Praxistest Mazda BT-50 : Wenn Sunnyboy Flanell trägt

Pickups sind hierzulande Exoten. Mazda mischt mit dem BT 50 in diesem Mini-Segment mit und will den neuen Platzhirsch aus Wolfsburg, den VW Amarok, in die Schranken weisen. Hat er das Potenzial dazu? Ein Praxistest.

von
Rustikales aus Fernost: Der Mazda BT-50 will mit günstigem Preis und solider Allradtechnik sein Stück vom kleinen Kuchen des Pickupsegments in Deutschland erobern.Weitere Bilder anzeigen
05.12.2011 09:41Rustikales aus Fernost: Der Mazda BT-50 will mit günstigem Preis und solider Allradtechnik sein Stück vom kleinen Kuchen des...

Es muss nicht immer der Sportwagen sein, der für Aufmerksamkeit sorgt. Selten wurden wir auf ein Fahrzeug so oft angesprochen wie beim Mazda BT-50. Keine Frage, wer mit einem Pickup vorfährt zieht die Blicke auf sich. Solche Autos müssten doch was für die Boulevard-Fraktion sein, die gerne mal an sonnigen Nachmittagen aufmerksamkeitsheischend die Straßencafés entlang flaniert. Das funktioniert schließlich in den USA hervorragend, wo der Ford F150, der Pickup schlechthin, erneut zum meistverkauften Auto gekrönt wurde. Seit 29 Jahren führt er diese Wertung übrigens an.  

Das wäre doch für die so imagegeprägte Autobranche ein triftiges Argument reichlich Pickups zu bauen. Dennoch fristet diese Fahrzeuggattung bei uns ein Nischendasein. Und das nicht ohne Grund: Die Ladefläche benötigen tatsächlich nur die wenigsten öfter als zwei- bis dreimal im Monat. Und dann wird da selten was drauf geworfen, was nicht auch in einen normalen Pkw oder in die in Deutschland so beliebten Kombis passen würde. Ein weiteres Argument gegen Pickups wäre, dass die Lasttiere für ihre etwas ausufernden Trinksitten berüchtigt sind. Das allerdings stört die Käufer ja bei anderen Typen ja auch wenig.

Mehr Schick seit der Überarbeitung

Der knapp fünf Meter lange BT-50 nun könnte durchaus etwas zu einer steigenden Beliebtheit der Pickups auf dem deutschen Markt beitragen. Mit der Überarbeitung vor zwei Jahren hat Mazda die Fahrzeugfront etwas hübscher gestaltet und das chromumrandete Trittbrett der Toplands-Version wertet das Fahrzeug optisch ebenfalls auf. Im Innern gibt es seit dem Facelift nun ein etwas hochwertigeres Armaturenbrett, die Mittelkonsole wurde silbern und die Rundinstrumente bernsteinfarben. Außerdem kommen die Käufer nun in den Genuss eines MP3-fähigen Autoradios mit CD-Wechsler.

Aufgeräumt und funktional zeigt sich der Mazda BT-50 im Innern. Vorherrschend findet sich allerdings billiges Hartplastik auf dem Armaturenbrett und in den Seitenverkleidungen.
Aufgeräumt und funktional zeigt sich der Mazda BT-50 im Innern. Vorherrschend findet sich allerdings billiges Hartplastik auf dem...

Gar nicht so unkomfortabel, so ein Pickup. Auf den vordern Sitzen lässt es sich durchaus aushalten. Beiden Passagieren ist reichlich Platz zugedacht und auch die Bedienelemente sind sinnvoll angeordnet und gut erreichbar. Einzig die Handbremse sucht gerne mal unangenehmen Kontakt mit dem Knie des Fahrers, was durchaus mal zu blauen Flecken führen und im Falle eines Unfalls sogar gefährlich werden kann. Die Wahl der Materialien lässt aber immer noch zu wünschen übrig. Das Armaturenbrett ist aus Hartplastik gefertigt und gibt schon mal merkwürdige Knack-Töne von sich. Auch im Cockpit und in der Mittelkonsole findet sich lediglich billiger Kunststoff, was den guten ersten Gesamteindruck im Innenraum langfristig doch deutlich schmälert.

Rückbank ist nur Notbehelf

Auf der Rückbank, wir haben die Version mit L-Cab-Kabine getestet, hört es jedoch mit der Großzügigkeit auf. Die Rückbank ist zwar durch die nach hinten schwenkenden Seitentüren bequem erreichbar. Aber die Kniefreiheit lässt doch sehr zu wünschen übrig. Zumal der Boden bei einem Pickup naturgemäß näher an der Sitzfläche gelegen ist und die Beine so höher stehen als in einem normalen Pkw. So haben Erwachsene über 1,70 Meter wenig Spaß im Fond und werden längere Strecken nur ungerne mitmachen. Wer also desöfteren Erwachsene hinten mitnehmen möchte sollte unbedingt die Version mit XL-Cab-Kabine ordern. Sonst dürfte es schnell Unmut auf den hinteren Plätzen geben.

Praktisch: Die Ladefläche hinten ist mit einer Plastikverkleidung ausgeschlagen und es finden sich vier Haken zum verzurren der Ladung. Bei einer Länge von 1,36 Metern bleibt auch ordentlich Platz zum Draufpacken.
Praktisch: Die Ladefläche hinten ist mit einer Plastikverkleidung ausgeschlagen und es finden sich vier Haken zum verzurren der...

In Sachen Motorisierung und Getriebe gibt sich Mazda ausgesprochen monothematisch. Ein Turbodiesel mit vier Zylindern, 2,5 Liter Hubraum und Commonrail-Technik bildet das Antriebsmonopol. Der ist zwar etwas knurrig und kann bei höheren Geschwindigkeiten auch laut werden. Er zeigt sich aber ansonsten als ein sehr guter Begleiter. Die 143 PS, die der Selbstzünder erzeugt, scheinen zwar zunächst nicht viel für ein solch üppiges Auto. Aber mit seinen 330 Newtonmetern Drehmoment bewegt er das knapp zwei Tonnen schwere Gefährt sehr ordentlich. Bis zu ausreichenden knapp 160 Stundenkilometern schafft es der BT-50 so.

Geländetechnik bringt Vorteile

Das einzige erhältliche Getriebe bietet, lediglich fünf Gänge, was irgendwie nicht mehr so ganz zeitgemäß wirkt, aber für einen Pickup nicht ungewöhnlich ist. Der fünfte Gang ist ausreichend lang für Autobahnfahrten übersetzt und auf hohe Geschwindigkeiten ist der Antrieb ohnehin nicht ausgereichtet. Dafür hat der Mazda einen zuschaltbaren Allradantrieb und eine Geländeuntersetzung an Bord. Das bringt nicht nur abseits befestigter Straßen Vorteile sondern auch bei hoher Last. Bis zu 960 Kilogramm dürfen auf die 1,50 Meter lange Ladefläche zugeladen werden und maximal drei Tonnen an die Anhängekupplung gehängt werden. Das sind sehr ordentliche Werte, die allerdings eher die Handwerker- als die Lifestyle-Fraktion erfreuen wird. Für einen Pickup ist das aber nun mal das kleine Einmaleins.

Beim Fahrverhalten gibt sich der Mazda BT-50 denn auch keine Blöße. Als Allrader liegt er sehr stabil auf der Straße und auch mit nur zwei angetriebenen Rädern fährt er sich stabil. Da der BT-50 sein üppiges Drehmoment jedoch auf die Hinterachse leitet und diese im unbeladenen Zustand sehr leicht ist, neigt der Japaner zum Durchdrehen der Hinterräder. Das wiederum dürfte dem Lifestyle-Pickup-Fahrer eher gefallen, während der Handwerker da eher am Durchrechnen ist, was der nächste Satz der 16-Zoll-Reifen kostet.

Seite 1 von 2 Artikel auf einer Seite lesen

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben