Portrait II: : Die Geschichte des Joachim F.

Richtig pummelig ist er mit knapp 30. Und Werkzeugmacher bei VW in Wolfsburg. Eigentlich nicht viel dran auszusetzen, an diesem Leben des Joachim Franz. Aber das „War das schon alles?“ nagt an dem 120-Kilo-Mann.

„Mein gelebtes und mein erträumtes Leben passen nicht zusammen“, findet er und krempelt alles Gewohnte radikal um. 40 Kilo nimmt er durch Sport ab. Bald läuft er Marathons, beginnt mit dem Radfahren. Er nimmt sich große Projekte vor. Als erstes will er die Chinesische Mauer ablaufen. Die Idee scheitert an Sponsormangel. Er beginnt mit Triathlon, trainiert für den Ironman auf Hawaii. Doch ein Unfall Anfang der Neunziger setzt seinen Plänen jäh ein Ende – für eineinhalb Jahre.

Während er sich erholt, trifft er einen an Aids erkrankten Schulfreund, den er bis zu seinem Tod begleitet. Wieder fit, startet Franz erneut seine Extremläufe; in Südafrika, auf den Philippinen und in Nepal. Dort sieht er „die Folgen von Aids, und wie Erkrankte behandelt werden.“ Kann man mit Sport etwas bewegen? Gar im Kampf gegen HIV und Aids helfen? Als er sich entscheidet, es zu probieren, weiß er noch nicht viel von seinem Talent, andere mitzureißen. Aber es gelingt ihm. Unter den Schirmherren seiner Aktionen finden sich heute Namen wie Nelson Mandela, Sir Elton John, Gerhard Schröder und Angela Merkel. Während seiner Expeditionen gibt er mit seinem Team in den durchquerten Ländern Pressekonferenzen, trommelt dafür renommierte Persönlichkeiten zusammen, Botschafter, Gesundheitsminister, Vertreter aus Königshäusern, Ehrenamtliche wie Manager. Die Aids-Hilfe der Vereinten Nationen unterstützt ihn, ebenso die Deutsche Aids-Stiftung. Während der „Cape 2 Cape“-Tour besuchte sein Team den Papst. Auch wenn Franz ebenso wie Pfarrer Stefan Hippler, Autor der Streitschrift „Gott Aids Afrika“, vom Vatikan fordert, dass er Kondome offiziell als Schutz gegen Aids anerkennt.

Franz ist immer noch Mitarbeiter von Volkswagen, wurde zum Gesundheitsbotschafter des Autoherstellers ernannt. Inzwischen scheint sich die Wirtschaft darum zu reißen, mit ihren Logos auf seiner Ausstattung prangen zu dürfen: Dabei sind Outdoor- und Trekkingausrüster, Sportartikel- wie Bürotechnikhersteller. Mitstreiter sagen, sein Biss und seine Ansprüche könnten manchmal nerven, aber er sei auch „der Papa des Teams“. heid

In diesem Monat ist Joachim Franz von dem Magazin Reader’s Digest zum „Europäer des Jahres 2009“ gewählt worden – Anerkennung für seinen jahrelangen und weltweiten Einsatz gegen die Immunschwächekrankheit Aids. Eine Expedition von Franz kann bis zu 500 000 Euro an Spenden einbringen.

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