Fingerzug am Knopf in der Mittelkonsole und mein hübscher Begleiter macht sich frei: fährt die Scheiben ein, stellt die Heckklappe auf, lässt das Dach ordentlich gefaltet verschwinden. Das kostet ihn nicht mehr als ein Summen. Dann schnurren wir weg, gut windgeschützt, mein schmaläugiges Model und ich. Mannomann, mit dem Typ kann man sich sehen lassen.

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