Porsche Boxster im Test : Ein anderes Auto

Porsche hat den Boxster neu erfunden – und seine Sache so gut gemacht, dass es einem um den 911er bang werden muss.

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Von wegen Frauen-Porsche. Der Boxster ist ab sofort für 48 291 Euro aufwärts zu haben. Die Seitenlinie wirkt dank der Lufteinlässe fast schon dramatisch. Das Verdeck kommt ohne Deckel aus.
Von wegen Frauen-Porsche. Der Boxster ist ab sofort für 48 291 Euro aufwärts zu haben. Die Seitenlinie wirkt dank der Lufteinlässe...Foto: Hersteller

Endlich mal ein Auto, das Geld spart. Aber richtig. 50.000 Euro, um genau zu sein. Die kann man anderweitig verprassen, wenn man sich in der Sonne mit dem neuen Boxster begnügt statt mit dem 911er Cabrio. Ein rasender Verzicht ist das nicht mehr: Der Einstiegs-Porsche ist endlich, endlich erwachsen geworden. Seit 16 Jahren wird er belächelt. Wenn nicht verspottet: Ein Porsche, dem man das Weichei schon ansieht und dessen Käufer zu einem Fünftel Frauen sind…

Die Häme muss sich ein anderes Opfer suchen: Der Boxster 2012 steht breiter, flacher, rassiger da. Er hat mehr Muskeln, er zeigt mehr Kanten – so will er die schlechten Verkaufszahlen der beiden letzten Jahre vergessen machen. Dafür haben die Schwaben bei der Neuentwicklung geklotzt statt gekleckert: Neue Sechszylinder-Motoren, neue Ansauganlage, neues 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Kein Facelift. Ein anderes Auto. Dessen größte Stärke indes ist die alte: Der Mittelmotor macht den Roadster zu einem Teil der Straße. Agilität ist hier keine Worthülse, sondern erfahrbare Physik. Weil der Schwerpunkt optimal liegt. Und weil das (um rund 30 Kilo reduzierte) Gewicht des Wagens optimal verteilt ist: 46 Prozent vorne, 54 Prozent hinten.

Ziemlich sicher, dass Porsche mit dem Boxster einen Volltreffer landet. Gut möglich aber auch, dass die Stuttgarter trotzdem ein Problem bekommen: So gut der Kleine aussieht und so famos er sich fährt: Muss es dann wirklich noch ein 911er sein? Der hat zwar eine zweite Sitzreihe, aber wer nutzt die schon. Porsche macht sich derlei Zweifel nicht zu eigen. Man hat es auf Eroberungskäufer abgesehen, die bislang Audi TT oder Mercedes SLK fahren. Was fortan alles möglich ist, belegt ein Lächeln von Entwicklungsvorstand Hatz: "Ja, wir arbeiten an Vierzylindern".

PLUSPUNKT 1: NEUE PROPORTIONEN

Der neue Boxster ist 10 Millimeter flacher als der alte. Der Radstand ist um 6 Zentimeter gewachsen, die Überhänge sind dementsprechend kürzer. Knackiger. Zugleich hat die Spurbreite um 40 Millimeter zugelegt – in Verbindung mit den größeren Rädern (18 Zoll Serie, bis zu 20 Zoll optional) der "Traum jedes Designers", wie Porsche-Gestalter Matthias Kulla mit leuchtenden Augen sagt.

Der Porsche Boxster in Bildern:

Der neue Porsche Boxster
Nein, der neue Boxster will kein Baby-911er mehr sein. Deshalb haben die Designer ihm optisch mehr Eigenständigkeit verliehen. Der seitliche Lufteinlass wurde größer, der Überhang vorne kürzer und die Reifen breiter. Mindestens 18 Zoll in Serie sind jetzt aufzuziehen.Weitere Bilder anzeigen
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18.01.2012 12:39Nein, der neue Boxster will kein Baby-911er mehr sein. Deshalb haben die Designer ihm optisch mehr Eigenständigkeit verliehen. Der...

PLUSPUNKT 2: NEUER INNENRAUM

Bei allen Präsentationen preisen alle Hersteller an, wie viel wertiger und bedienungsfreundlicher die Neuauflage sei. Hier stimmt’s. Der Boxster hat jetzt eine Mittelkonsole; die ist schmaler, effektiver als im 911er. Alles ist gut erreichbar. Die Materialien fühlen sich besser an. Die Sitze sind erste Sahne. Und das Navi-Display im rechten der drei Rundinstrumente macht uns an, seit der Panamera es trägt.

PLUSPUNKT 3: NEUE MOTOREN

Gut zu wissen: Beide Sechszylinder laufen um die 15 Prozent sparsamer. Wer partout will, kommt sogar mit neun Litern aus. Alle anderen finden heraus, dass der Neue sowohl mit den 265 PS des Boxster (plus 10 PS) und den 315 PS des Boxster S (plus 5 PS) schneller geworden ist. Der Hubraum der kleinen Maschine wurde von 2,9 auf 2,7 Liter downgesizt; der große Motor schöpft seine Kraft weiter aus 3,4 Litern.

PLUSPUNKT 4: NEUE DETAILS

Zuerst fallen die großen Lufteinlässe hinter den Türen auf. Dann die Scheinwerfer vorne, sie stehen nun senkrecht. Hinten war Porsche noch mutiger: Hinter einer markanten Spange, die die Rückleuchten verbindet, verbirgt sich ein ausfahrbarer Heckflügel Geschmackssache, klar – aber am neuen, leiseren Stoffverdeck freut sich jeder: Es öffnet und schließt sich bis 50 km/h – in sage und schreibe 9 Sekunden.

Fotostrecke - Zum Tod von F.A. Porsche:

Die Funktion des Design
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1 von 16Alle Fotos: Porsche
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