Peugeot 308 SW : Wie viel Design muss sein?

Peugeots 308 SW kommt heute zu den Händlern. Mit viel Platz, Fahrdynamik und Styling-Gimmicks.

Kai Kolwitz

Es gibt ja viele Arten, ein Auto zu designen: glatte Flächen oder markante Akzente. Scharfe Kanten oder weite Rundungen. Betonung der Länge, der Breite oder der Höhe. Und bei all diesen Möglichkeiten ist es nur verständlich, dass die Entscheidung zwischen den Konzepten manchmal schwer fällt.

Vielleicht ist das ja so gewesen, als bei Peugeot der 308 SW in Form gebracht wurde, der an diesem Wochenende zu den Händlern kommt: Von vorn das bekannte Markengesicht mit dem breiten Maul zur geschwungenen Haube. Seitlich betonte Radläufe und harte Bügelfalte nebst Prallschutz und der zurückgesetzten Fensterlinie. Und hinten: Ein Bürzelchen und Heckleuchten, die in charmantem Gegensatz zur Linie des ganzen Rests stehen. Irgendwie hätte man so viel Styling auch auf zwei bis drei verschiedene Autos verteilen können. Aber wer will hier Geschmackspolizei spielen? Deshalb zitieren wir nur Peugeot-Chefkommunikator Christian Peugeot: „Über das Design müssen Sie selbst entscheiden. Zumindest ist es nicht banal.“

Darauf müsste man sich einigen können. Aber vielleicht wäre es besser, wenn der 308 SW, Peugeots neuer kompakter Kombi, einen Hauch mehr Everybody’s Darling geworden wäre. Denn sitzt man einmal drin, dann ist das Gebotene aller Ehren wert: Der Innenraum bietet viel Platz, wirkt solide, wertig und unaufgeregt. Nichts rappelt, die Dämmung schluckt jede Menge Lärm von draußen. Und auch bei Antrieb und Fahrwerk zeigen sich schon bekannte Peugeot-Tugenden: Obwohl komfortabel abgestimmt, bietet der Kombi auch für die eilige Fahrt zum Kindergarten genug Reserven. Und damit das zur Geltung kommt, hängen sowohl der 109-PS-Diesel als auch der mit BMW entwickelte 150-PS-Turbo-Benziner, die beiden Motorvarianten, die wir ausprobieren konnten, richtig gut am Gas. Während letzterer allerdings mit gut 23 000 Euro Kaufpreis und 7,5 Liter Normverbrauch (177 g CO2/km) bezahlt sein will, schafft man es im Diesel – dann allerdings mit weniger Ausstattung – knapp unter die 20 000-Euro-Grenze. Auch beim Verbrauch liegt der Selbstzünder naturgemäß mit 5,1 Litern (134 g CO2 / km) besser. Wer sich mit 95-Benziner-PS bescheiden kann, muss sogar nur 16 700 Euro mitbringen, um 308-SW-Fahrer zu werden.

Aber damit zu dem, was bei einem Kombi wirklich relevant ist: Was passt denn rein? Sind fünf Sitze drin, fasst der SW bis Fensterkante bis zu 573 Liter, was sogar ein wenig mehr ist als beim Primus Golf Variant. Muss hinten keiner sitzen, dann kommt es darauf an. Denn die 308-SW-Flotte teilt sich in zwei Welten: Käufer der beiden unteren Ausstattungslinien müssen mit einer, allerdings verschiebbaren, Rückbank vorlieb nehmen. Dagegen gibt es ab Version „Sport“ drei Einzelsitze, die sich einzeln herausnehmen und mit 18 Kilo Gewicht pro Stück sogar einigermaßen anheben lassen. Auch der Beifahrersitz lässt sich dann umklappen. Wer das will, wird mit mehr als 1700 Litern Laderaum belohnt, die anderen bleiben knapp unter der 1600er-Grenze. Aber auch das sind immer noch 50 Liter mehr, als der Golf Variant schafft. Ebenfalls ein Goodie nur für die Besser-Bestellenden: Ab Version „Sport“ gehört das Panoramadach zum Lieferumfang, das sich bis über die Rücksitze zieht. Außerdem lässt sich dann die Heckscheibe einzeln öffnen – praktisch, um mal eben eine Sporttasche in den Kofferraum fallen zu lassen.

Bleibt am Ende also wirklich nur das Design als diskutabler Punkt. Aber für den, der sich damit nicht anfreunden kann, gilt angesichts der inneren Werte: Sitzt man erstmal drin, dann muss man ihn ja nicht sehen.

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