Auto : Porsche streckt sich – für Konkurrenten wird’s eng

Mit dem Hinweis auf eine vierköpfige Familie lässt sich der Kauf eines Sportwagens nicht länger vereiteln. Porsche beweist mit dem Panamera viel Mut – eine erste Begegnung

Eric Metzler

Wenn Tesla seinen Roadster vorstellt, Mercedes die neue E-Klasse und Toyota den Winzling IQ, dann ist das echt spannend. Doch präsentiert Porsche einen Sportwagen mit vier Türen und vier vollwertigen Sitzen, dann ist das weit mehr: ein Abenteuer. Zwar weiß längst jeder, die bringen Unmögliches zustande. Etwa mehr Gewinn zu machen als Umsatz. Ob es in Zuffenhausen aber tatsächlich gelingt, einen eleganten, komfortablen Gran Turismo zu bauen, der a) nach Porsche aussieht und sich b) auch so fährt? Vom Cayenne, dem letzten Wagnis der Marke, erwartet man in Wahrheit weder das eine noch das andere. SUV bewegen sich in einer eigenen, anormalen Welt. In der schadet es nicht einmal, hässlich zu sein.

Die Mission Panamera ist also heikler. Der Neuling kann gegen die etablierten Oberklasse-Coupés von Mercedes, BMW und Maserati nur dann einen Stich machen, wenn er im klassischen Sinne als schön durchgeht – und wenn sich die Emotionen an Bord nach fünf Minuten widersprechen. Frohlockt der Fahrer „Ja, es ist ein Porsche“ und sind die Passagiere im Fond erleichtert, weil es sich so gar nicht nach Porsche anfühlt, dann dürfen die Ingenieure zufrieden sein. Dann haben sie es geschafft, den Zielkonflikt zwischen Renn- und Reisefeeling aufzulösen – mit welchen Mitteln, steht im Technikblock rechts.

Auf dem Entwicklungsgelände in Stuttgart-Weissach haben wir den Panamera diese Woche beschnuppert. Als Mitfahrer, denn das Lenkrad gibt der Hersteller vor der Weltpremiere Ende April in China noch nicht aus der Hand. Auf den ersten Blick sind wir mehr hin- als hergerissen: Die Seitenlinie ist eine Wucht, vorne sehen wir einen echten Porsche, hinten ein rundliches, gewöhnungsforderndes Heck. Die Proportionen des auf fünf Meter gestreckten Autos beeindrucken. Der Wagen ist breiter als seine Konkurrenten und dabei viel flacher. Trotzdem stößt sich drinnen niemand den Kopf. Das Innere ist elegant, ausladend, fließend. Hinten sind quasi zwei weitere Vordersitze verbaut; sie bieten viel Seitenhalt, herausziehbare Beinauflagen und neigungsverstellbare Lehnen. Umgelegt werden sie mit einem Hebel in der integrierten Kopfstütze; so entsteht eine beachtliche und fast ebene Ladefläche. Im vorderen Innenraum dominiert ein mächtiger Mittel-Tunnel, auf dem links und rechts vom Schalthebel zig Tasten platziert sind – auch jene zur Wahl der Fahrmodi von Komfort bis Sport Plus.

Knackige Runden mit einem professionellen Werksfahrer verrieten uns dies: Leistung, Sound und Bremsen sind porsche-like; der gefühlte Luxus S-klassig. Die optionale Luftfederung macht aus dem Panamera zwei Autos; ein sanftes oder ein brettgleiches, das auch um enge Pylonen kaum wankt. Das Doppelkupplungsgetriebe begeistert wie im 911er und im Cayman. Damit düpiert der Panamera die Konkurrenz. Das gilt erst recht für die Kombination mit der Start-Stopp-Automatik, die hilft, den Verbrauch im Extremfall auf unter elf Liter zu drücken – dem Leichtbau sei Dank.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben