Peugeot 308 : Aktion Gesicht zeigen

Peugeots 308 kommt früher als erwartet – und lässt den Vorgänger alt aussehen. Diesmal hat man sich gerade im Design besonders weit vorgewagt.

Ingo von Dahlern
Peugeot 308
Umweltfreundlich. Der Peugeot 308 verfügt bald auch über einen Hybrid-Motor. -Foto: Peugeot

So eilig hatte es Peugeot schon lange nicht mehr. Denn obwohl der 307 gerade einmal sechs Jahre alt geworden ist, wurde auf der IAA bereits der Nachfolger 308 präsentiert. Und ehe die Messe ihre Tore geschlossen hatte, stand er schon bei den Händlern – zumindest den deutschen. Denn seine Frankreich-Premiere hat der 308 erst nach dem Verkaufsstart im Golf-Land.

Hier fällt er nicht nur auf, weil er die seine Front beherrschende Klappe besonders groß aufreißt, sondern vor allem auch durch seine Preise. Denn 14 950 Euro für den Einstieg mit dem Filou 95VTi sind nicht nur glatte 300 Euro weniger als beim Vorgängermodell, sondern vor allem auch deutlich weniger als die 16 300 Euro, die VW mindestens für den Golf haben will. Auch für den Einstieg beim Opel Astra und beim Ford Focus muss man tiefer in die Tasche greifen. Das schafft eine gute Startposition in einer der am härtesten umkämpften Klassen auf dem Markt – hierzulande macht sie mit rund fünf Millionen Fahrzeugen ein Drittel des Gesamtmarktes aus.

Ein überzeugendes Angebot in diesem Segment ist für Peugeot unverzichtbar. Zwar war der 307 mit mehr als drei Millionen Exemplaren durchaus ein Erfolgsmodell. Doch angesichts immer zahlreicherer Konkurrenz nicht nur aus Europa, sondern auch aus Japan und nicht zuletzt Korea, sieht der 307 immer älter aus, ehe er richtig alt geworden ist.

Das ist sicher ein Motiv dafür, dass man sich beim inzwischen typischen Peugeot-Design diesmal besonders weit vorgewagt und die an sich schon aggressive raubkatzenhafte Note der Löwen noch einmal unterstrichen hat. Denn je ähnlicher die Technik in der Kompaktklasse wird, desto wichtiger nehmen die Kunden das Design. Und so gehört der 308 zu den Vertretern seiner Gattung, die man beim besten Willen nicht übersehen oder verwechseln kann. Und das, wie schon beim 207, auch gleich im Doppelpack. Denn neben dem ein wenig zurückhaltenderem Look der Versionen Filou und Tendance gibt es das betont markante zweite Gesicht der Versionen Sport, Sport Plus und Platinum mit nach vorne gewölbter Frontschürze und Alu-Optik.

Nicht weniger attraktiv ist das Heck. Das kommt mit seinen bogenförmigen Rückleuchten betont kraftvoll daher und betont die Breite des Fahrzeugs, das damit besonders satt auf der Straße zu liegen scheint. Und auch hier gibt es mit angedeuteten Diffusoren beiderseits des Nummernschilds ein zweites sportliches Gesicht. Die Seitenperspektive zeigt, dass Peugeot der hoch bauenden vanartigen Karosserie treu geblieben ist. Die wirkt um 12 Millimeter niedriger gezeichnet nun allerdings sichtbar dynamischer.

Ganz neu beim 308 ist die Optik des Innenraums. Geprägt wird sie von klassischen Rundinstrumenten und einer kompakten eleganten Mittelkonsole mit darüber angeordnetem ausklappbarem Display. Unübersehbar sind die zahlreichen Chrom-Applikationen sowie die hohe Material- und Verarbeitungsqualität des Interieurs, das dadurch einen Sprung nach vorn getan hat. Zum großzügigen Raumgefühl trägt neben dem stark zur Frontscheibe gerundeten Instrumententräger vor allem die gegenüber dem Vorgänger um sechs auf 182 Zentimeter gewachsene Breite bei. Der Längenzuwachs um gut sieben auf 428 Zentimeter dient dagegen vor allem dem Raum für einen verbesserten Fußgängerschutz. Dennoch sitzt man auch hinten bequemer, weil die Vordersitze nun sehr viel kompakter gestaltet wurden. Und eine einzigartige Aussicht bietet der 308 mit seinem Panorama-Glasdach, bei dem uns allerdings der Querträger ein wenig zu massiv erscheint.

Sechs Motoren bietet Peugeot für den 308 an – drei Diesel und drei Benziner. Während es sich bei den Selbstzündern um bewährte Konstruktionen handelt, sind die gemeinsam mit BMW entwickelten Benziner durchweg neu. Unter denen lockte bei ersten Probekilometern vor allem der aufgeladene 1,6 THP mit 150 PS, der bereits bei 1400 Umdrehungen pro Minute sein höchstes Drehmoment von 240 Nm liefert – und damit kraftvollen Anzug, hohe Elastizität und in Verbindung mit dem breit ausgelegten Fahrwerk echte Fahrfreude. Binnen 8,8 Sekunden ist Tempo 100 erreicht, maximal 213 km/h sind möglich. Allerdings beträgt der Durchschnittsverbrauch laut Werk auch 7,1 Liter je 100 Kilometer (167 g CO2/km). Enttäuscht hat uns, dass er bei der schwächeren Variante mit 120 PS sogar 7,3 Liter beträgt. Denn Peugeot hat es bislang nicht geschafft, diesen Motor mit einem Sechsganggetriebe zu kombinieren, wie es für die sehr viel sparsameren Zweiliter-Diesel verfügbar ist. Überzeugend sind dagegen die Fahreigenschaften des 308, dessen sehr sicheres Fahrwerk auch sportliche Gangart zulässt, ohne dass man dabei große Abstriche beim Komfort machen muss. Und bereits die Basisversion bietet eine umfangreiche Serienausstattung, bei der elektrische Fensterheber und Spiegel ebenso verfügbar sind wie ABS, Bremsassistent und ESP sowie sieben Airbags.

Hohe Qualität, überzeugende Technik und Ausstattung, sichere Fahreigenschaften und nicht zuletzt ein akzentuiertes Design, das ihn deutlich von seinen Hauptkonkurrenten unterschiedet – das hat was. Dazu attraktive Preise – Peugeot scheint mit dem 308 in der Kompaktklasse gut aufgestellt. Und die Position wird noch besser werden: Im nächsten Jahr kommen zur Limousine noch Kombi und Cabrio hinzu.

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