Peugeot : Was es hat, von allem was zu haben

Der 3008 von Peugeot ist ein bisschen Kombi und ein bisschen SUV – also geben wir ihm bei der ersten Begegnung eine 50-Prozent-Chance

Eric Metzler
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Neue Welt. Die Armaturentafel des 3008 ist premium – bitte so im hauseigenen Coupé nachbauen! Auch Head-Up-Display, Ablagen und...

Lassen Sie sich nicht täuschen. Auch wir fanden den 3008 auf Anhieb, mit Verlaub, ziemlich unförmig. Die leicht klopsige Linienführung, der wuchtige Überhang vorne, der Monstergrill, auch die eingerückten Räder, alles wirkt wie ein gut gemeinter Versuch. Zunächst. Dann nehmen wir im Mischling Platz – und der Charme des Von-allem-ein-bisschen entfaltet sich von Minute zu Minute. Mögen die Proportionen von außen nicht so recht passen – innen wirkt alles aus einem Guss. Der Fahrer wird regelrecht in das Cockpit hineingezogen. Trotz (oder vielleicht wegen) eines massiven Mitteltunnels fühlt es sich im gut konturierten Fahrersessel an, als habe jemand diese Trutzburg für uns und für niemanden sonst entworfen.

Da die Materialien angenehm kitschfrei gewählt und teils hochwertig lackiert wurden, freuen wir uns auf die erste Ausfahrt – und werden nicht enttäuscht. Der 3008 fährt sich trotz seiner Höhe von 1,64 Meter wie eine komfortable Limousine: unproblematisch und stressfrei in jedweder Lage. Ob man genussvoll gleitet oder gierig Gas spendiert: Peugeots Neuer nimmt es gelassen; meistert ruhig, was er meistern soll. Fahrwerk, Lenkung, Dynamik: Die von uns gefahrenen 1,6-Liter als HDI-Diesel und als Turbobenziner THP gaben sich in keiner Disziplin eine Blöße.

Vermutlich ist genau dies die einzige Chance eines Crossover. So titulieren die Hersteller Autos, die bewusst für keine der gängigen Fahrzeugklassen kreiert werden. Schließlich sollen auch die Kunden abgegriffen werden, die zwischen den Welten wandeln. Kein „Whow“ an dieser oder jener Stelle, aber ein „nicht übel“ für vieles und jedes – Crossover eben. Fast so viel Platz wie in einem Familenvan, mehr Variabilität als in einem gewöhnlichen SUV und das Ganze mit dem Komfort einer Limousine. Das ist die Kalkulation von Peugeot. Ob die Rechnung aufgeht, ist trotz gelungener Neuerungen wie dem Abstandswarner und dem verblüffend praktischen Ladeboden nicht sicher.

Es mag Sinn ergeben, jede Nische mit einem eigenen Modell zu besetzen. Ob das aber auch für den minimalen Platz zwischen den Nischen gilt, das ist die Frage. Irgendwann steht das Problem der Trennschärfe im (Schau-)Raum: Wäre spannend zu hören, wie der Händler dem Kunden auseinandersetzt, warum für ihn und seine Lieben nicht der kompakte 308 SW, nicht der größere 408 SW, sondern genau der 3008 das Richtige sei. Der 4008 verkompliziert die Entscheidung dabei nicht wirklich – der heißt zwar so, als sei er der größere Bruder des 3008, ist aber kein Crossover, sondern ein SUV.

Wie das Verkaufsgespräch auch ausgehen mag – mit mutigen 50-zu-50-Chancen in der Produktpalette hat Peugeot Erfahrung. Beim einzigen Kleinwagen mit elektrischen Schiebetüren, dem 1007, hat man verloren. Der Stadtwagen ist trotz seiner intelligenten Bauweise gefloppt (auch wenn er noch gebaut wird, wie aus gut informierten Kreisen verlautet). Mit dem 206+ dagegen hat Peugeot die richtige Karte zur richtigen Zeit gezogen und fährt aktuell einen dicken Gewinn ein. Die Franzosen haben den Bestseller, der längst vom Nachfolger 207abgelöst wurde, reanimiert – und machen preissensiblen Abwracklern damit ein unwiderstehliches Angebot. Ab 9950 Euro bekommt man ein solides, ausgereiftes Auto im Stile der Endneunziger. Ein Dacia Sandero ist neuer. Aber nicht moderner.

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