Porsche : Ruhig, ganz ruhig

Der 911 Turbo. Mehr Sportwagen geht nicht. Viele finden, nur Fliegen sei schöner. Dabei tut es gar nicht weh, wenn man sich und das Cabrio im Zaum hält.

Eric Metzler
Porsche
Porsche: Ein Softie auf Sonntagsausflug im 911er. -Foto: ddp

Gerade Sie, dem jeder weitere Porsche die Zornesgrüne ins Gesicht treibt. Bitte lesen Sie weiter. Wenigstens die zwei, drei ersten Abschnitte. Sie glauben, ein Porsche passt nicht in diese Welt. Nicht in diese Zeit. Es wird Ihnen mildestenfalls gleich sein, wie viel stärker dieser neue, offene 911 ist. Wie viel effizienter. Wie viel ausgeklügelter. Gegen jede Vernunft, werden Sie sagen. Lernresistent. Aber das stimmt nicht. Nicht so ganz.

Stets, wenn Porsche ein neues Modell präsentiert, werden zwei Ansprachen gehalten. Der "Technik-Vortrag" und die "Rede Unternehmen". In genau der sind zur Ehre dieses 480-PS-Autos drei Sätze nachzulesen, die den Originalton allemal wert sind: "Am Ende liegen Verbrauchs- und Emissionsminderungen immer auch am Fahrer. Wer nicht aggressiv fährt, sondern eher defensiv, wer nicht ständig das Gaspedal durchdrückt, sondern das Fahrzeug auch einmal rollen lässt – mit einem Wort: Wer auch mit viel Kraft im Heck angenehm cruisen kann, der wird dies schnell an der Tanknadel und dann bei den Emissionen merken."

Geht’s noch? Ja, das sind neue Töne in einem neuen Klima. Wir haben uns den Spaß aufs Exempel gemacht. Ergebnis: Als Softie in diesem 911er auf Sonntagsausflug zu gehen, ist gar nicht so hart. Vielmehr kommt man vom Wandern gemütlich ins Wundern. Der Verbrauch lässt sich bis auf zehneinhalb Liter herunterfüßeln – und dabei geht die vermeintliche Zweckentfremdung der Fahrmaschine nicht mal auf Kosten der Laune. Im Gegenteil. Schon nach wenigen Minuten gelassenen Rollens stellt sich in der kurvigen Landschaft des Taunus ein inneres Lächeln ein, an das man sich gewöhnen mag; das Lächeln des stillen Genießers, der könnte, wenn er wollte, der aber nicht muss, weil er jederzeit kann. Wir gleiten und wir tun es so sacht, dass Norah Jones besser schweigt. Wenn wir uns schon den Luxus leisten, auf ein Dach über dem Kopf zu verzichten, dann gilt unser Ohr allein den blue notes aus dem Heck.

Den Turbo zurücknehmen

Wir bewegen uns zwischen zwei- und dreitausend Umdrehungen, für einen Athleten wie den 911 ist das bestenfalls ein Tippeln in der Aufwärmzone, entsprechend leise das Brubbeln, aber es reicht, um das Timbre der Marke zu fühlen. Wir schauen ins Feld, wir riechen die Wiese. Zwischen Tempo 60 und Tempo 100 haben die Sinne eine grandiose Chance, eine bleibende Erinnerung zu formen statt auf der Strecke zu bleiben. Wir schalten früh hoch und spät runter, bremsen wenig, dafür weich; es tut gar nicht weh, uns und den Turbo zurückzunehmen, wir plaudern mit dem Wind, frech ist der heute, dank Schott aber zieht es gleich null.

Auf das rote Leder, mit dem der Innenraum eingeschlagen ist, setzt das Auge den blauen Himmel. Heute ist der 911 um einen Kontrast reicher. Wir sind so was von entspannt – und wir lächeln, als man uns vor Königstein überholt. Ein Jetta.

Als das Turbo Coupé Anfang März an den Start ging, haben wir Ihnen berichtet, was Motor und Fahrwerk des 911 zu leisten vermögen, wenn man sie lässt. Bis auf die notwendigen Änderungen an der Karosserie bedient sich das Turbo Cabrio derselben Technik – anhand prägnanter Zahlen haben wir zusammengestellt, was sich im Einzelnen dahinter verbirgt und wie es sich anfühlt, wenn der Softie Pause hat.

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