Porsche-Rückkehr zum Langstrecken-Klassiker in Le Mans : Einer wird verlieren

Rekordsieger Porsche kehrt in diesem Jahr zum 24-Stunden-Rennen nach Le Mans zurück. Damit treten erstmals zwei Konzernmarken von Volkswagen gegeneinander an. Grundlegend unterschiedlich sind auch die technischen Systeme, die miteinander konkurrieren.

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Gemacht für Le Mans: Das neue LMP1-Auto von Porsche, der 919.
Gemacht für Le Mans: Das neue LMP1-Auto von Porsche, der 919.Foto: promo

Das Gerücht hielt sich hartnäckig. Der VW-Konzern wird in die Formel 1 einsteigen. Erst hieß es, Audi sei der richtige Kandidat. Dann wurde Porsche als Geheimfavorit gehandelt. Spätestens seit dem Genfer Automobilsalon wissen es auch die Letzten: Porsche geht nicht in die Formel 1, sondern kehrt 2014 zurück in die höchste Liga des Langstreckenrennsports. Die ist mit dem Begriff Le Mans untrennbar verbunden. Am 14./15. Juni wird eine Neuauflage dieses Klassikers unter Mitwirkung von Porsche stattfinden.

200 Ingenieure an Entwicklung beteiligt

Es soll jedoch kein einmaliges Comeback werden wie im Deutschen Fernsehen, als die legendäre Sendung "Einer wird gewinnen" mit Hans-Joachim Kulenkampff 2014 recycelt wurde. Nein, in Le Mans geht es richtig zur Sache. Nur heißt dort das Motto nicht: Einer wird gewinnen. Sondern es heißt so schlicht wie brutal: Einer wird verlieren. Denn es fahren – das ist ein absolutes Novum – erstmals zwei Marken aus einem Konzern direkt gegeneinander. Audi, der Seriensieger der letzten Jahre, und Porsche, der Sieger der Anfangsjahre.

Porsche betrieb für dieses Comeback einen enormen Aufwand. Gut 200 Entwicklungsingenieure waren seit zwei Jahren an diesem Projekt beteiligt. Sie konnten aufbauen auf den Erfahrungen mit dem Supersportwagen 918 Spyder, von dem nur 918 Exemplare zum Preis von je 768 026 Euro verkauft werden sollen. Dieser 1640 Kilogramm schwere Plug-in-Hybrid mit insgesamt 887 PS Systemleistung und bis zu 1280 Newtonmeter Drehmoment, hält derzeit den offiziellen Rundenrekord auf der legendären Nürburgring-Nordschleife mit 6,57 Minuten.

Und nun die anderen Fahrleistungen hier einfach mal zum Schnalzen mit der Zunge: Null bis Tempo 100 in 2,5 Sekunden, die 200er-Marke ist bereits in 7,2 Sekunden erreicht und nur 19,9 Sekunden vergehen, bis die magische Schwelle von 300 km/h erreicht ist. Beim 918 Spyder arbeiten ein 608 PS starker V8 aus dem Porsche RS an der Hinterachse sowie je ein Elektromotor an Vorder- und Hinterachse mit insgesamt 210 kW zusammen. Dieser Hybridantrieb ist elektronisch vernetzt.

Im letzten Jahr war das Duell zwischen Audi und Toyota entscheidend. Allerdings fuhren die Ingolstädter den Japaner schon bald davon.
Im letzten Jahr war das Duell zwischen Audi und Toyota entscheidend. Allerdings fuhren die Ingolstädter den Japaner schon bald...Foto: dpa

Le Mans wird grün

Auch die Langstreckenrennen sollen 2014 ein klein wenig grüner werden. Seit kurzem existiert ein neues Reglement, das einem geringen Verbrauch den Vorzug vor hohem Tempo gibt. Zum ersten Mal spielt der Hubraum keine Rolle mehr. Der Motor ist nahezu freigestellt. Die Begrenzung der Leistung erfolgt über die Energiemenge pro Zeiteinheit. Klingt kompliziert, ist es in gewisser Weise auch für die Firmen, besonders für Audi mit dem Dieselantrieb. Ein Durchflussmessgerät begrenzt die Kraftstoffmenge.

Die pro Runde zulässige Kraftstoffmenge wurde gegenüber dem Vorjahr nochmals um rund ein Drittel gesenkt. Zwischen zwei Bremszonen darf über jeweils unterschiedliche Rekuperationssysteme der unterschiedlichen Hybridantriebe Energie zurückgewonnen und kurzzeitig wieder freigesetzt werden.

Wegen dieses Reglements entschieden sich die Zuffenhausener, beim Le-Mans-Renner statt des schweren und durstigen 608-PS-V8 einen leichten und sparsameren Zweiliter-V4-Turbo mit Drehzahlen bis zu 9000 Touren einzusetzen – ebenfalls mit über 500 PS! Etwas völlig Neues in dieser Rennserie. Und so wird es spannend, wer letztlich die Nase vorn haben wird: Porsche mit dem Vierzylinder-Benzin-Hybrid oder Audi mit dem Sechszylinder-Diesel-Hybrid?

Porsche setzt auf einen Vierzylinder-Motor, der von zwei Elektromotoren unterstützt wird.
Porsche setzt auf einen Vierzylinder-Motor, der von zwei Elektromotoren unterstützt wird.Foto: promo

Hybrid-Systeme unterstützen 500 PS

Den 500-PS-V4-Benziner ergänzen zwei Hybrid-Systeme. Ein bekanntes, das kinetische Bremsenergie an der Vorderachse gewinnt, und ein neuartiges, das, wie in der Formel 1, über einen Elektrogenerator thermische Abgasenergie nutzt. Während Audi bei der Energiespeicherung auf den bewährten Schwungmassenspeicher setzt und Toyota die Superkondensatoren nutzt, verwendet Porsche wassergekühlte Lithium-Ionen-Batterien. Dieser elektrische Zusatzantrieb, der die Vorderräder antreibt und den 919 zum Teilzeit-Allradler macht, kann vom Fahrer per Knopfdruck abgerufen werden.

Die hochkomplizierte Technik steckt in Autos, die nicht schwerer sein dürfen als 870 Kilogramm und deren Länge auf 4,65 Meter begrenzt ist. Eine weitere Besonderheit des 919 ist seine Wandelbarkeit: Je nach Strecke können einzelne Komponenten am Antrieb und der Karosserie modifiziert werden. Ein so bislang nicht dagewesener Renner der LMP-1-Serie.

Mitte April startet die Serie im britischen Silverstone. Dann folgt das lang erwartete Duell in Le Mans, wenn Porsche nach 16 Jahren Pause wieder in der Startaufstellung steht. Einen 919 Hybrid wird der ehemalige Formel-1-Fahrer Mark Webber pilotieren. Beim internen Konzernduell Audi gegen Porsche heißt es dann EWG: Einer wird gewinnen. Oder besser noch: EWV: Einer wird verlieren.

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