Pollenfilter und Sonnenbrille : So kommen Allergiker im Auto klar

Die Nase läuft ständig, eine Niesattacke jagt die nächste, die Augen tränen: Im Frühling haben es Pollenallergiker besonders schwer. Doch die Symptome sind nicht nur unangenehm - im Straßenverkehr sind sie sogar gefährlich.

Blindflug: Wer beim Autofahren heftig niesen muss schließt automatisch die Augen.
Blindflug: Wer beim Autofahren heftig niesen muss schließt automatisch die Augen.Foto: dpa

Der erste Blütenstaub wirbelt schon seit Wochen durch die Luft, auch wenn Berlin noch mit Schnee bedeckt ist. In den kommenden Monaten wird es immer mehr - das kann manchen Menschen nicht nur körperlich zu schaffen machen, sondern auch gefährliche Folgen haben: Wenn beim Autofahren plötzlich die Augen tränen und die Nase läuft, können Pollenallergiker die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlieren. „Pollenallergiker stellen im Autoverkehr ein hohes Risiko dar, das zu wenig beachtet wird“, sagt Prof. Thomas Fuchs von der Universitätsmedizin Göttingen. „Die Nase läuft, der Fahrer sucht ein Taschentuch, bückt sich - schon ist er überhaupt nicht mehr bei der Sache.“ Typische Symptome der Pollenallergie wie niesen, tränende Augen, Atemnot und eine verstopfte Nase schränken im Straßenverkehr die Aufmerksamkeit ein. So schließt der Mensch bei einem Niesanfall reflexartig die Augen - und das führt zu mehreren Metern Blindflug. „Es gibt sicherlich viele Unfälle, die durch allergische Reaktionen zustande kommen. Ich vermute, die Dunkelziffer ist sehr hoch“, sagt Fuchs, Vorstandsmitglied des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen.

Aber nicht nur das Niesen ist problematisch: „Bei einer Pollenstauballergie habe ich außerdem ähnliche Symptome wie bei einer Erkältung“, erläutert Prof. Torsten Zuberbier von der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) in Berlin. Grundsätzlich könnten Betroffene sich weniger konzentrieren und seien häufiger müde. Die Folge kann ein gefährlicher Sekundenschlaf sein. „Gerade monotone Tätigkeiten wie das Autofahren sind dann besonders riskant.“ Prinzipiell kann ein Pollenallergiker aber ganz normal Auto fahren - solange er die richtigen Medikamente nimmt. „Das ist ähnlich wie bei einem Diabetiker: Wenn er seine Medikamente nicht nimmt, kann er ohnmächtig werden, und das Autofahren ist gefährlich“, erklärt Zuberbier. Wichtig sei daher, dass man die Allergie ernst nimmt und, wenn nötig, auf Medikamente zurückgreift. Allerdings kann deren Einnahme die Fahrtüchtigkeit beschränken. „Es gibt freiverkäufliche ältere Medikamente, die müde machen und ähnlich wirken wie Alkohol“, erläutert Zuberbier. Daher sollte man sich vom Arzt oder Apotheker beraten lassen und eher zu modernen Medikamenten greifen.

Pollenfilter jährlich wechseln

Am besten lassen Pollenallergiker ihre Beschwerden von einem Facharzt abklären, rät Fuchs. Auf der Grundlage von verschiedenen Tests - Hauttest, Bluttest und Provokationstests - kann der Mediziner die passende Therapie empfehlen. Neben der medikamentösen Behandlung kann die Allergie auch durch Hyposensibilisierung behandelt werden: Dabei gewöhnt sich der Patient langsam an die Allergieauslöser und die allergische Reaktion wird dauerhaft vermindert.

Ha-, Ha-, Hatschi! Die Zeit der Pollen hat, trotz des Schnees, bereits begonnen.
Ha-, Ha-, Hatschi! Die Zeit der Pollen hat, trotz des Schnees, bereits begonnen.Foto: dpa

Daneben könnten unterstützende Maßnahmen den Kontakt mit den Allergieauslösern vermindern, sagt Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) in Mönchengladbach. Um allergischen Reaktionen unterwegs vorzubeugen, sollte in die Fahrzeuglüftung ein Pollenfilter eingebaut sein. „Bei den neuen Autos ist der schon von vornherein montiert“, sagt Schwalfenberg. Bei älteren Autos lasse sich der Filter in der Regel nachträglich einbauen. Wichtig sei, dass der Filter jährlich ausgewechselt wird. Denn: „Die Lebensdauer der Filter ist begrenzt, da sie natürlich durch viele Partikel zugesetzt werden.“ Zudem sollten bei der Klimaanlagenreinigung auch der Verdampfer und die Filterumgebung regelmäßig gesäubert werden.

Immer die Sonnenbrille zur Hand haben

Vor dem Autofahren empfiehlt Schwalfenberg, sich über den Pollenflug zu informieren. „Einen ersten Anhaltspunkt bieten Pollenflugkalender.“ Da die Allergenbelastung Schwankungen unterliegen kann, sollten Allergiker auch aktuelle Dienste nutzen. Grundsätzlich sind bei Regenwetter weniger Pollen in der Luft. Da Pollenallergiker besonders lichtempfindlich sind, haben sie bei Autofahrten am besten immer eine Sonnenbrille griffbereit. „Ein plötzliches Blenden kann schnell einen Niesreiz auslösen“, erläutert Zuberbier. Gerade im Frühling, zur Pollenflug-Hochsaison, steht die Sonne sehr tief.

Damit die Pollen während der Fahrt draußenbleiben, sollten die Fenster geschlossen sein. Cabriofahren ist grundsätzlich tabu für Pollenallergiker. „Aber auch über die Kleidung oder die Haare können Pollen ins Auto gelangen“, sagt Schwalfenberg. Um die Belastung nach einem längeren Aufenthalt im Freien möglichst gering zu halten, legen Allergiker ihre Jacke vor dem Losfahren am besten in den Kofferraum und waschen jeden Abend die Haare.

Grundsätzlich gilt: Wer merkt, dass die Allergie gerade stark ist, sollte für einige Zeit auf das Auto verzichten. „Dann muss man einfach auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen oder jemand anderen fahren lassen“, sagt Schwalfenberg. Und falls die allergische Reaktion beim Fahren dann doch überrascht, hilft nur eines: rechts ranfahren und warten, bis man sich wieder fahrtüchtig fühlt. (dpa)

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