Porsche-Modelle im Vergleich : Ein Tag am Mehr

Mehr Rennstrecke als Stadtwagen? Von wegen: Porsche will Alltagstauglichkeit beweisen. Eine gute Gelegenheit für einen Vergleich der Zuffenhausener Sportwagen.

Marco Zaccaria
Flügelmonster: Der 911 GT3 ist die brachialste Art, den Klassiker von Porsche zu fahren. Da geht es mit der Alltagstauglichkeit schon an die Grenzen.
Flügelmonster: Der 911 GT3 ist die brachialste Art, den Klassiker von Porsche zu fahren. Da geht es mit der Alltagstauglichkeit...Foto: Promo

"Wir möchten Ihnen einmal demonstrieren, wie alltagstauglich so ein Sportwagen eigentlich ist - so, wie wir ihn interpretieren", sagt der Pressesprecher und zeigt auf eine Reihe von Sportwagen hinter ihm. Die Leute bei Porsche haben eine klare Idee von ihrem Produkt, oder vielleicht auch nicht, weil Spaß und Autofahren ja schon aus Gewissensgründen gegenwärtig nicht mehr zusammengehören dürfen. Genau deshalb hat man eine knallbunte Armada aller verfügbaren Modellvarianten von 911, Boxster und Cayman zur „Porsche Experience“ auf den Asphalt der Teststrecke Aldenhoven gestellt.

In Le-Mans-Startmanier wird das Revier freigegeben: „Jeder darf sich ein Auto aussuchen“. Ich habe das Prinzip schnell verstanden, finde mich im brachialen GT3 wieder. Ein Flügelmonster mit hochdrehendem Sportmotor, der – nach brüllendem Start – in das sonore Brabbeln eines Sportwagens verfällt. Jesse James „Forget about the price tag“ auf den Lippen  (hier werden lediglich 139 000 Euro für knapp 470 PS aufgeschrieben, in der Sportwagen-Liga schon fast ein Sonderangebot) gleite ich mit dem Wagen auf den Parcours – Steilkurven, Handling, Bremstests; zum Abschluss noch eine Mini-Rennstrecke mit diversen Kurven. In den Ausweichgassen werden die Grenzen der Fahrwerke aufgezeigt, die im Porsche naturgemäß hoch liegen. Klar – die Alltagstauglichkeit steht im Vordergrund und auch so ein Fahrzeug könnte man durchaus als alltagstauglich bezeichnen. Aber möchte man das? Im Grunde viel zu schade!

Vielseitig: Der normale 911er nimmt auch mal ein Fahrrad Huckepack. Muss aber auch nicht sein.
Vielseitig: Der normale 911er nimmt auch mal ein Fahrrad Huckepack. Muss aber auch nicht sein.Foto: Promo

15 Versionen gibt es vom Porsche 911

Später werden die Autos getauscht.  Wie fährt sich denn so ein Turbo? Der macht süchtig! Beschleunigung! Mit Nachdruck in den Sitz gepresst zu werden. Sound!  Das hohe Summen des Turboladers und das Fahrverhalten der mitlenkenden Achsen – was dieses Fahrzeug leistet ist Ingenieurskunst auf höchstem Niveau, gebaut für vollendeten Fahrgenuss. Wer alles hat möchte oft noch mehr. Dafür hat man dann auch noch was im Angebot – nämlich einen Turbo S. Gewöhnen könnte ich mich daran, auch wenn sich der aktuelle „Turbo“ natürlich Lichtjahre von dem Urgroßvater aller Turbos entfernt befindet. Aber gerade für die Porsche-Entwickler kann und darf die Zeit ja niemals stehen bleiben. Und Sentimentalitäten sind fehl am Platze.

Auch wenn ich nicht die ganze Palette der Porsche-Sportwagen an einem Tag schaffe, so hat man nachher einen guten Querschnitt der Fahrzeuge erfahren können – alleine vom 911 gibt es 15 Versionen, wenn man Targa, Cabrio, S, 4S und so weiter miteinander kombiniert und durchdekliniert. Und welcher fährt am schönsten? Alle!

Preis und Leistung: Am meisten Porsche steckt wohl im kleinen Cayman. Viel Fahrspaß für überschaubares Geld.
Preis und Leistung: Am meisten Porsche steckt wohl im kleinen Cayman. Viel Fahrspaß für überschaubares Geld.Foto: Promo

Die Knorrigkeit alter Porsche-Modelle ist passé

Wer sportlich fahren möchte, mit Kontakt zur Fahrbahn und direkter Rückmeldung des Autos, der ist im Cayman S sicherlich am besten aufgehoben. Hier kommen Ur-Porsche-Gene durch. Der bis zu seinen Grenzen absolut neutrale Mittelmotorwagen ist leichtfüßig und schnell. Offenbar ist im Hause Porsche auch die Angst gewichen, dass dieser kleine Rabauke zu sehr im Stammrevier der großen Porsche wildert. Vom Fahrgefühl schon fast am älteren 911 dran, ohne dessen berüchtigte Heckschleuderhaftigkeit. Am meisten Fahr-Spaß hat mir die einfachste Version des 911 („Carrera 2“) gemacht. Er ist schön, einfach zu handhaben und hat alles, was ein Sportwagen braucht: Top-Handling, tolle Beschleunigung und eine schöne Ausgewogenheit.

Natürlich ist so ein 911 mittlerweile ein sehr komfortables Auto, meilenweit entfernt von der Knorrigkeit früherer Heckschleudern, die einem schon beim bloßen Anblick mehrere Bandscheibenvorfälle eingebracht haben. Gemütliches Cruisen ist zugelassen, man muss nicht ständig mit Lichthupe auf der linken Spur rasen. Und so lautet das Fazit: Ich hätte kein Problem mit einem solchen Fahrzeug für den Alltag. Wer nicht ständig Handwerksprojekte realisiert oder für die Großfamilie einkauft, dem ist der Kofferraum fast herzlich egal. Das Porsche-Doppelkupplungsgetriebe macht das Leben leicht und hat für jede Situation die richtige Antwort. Und so braucht man für einen Porsche gar nicht viel mitzubringen: einen sensiblen Gasfuß, ein entspanntes Gemüt und Freude am Autofahren. Ach so, das nötige Kleingeld vielleicht noch.

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