Peugeot interpretiert Hybridantrieb : Wenn der Diesel mit dem Stromer

Diesel ist sparsam, Hybrid auch. Warum nicht beides kombinieren? Peugeot macht mit dem 3008 Hybrid4 den Anfang und bringt den ersten elektrisch unterstützten Diesel auf den Markt. Was bringt die Kombination der Sparkonzepte?

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Grünling mit Selbstzünder: Der Peugeot 3008 Hybrid4 vereint als erstes Serienfahrzeug einen Dieselantrieb mit einem Elektromotor.
Grünling mit Selbstzünder: Der Peugeot 3008 Hybrid4 vereint als erstes Serienfahrzeug einen Dieselantrieb mit einem Elektromotor.Foto: Hersteller

Sind eine Geschwindigkeit von maximal 130 Stundenkilometer und eine Reichweite von nicht mal 200 Kilometer wirklich genug? Die Speicherkapazität der Batterien ist immer noch das Kardinalproblem der Elektromobilität. Im Vergleich zu herkömmlichen Verbrennungsmotoren haben die mit Strom betriebenen Fahrzeuge einen klaren Nachteil: Die Reichweite und, bis auf wenige Ausnahmen, auch die Fahrleistungen sind mit herkömmlichen Fahrzeugen nicht vergleichbar. Zwar sprintet ein E-Auto hurtig los, aber jenseits der 100 km/h wird es in der Regel gedrosselt, damit sich die Batterie nicht zu schnell entlädt. Und auf der Autobahn kann kein Hybride mit einem vernünftigen Diesel in Sachen Verbrauch mithalten. Gerade die Reichweite ist die große Stärke von Diesel-Antrieben. Was liegt also näher als die Vorteile beider Konzepte zu verbinden, dachte man sich vor drei Jahren im französischen PSA-Konzern. Als Ergebnis bringen die Schwestermarken Peugeot und Citroën parallel zwei Hybridfahrzeuge auf Diesel-Basis auf den Markt. Ein erster Blick auf den 3008 Hybrid4 von Peugeot.

"Der Verkauf von Hybridfahrzeugen an Privatkunden bleibt in Deutschland eine Herausforderung", sagt Thomas Bauch, der Geschäftsführer von Peugeot Deutschland, bei der Vorstellung des ersten Hybrid-Fahrzeugs seiner Marke. Was da etwas zerknirscht klingt ist die Klage, dass es hierzulande keine Förderung für strombetriebene Fahrzeuge gibt. Im Gegensatz zu Frankreich bleiben die deutschen Kunden auf den hohen Anschaffungskosten für ein Elektroauto oder ein Hybridfahrzeug komplett sitzen. Bei unseren Nachbarn können sich Käufer von E-Autos beim Staat eine Prämie von 5000 Euro abholen. In Deutschland gibt es eine Steuerbefreiung für den Zeitraum von 5 Jahren. Allerdings nur für reine E-Autos. Besitzer von Hybridfahrzeugen schauen in die Röhre und werden höchstens an der Zapfsäule für ihr Umweltengagement belohnt.

Kombination der Unvereinbaren

Nichtsdestotrotz setzt man bei Peugeot auf eine Kombination zweier, bisher unvereinbarer Systeme um in Sachen Hybridtechnik vorzupreschen. Der Dieselmotor des 3008 Hybrid4 soll eine hohe Reichweite garantieren, der Elektroantrieb den Verbrauch in der Stadt senken. Für den französischen Hersteller ist das zudem ein galanter Weg seine Stärken auszuspielen. Denn mit Diesel hat Peugeot schon lange und gute Erfahrungen gesammelt.

Einen Schalthebel sucht die Hand vergeblich. Den Hybriden gibt es ausschließlich mit einem elektrisch gesteuerten Getriebe (EGS6) mit sechs Gängen. In Position "M" gebracht kann über eine Schaltwippe am Lenkrad geschaltet werden.
Einen Schalthebel sucht die Hand vergeblich. Den Hybriden gibt es ausschließlich mit einem elektrisch gesteuerten Getriebe (EGS6)...Foto: Hersteller

Das Konzept, mit dem die Marke mit dem Löwen im Wappen in diesem April auf den Markt geht, hat aber nicht nur den Reiz des Spritsparens. Der Elektromotor des Fahrzeugs ist auf der Hinterachse montiert und macht aus der Kreuzung zwischen Coupé und SUV einen Allrader. Praktisch, denn genau dieser Antrieb fehlt der Baureihe bisher im Angebot. Zudem wird vorne viel Platz gespart und eine bessere Gewichtsverteilung erreicht. Immerhin 140 Kilo bringt die Hybridtechnik auf die Räder des 3008, der Großteil von mehr als 100 Kilogramm geht zu Lasten der Batterie. Dafür lassen sich durch das automatisierte Schaltgetriebe und andere Komponenten, die leichter ausfallen, rund 20 Kilogramm wieder einsparen. In der Summe muss der Hybride 120 Kilogramm an Mehrgewicht fortbewegen.

Gleichmäßig im Verbrauch

Ein solches Paket muss auch ein Hybridfahrzeug erst mal verdauen. Und sich der Konkurrenz aus der rein mit Diesel angetriebenen Version stellen. Die Version mit dem gleichen Motor, einem 163 PS starken Selbstzünder weist einen Normverbrauch von 6,5 Liter vor. Kein schlechter Wert, den der Hybride dennoch mit 3,8 Liter auf dem Normzyklus deutlich unterbieten kann. Das wird, wie üblich bei dualen Antrieben, vor allem durch den geringen innerstädtischen Verbrauch realisiert. Dort wo konventionelle Motoren kräftig schlucken fährt der 3008 Hybrid4 mit 3,9 Liter fast ebenso günstig wie außerorts mit 3,7 Litern.

Vier Fahrmodi bietet der Hybridantrieb. Bei Sport wird die volle Leistung von kombiniert 200 PS abgerufen, im Allrad-Modus arbeitet der Elektroantrieb ebenfalls dauerhaft mit und mit der Einstellung "ZEV" zwingt der Fahrer das Fahrzeug zur rein elektrischen Fortbewegung - Solange die Batterie reicht.
Vier Fahrmodi bietet der Hybridantrieb. Bei Sport wird die volle Leistung von kombiniert 200 PS abgerufen, im Allrad-Modus...Foto: Hersteller

Nun erweisen sich bekanntlich Normzyklen in der Praxis immer als graue Theorie. Allerdings konnte der Peugeot 3008 Hybrid4 auf der Proberunde im Stadtgebiet von Frankfurt durchaus seine Sparerqualitäten unter Beweis stellen. Der Bordcomputer zeigte mit 5,4 Litern einen sehr ordentlichen Verbrauchswert für den dichten Verkehr an, der sich auch im Vergleich mit konventionellen Benzin-Hybriden sehen lassen. Allerdings erfordert ein solcher Verbrauch eine vorausschauende und zurückhaltende Fahrweise. Wer innerstädtisch ordentlich aufs Gas tritt wird an der Zapfsäule die Rechnung bekommen.

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