Praxistest Ford Kuga 1.6 EcoBoost 2x4 : Kleine Freiheit inklusive

Fairer und ehrlicher: Schon die Basisversion des Ford Kuga trumpft richtig auf - mit 150 PS und einer Menge Ausrufezeichen innen und außen.

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Fords Verkaufsschlager - zu Recht: Der Ford Kuga.
Fords Verkaufsschlager - zu Recht: Der Ford Kuga.Foto: Promo

Basisversion? Da rümpfen viele die Nase. Oftmals sogar zu Recht, denn zumeist ist bei näherem Hinsehen Verzicht angesagt. Da gibt es für die oftmals nur auf dem Papier preisgünstige Einstiegsmotorisierung kaum Extras, die man gerne hätte. Oder da gibt es noch nicht einmal eine Klimaanlage sowie ein Radio gegen Aufpreis. Auch vom sich übrigens richtig gut verkaufenden Ford Kuga (im Juni Nummer Eins in der Zulassungsstatistik bei den SUV) wird logischerweise eine Basismotorisierung angeboten.

Doch die ist anders. Fairer und ehrlicher: Nicht nur die 150 PS machen dieses Modell interessant; es lässt sich zudem aufrüsten, ohne den Kostenrahmen zu sprengen. Was es sonst noch kann, klärt unser Praxistest.

Außen und Innen

Der Kuga fällt auf. Nicht nur, weil das 4,52 Meter lange, 1,70 Meter hohe und mit Spiegeln immerhin 2,08 Meter breite SUV eine stattliche Erscheinung ist, die überall ein paar Zentimeter größer daher kommt als der VW Tiguan. Nein, dieser Ford punktet vor allem mit seiner typischen Formensprache, welche selbst bei diesem großen Auto in sich stimmig wirkt.

Im Inneren setzt sich dieser Eindruck fort,  auch wenn die wuchtige Armaturenlandschaft das subjektive Raumgefühl vorn einschränkt. Geradezu winzig geraten sind die Displays für das Navigationssystem und die allerdings brilliante Infoanzeige zwischen den gut ablesbaren Rundinstrumenten, und vor der Knopfflut erschrickt man zuerst. Der Fond wartet mit einer Fülle an Platz auf, die man selbst bei einem so großen Auto nicht erwartet. Hier reist es sich entspannt. Den guten Qualitätseindruck der sportlich gestylten Karosserie findet man auch innen wieder. Zum penibel verarbeiteten Innenraum eines Audi Q3 gibt es aber noch einen sicht- und fühlbaren Abstand. Egal, im Ford fühlt man sich gut aufgehoben und gerät nicht in Erklärungsnot, wenn man  Bekannte mitnimmt, die sonst einen Audi fahren.

Freuen dürfen sich alle über die praktischen Ablagen, vor allem über das tiefe kühlbare Fach unter der Mittelarmlehne, in das auch eine 0,7-Liter-Sprudelflasche passt.

Ordentlich: Der Kofferraum des Kuga lässt sich von klassenüblichen 481 Litern auf gute 1653 Liter erweitern.
Ordentlich: Der Kofferraum des Kuga lässt sich von klassenüblichen 481 Litern auf gute 1653 Liter erweitern.Foto: Promo

Sitzen und Laden

Diese Spezies ist nicht zuletzt so begehrt, weil man auch als schon etwas Hüftsteifer bequem ein- und auch wieder aussteigen kann. Außerdem sitzt man eine Handbreit höher als in einem normalen Pkw. Das schafft Überblick, gibt ein Gefühl der Sicherheit und bringt zugleich eine prickelnde Prise von kleiner Freiheit ins Spiel: Man fährt eben keinen dieser schnöden Pampersbomber wie der Nachbar, sondern eines dieser modischen SUV und damit einen Familienwagen der besonderen Art.

Die Sitze, im Testwagen mit Teilleder bespannt, haben sich auf den insgesamt 1800 Testkilometern als straff gepolstertes, langstreckentaugliches Gestühl mit dem nötigen Schuss Komfort erwiesen. Kein Stress für die Bandscheiben. Auch aus dem Fond sind keine Klagen laut geworden.

Einladen? Mit dem Kuga wird dies zu einem Schauspiel – wenn für 700 Euro das Ford Key Free-Paket geordert wurde. Darin enthalten ist auch eine sensorgesteuerte elektrisch öffnende Heckklappe. Wenn Sie die Hände voll haben, genügt ein symbolischer Tritt unter den Heckstoßfänger und die Klappe öffnet automatisch. Auf die gleiche Weise schließt sie wieder. Das haben nur ganz wenige Autos zu bieten. Serienmäßig bietet der Kuga eine mit 70 Zentimetern erträglich hohe Ladekante sowie einen Kofferraum, der sich von klassenüblichen 481 Litern auf gute 1653 Liter im Handumdrehen erweitern lässt. Ein einstellbarer Ladeboden sorgt im Bedarfsfalle für eine ebene Ladefläche. Die Rücksitzlehnen lassen sich zudem in der Neigung verstellen. Bis zu 521 Kilogramm kann der Kuga zuladen und bis zu zwei Tonnen an den Haken nehmen.  Das sind ordentliche Werte.

Fahren und Tanken

Auch bei diesem gewichtigen SUV haben die Ford-Techniker bewiesen, dass sie gute Fahrwerke zu bauen verstehen. Schon beim Basismodell sind Traktionskontrolle, Umkippschutz sowie Torque Vectoring Control an Bord. Letzeres ist eine aktive Fahrdynamikregelung, welche die Drehmomentverteilung an den angetriebene Vorderrädern optimiert und per gezielten Bremseingriff das Untersteuern in Kurven verringert. Das Auto wird so in Biegungen wendiger. Nun ist ein hoch bauendes 1,6-Tonnen-SUV kein Sportwagen, aber es ist schon bemerkenswert, wie handlich dieser Kuga ist, nicht zuletzt dank seiner exakten elektromechanischen Lenkung. Und dennoch komfortabel, so lange keine optionalen 18-Zoll-Räder montiert sind! Eben ein Reiseauto der anderen Art, mit dem sich längere Strecken angenehm absolvieren lassen.

Stimmig: Die Wertigkeit des Ford Kuga überzeugt auch im Innenraum - trotz viel Hartplastik.
Stimmig: Die Wertigkeit des Ford Kuga überzeugt auch im Innenraum - trotz viel Hartplastik.Foto: Promo

Dieser Turbo-Benzindirekteinspritzer als Basismotorisierung verdient ein Ausrufungszeichen. Er lässt sich so schaltfaul wie ein Diesel fahren. Bald schon hat man sich darauf eingestellt, dass der Vierzylinder mit serienmäßigem Start-Stopp-System lieber gestreichelt als getreten werden will. Dann zeigt er sich von seiner besten Seite. Wer also auch in der Stadt bereits bei 1500 Touren in den nächsten Gang hoch schaltet, schwimmt locker im Verkehr mit und spart Sprit. Selbst bei Tempo 60 kann man oft den sechsten Gang wählen. Der Schalthebel liegt sehr griffgünstig und flutscht so leicht durch die Gassen wie das heiße Messer durch die Butter. Bei Tempo 100 auf der Landstraße liegen nur 2000 Touren an, und bei 150 km/h auf der Autobahn dreht sich die Kurbelwelle nur 3200 Mal in der Minute – ganz entspannt ist man da unterwegs.

Gemäßigtes Landstraßentempo goutiert der Kuga mit guten 6,8 Litern Super E10; richtig flotte Autobahnkilometer jenseits der 150 km/h ziehen alle 100 Kilometer hingegen gut elf Liter aus dem 60-Liter-Tank. Expresszuschlag halt. Wir kamen auf der insgesamt gut 1800 Kilometer langen Testfahrt inklusive etlicher Autobahnkilometer auf einen Praxisverbrauch von 7,4 Litern pro 100 Kilometer – ein guter Wert für dieses hochbeinige Mobil mit reinem Frontantrieb – und ein Beleg für die Effizienz des EcoBoost-Triebwerks, mit dem sich der Kuga als betont entspannt zu fahrendes Auto erweist.

Hören und Sehen

Selten sind wir einen so kultivierten Motor gefahren. Der sehr leise agierende Reihenvierzylinder könnte auch glatt als rau laufender V6-Benziner durchgehen. Alle Achtung. Da fallen die Abrollgeräusche der breiten 18-Zöller umso mehr auf. Die Alus sehen zwar schick aus, verschlechtern allerdings den Geräusch – und den Fahrkomfort spürbar. Sparen Sie sich die 550 Euro Aufpreis. Dann schon lieber 1435 Euro investieren in das Sony Audiosystem mit digitalem Radioempfang, neun Lautsprechern und integriertem Navigationssystem. Das Ganze klingt hervorragend.

Die Rundumsicht ist nicht berauschend. Den Blick schräg nach vorn versperren die extrem breiten Wurzeln der A-Säulen; man sieht daher nicht, wo das Auto endet. Das ist stark gewöhnungsbedürftig beim Fahren. Beim Rangieren gibt es zum Glück Parkpiepser für vorn und hinten sowie einen Einparkassistenten im Paket für 700 Euro.

Gute Sicht nach oben gewährt das für 1200 Euro riesige Panoramaglasdach mit vorderer Aufstellfunktion und elektrischer Jalousie, welches nachts vor allem für die Fondpassagiere ungewöhnliche Sichtachsen bietet.

Wählen und Zahlen

Beim Ford Kuga ist die Modell- und Preisspreizung vergleichweise groß. Ab 24800 Euro geht es los mit dem absoluten Basismodell Trend, das bereits alles Wichtige an Bord hat, bis hin zur Klima- und Audioanlage, Berganfahrassistent, Tempomat und Sportsitzen. 27100 Euro kostet die von uns gefahrene und am meisten georderte Ausstattungslinie Titanium. Die lässt zwar kaum noch Wünsche offen, andererseits kann man jedoch auch diesen schon gut ausgestatteten Titanium-Kuga mit so feinern Dingen aufrüsten wie zum Beispiel dem Fahrer-Assistenz-Paket, Bi-Xenon-Scheinwerfern, Ledersitzen und Einparkassistenten. Preislich kommt man dann schnell in die Nähe von 37000 Euro.

Wer das Schalten lieber einem Automaten überlassen möchte, hat beim frontgetriebenen Kuga 1.6 EcoBoost das Nachsehen. Eine Sechsstufenautomatik gibt es nur für den allradgetriebenen Kuga 1.6 EcoBoost 4x4 mit 182-PS-Benziner. Der kostet dann aber gleich 5450 Euro mehr! Mit dem 140-PS-Diesel beginnt die Preisliste ab 27400 Euro und endet für den 163-PS-Diesel mit Automatik bei 37150 Euro.

Vorbildlich: Wer ein Freund zahlreicher elektronischer Helfer im Auto ist, wird beim Kuga schon in der Basisversion umfassend bedient. Das ist nicht selbstverständlich. Je nach Ausstattungslinie (Trend, SYNC, Titanium, Individual) kostet das Fahrer-Assistenz-Paket zwischen 1050 und 1300 Euro. Ein fairer Aufpreis für Toter-Winkel-Assistent, Verkehrsschild-Erkennungsystem, Fahrspur-Assistent, Müdigkeitswarner und Active City Stop, das bei niedrigen Geschwindigkeiten drohende Kollissionen erkennt und selbst bremst, wenn der Fahrer nicht schnell genug reagiert.

Gutes und Schlechtes

Dieser 150-PS-Kuga ist viel mehr als nur eine Alibi-Basismotorisierung wie bei anderen Herstellern. Er ist geradezu ein Geheimtipp. Weil sich dieser 1,6-Tonner so leicht und locker wie ein Pkw fährt, fungiert er quasi als Kombi der besonderen Art. Für alle, denen ein Ford Mondeo zu flach und zu alltäglich ist. Für alle, die auf diesem mobilen Hochsitz über den Dingen des Alltags auf der Straße sitzen wollen. Für alle, die gut ein- und aussteigen wollen – und nicht zuletzt für alle, welche die gefühlte „kleine Freiheit“ inklusive haben möchten, aber nicht zuviel dafür bezahlen wollen.

Allerdings ist die Bedienung des Kuga insgesamt so umständlich, dass man ohne Studium der 340 Seiten langen Bedienungsanleitung nicht durchblickt und sich immer wieder verheddert. Vor allem das Sprachsystem SYNC, das an sich gut ist, bedarf einer längeren Eingewöhnungsphase.

Stärken

Ausgewogenes Fahrwerk

Agiler Motor

Sehr gute Sitze

Schwächen

Keine Automatik lieferbar

Umständliche Bedienung

Eingeschränkte Übersicht

Die Konkurrenz

VW Tiguan

Kia Sportage

Mazda CX-5

Technische DatenFord Kuga 1.6 EcoBoost 2x4
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe) 4,52/1,84/1,70 Meter
Leergewicht

1579 Kilogramm

Kofferraumvolumen

481 Liter

Maximale Zuladung

521 Kilogramm

Sitzplätze5
Tankvolumen

60 Liter

MotorVierzylinder-Otto-Turbo-Motor, Benzin-Direkteinspritzung, 6-Loch-Injektoren
Hubraum

1596 Kubikzentimeter

Getriebe6-Gang-Schaltgetriebe
Leistung (kW/PS)

110/150

Drehmoment240 Newtonmeter bei 1600-4000 Umdrehungen/Min
Beschleunigung 0 - 100 km/h

9,7 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit

195 km/h

Verbrauch laut Hersteller (innerorts / außerorts / kombiniert)8,3/5,6/6,6 Liter

CO2-Emissionen/Effizienzklasse

154 g/km / C
Verbrauch im Test

7,4 Liter

Typklassen (KH/VK/TK)

18 / 20 / 23

Preis als Basisfahrzeug

27 100 Euro

Preis des Testwagens

36 930 Euro

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