Praxistest Skoda Rapid Spaceback 1.2 TSI : Der bessere Golf?

Kleines Leichtgewicht mit viel Platz: Der Skoda Rapid Spaceback will von allem etwas - auf Kosten des Fahrkomforts. Dafür überrascht der Kompakt-Skoda an anderer Stelle.

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Gestreckt: Der Skoda Rapid Spaceback ist gut fünf Zentimeter länger als ein Golf der aktuellen Reihe.
Gestreckt: Der Skoda Rapid Spaceback ist gut fünf Zentimeter länger als ein Golf der aktuellen Reihe.Foto: Promo

Skoda, seit 1991 Teil des VW-Konzerns, verhält sich jetzt wie eine in die Pubertät gekommene Tochter: Sie wird ab und an aufmüpfig. Wie zum Beispiel beim Rapid Spaceback, der im Oktober vergangenen Jahres zu den Skoda-Händlern rollte. Anders als die einige Monate vorher gestartete eher tröge Stufenheckversion Rapid, die hierzulande ein Nischenmodell bleiben dürfte, könnte dieser Spaceback durchaus für Unruhe in der geordneten Golf-Klasse sorgen. Denn mit diesem Auto bietet die VW-Tochter Skoda ein Modell an, das so groß ist wie ein Audi A3 Sportback, aber weniger kostet als ein VW Polo! Dabei fährt dieser Skoda Rapid Spaceback munter an allen Klischees und Segmenten vorbei: Er ist weder ein klassisches Schrägheckmodell noch ein konventioneller Kombi. Vielleicht macht gerade das seinen Reiz aus: anders sein ohne aufzufallen. Doch kann dieser neue Kompaktklasse-Skoda dem Altmeister dieser Klasse, dem Golf, ernsthaft Konkurrenz machen? Das soll unser Praxistest klären mit dem beliebten 105 PS starken 1.2 TSI.

Außen und Innen

Gut fünf Zentimeter länger als ein Golf der aktuellen Reihe, bietet er dank 2,60 Meter Radstand und kluger Raumausnutzung teilweise mehr Raum als dieser. Allerdings bestätigt das Maßband den subjektiven Eindruck: Der Rapid ist innen sieben Zentimeter schmaler als der Golf. Wirklich störend ist das aber nicht. Vorn sitzt man so entspannt wie im Golf. Als sehr gut erweist sich der Zustieg in den Fond, weil die hinteren Türen fast rechtwinklich öffnen, so dass man bequem einsteigen kann. Hinten bietet der Skoda ähnlich so viel Raum wie der deutlich größere Passat und deutlich mehr als der Golf! Selbst in der „dritten Reihe“, dem Kofferraum, düpiert der Skoda den VW: 415 bis 1380 Liter gegen 380 bis 1270 Liter. Dass beim Umlegen der Rücksitze im Tschechen eine Stufe entsteht, verschmerzt man angesichts einer angenehm niedrigen Ladekante von 67 Zentimetern. Ladefreundlich ist auch die einen Meter breite Kofferraumöffnung.

Platzwunder: Der Skoda Rapid Spaceback kann mit 535 Kilogramm für einen Kompakten extrem viel zuladen.
Platzwunder: Der Skoda Rapid Spaceback kann mit 535 Kilogramm für einen Kompakten extrem viel zuladen.Foto: Promo

Sitzen und Laden

Dieser Spaceback ist ein Leichtgewicht, denn er wiegt nur 1170 Kilogramm, gut 120 Kilogramm weniger als ein VW Golf. Dennoch kann der Tscheche mit 535 Kilogramm für einen Kompakten extrem viel zuladen. Die gut ausgeformten Sitze des Rapid passen sofort, die Verstellmöglichkeiten sind ausreichend. Einzig die Lehnenverstellung per ungenauer Ratsche ist nicht optimal; hier sieht man, wo gespart wurde. Das geht beim Golf besser. Im Fond des Tschechen reist man kaum schlechter als im Golf.

Fahren und Tanken

Die vergleichsweise hohe Zuladungsmöglichkeit beim Rapid erweist sich beim Fahrkomfort als Nachteil. Die Hinterachse, die noch vom Golf IV abstammt, musste wegen der hohen Zuladung recht straff abgestimmt werden. Der Rapid federt nicht so geschmeidig wie der Golf. Und Skodas waren ja schon in der Vergangenheit immer etwas straffer ausgelegt. Motto: Nicht hart, aber herzlich erfrischend. Mit voller Zuladung federt der Rapid übrigens besser als nur mit zwei Personen an Bord. Wegen der etwas sparsameren Dämmung rollt der Rapid zudem etwas lauter ab als der Golf; doch insgesamt bleibt auch er ein ordentliches Reiseauto, in dem sich längere Strecken angenehm absolvieren lassen.

Der 1,2-Liter-TSI mit 105 PS spielt im VW-Konzern die Rolle eines Allzweck-Triebwerks, das vom Polo über den Golf bis zum Tiguan eingesetzt wird. Den kleinen Hubraum des Direkteinspritzers überspielt ein Abgasturbolader, der auch für das ordentliche Drehmoment von 175 Newtonmetern sorgt, das über einen weiten Bereich von 1550 bis 4100 Umdrehungen pro Minute anliegt. Und dieses Drehmomentplateau ist der Garant für eine entspannte und zugleich sparsame Fahrweise – wenn man sich auf die Besonderheiten dieses Triebwerks eingelassen hat. Das will nämlich gestreichelt und nicht getreten werden. Wer also auch in der Stadt bereits bei 1500 Touren in den nächsten Gang hoch schaltet, schwimmt locker im Verkehr mit und spart Sprit. So genehmigte sich der TSI, oftmals im fünften Gang in der City unterwegs, nur 6,0 Liter im Stadtverkehr.

Raumgefühl: Der Skoda den Golf bei der Übersichtlichkeit, weil das Cockpit des Tschechen so schön flach baut wie das des Audi A3
Raumgefühl: Der Skoda den Golf bei der Übersichtlichkeit, weil das Cockpit des Tschechen so schön flach baut wie das des Audi A3Foto: Promo

Leider ist die kleine Schaltempfehlungsanzeige nur schwer im kleinen Mitteldisplay zu erkennen. Besser also, man behält den großen Drehzahlmesser im Blick. Über Land bei Tempo 80 bis 100, oft im sechsten Gang unterwegs, zeigt der Bordcomputer sogar nur 5,2 Liter an. Ein guter Wert. Rauf auf die Autobahn. Wer sich zügelt und Regionen jenseits der 140 meidet und das Auto immer mal rollen lässt, kommt mit 6,5 Liter auf 100 Kilometer aus. Dabei schnurrt der kleine TSI zufrieden vor sich hin. Schon bei Geschwindigkeiten über 160 km/h steigt der Verbrauch auf 13,5 Liter. Und wir haben es ausprobiert: Wer auf einer freien und unlimitierten Autobahn mit Vollgas in den 190er Bereich hinein fährt, der muss mit einem Verbrauch von über 18 Litern rechnen! Ein extremer Expresszuschlag für einen vergleichsweise geringen Zeitgewinn. Wir kamen bei der insgesamt gut 1000 Kilometer langen Testfahrt inklusive etlicher Autobahnkilometer auf einen Praxisverbrauch von 6,3 Litern pro 100 Kilometer – ein guter Wert.

Hören und Sehen

Der Rapid Spaceback bietet eine richtig gute Rundumsicht, die im Alltag keinen Anlass zum Ärgern gibt. So soll es sein. Und als i-Tüpfelchen gibt es sogar ab zweitem Ausstattungsniveau serienmäßig eine hintere Einparkhilfe. Auch nach vorn übertrifft der Skoda den Golf bei der Übersichtlichkeit, weil das Cockpit des Tschechen so schön flach baut wie das des Audi A3. Man sieht die Motorhaube; keine Selbstverständlichkeit heutzutage. Die relativ steilen Scheiben sowie die großen Fensterflächen des Skoda schaffen ein luftiges Raumgefühl, so dass man glaubt, in einem größeren Auto zu sitzen. Vor allem, wenn man das für nur 640 Euro recht günstige riesige Glasdach mit manueller Jalousie geordert hat, das nachts für die Fondpassagiere ungewöhnliche Sichten bietet. Der Vierzylinder läuft im Skoda allerdings etwas rauer, auch, weil er hier gegenüber dem viel teureren Golf sparsamer gedämmt ist. Leichter Vorteil Golf.

Wählen und Zahlen

Nur 14990 Euro kostet das Einstiegsmodell des Skoda Rapid Spaceback mit einem 86 PS starken Turbobenziner. Das klingt gut. Doch bei einem genauen Blick in die Preisliste entpuppt sich dieses Modell als Lockvogel-Angebot, das überhaupt nicht attraktiv ist. Klimaanlage, Radio sowie viele andere Dinge kosten extra; andere Extras gibt es für dieses Modell gar nicht. Also abwählen! In diesem Falle ist es wirklich so, dass unterm Strich das Topmodell Elegance die beste Wahl ist. Schon allein wegen der nur da erhältlichen Sportsitze mit serienmäßiger Sitzheizung sowie der wirksamen Klimaautomatik. 20090 Euro ruft Skoda für den nahezu komplett ausgestatteten Skoda Rapid Spaceback 1.2 TSI Elegance mit 105 PS auf. Ein vergleichbarer VW Golf ist gut 3000 Euro teurer.

Extras an Bord: Das Topmodell Elegance ist die beste Wahl. Schon allein wegen der nur da erhältlichen Sportsitze mit serienmäßiger Sitzheizung sowie der wirksamen Klimaautomatik.
Extras an Bord: Das Topmodell Elegance ist die beste Wahl. Schon allein wegen der nur da erhältlichen Sportsitze mit serienmäßiger...Foto: Promo

Vorbildlich: Für den Spaceback Elegance gibt es die sicherheitsfördernden Xenonscheinwerfer inklusive Reinigungsanlage sowie Nebellampen mit integriertem Abbiegelicht bereits für 480 Euro Aufpreis. Davon können Kunden bei anderen Herstellern nur träumen. Beim Golf müsste der Kunde dafür 1215 Euro zahlen. Als wenig kundenfreundlich erweist sich nicht nur der Umstand, dass Skoda für ein Start-Stopp-System 400 Euro Aufpreis verlangt, womit der Normverbrauch beim 105-PS-Benziner von 5,4 auf 5,0 Liter pro 100 Kilometer sinken soll, sondern dass die Tschechen dieses System auch noch in das wenig attraktive Modell Green tec packen. Das ist nicht zu empfehlen, denn es ist weder mit Xenonscheinwerfern noch mit Navigationssystem oder dem Panoramaglasdach lieferbar. Selbst auf einen variablen Ladeboden sowie eine Geschwindigkeitsregelanlage muss bei dieser Sparversion verzichtet werden. Da sollte man auch lieber verzichten.

Wer die Schaltung lieber einem Automaten überlassen möchte, hat beim Spaceback nur eine begrenzte Wahl. Entweder den 122-PS-Benziner ab 20 750 Euro oder den 90-PS-Diesel ab 19090 Euro. Da bietet der Golf bessere Wahlmöglichkeiten. Wer ein Freund zahlreicher elektronischer Helferlein im Auto ist, wird mit diesem Skoda nicht warm werden. Alles Nötige an Sicherheit ist an Bord, doch teure Fahrassistenzsysteme gibt es nicht. Basta! Verkehrszeichenerkennung? Einpark-Pilot? Spurhalteassistent? Umfeldbeobachtungssystem mit City-Notbremsfunktion? Müdigkeitserkennung? Gibt es alles nur im Golf für teils heftige Aufpreise, welche dann schnell auf mittlere fünfstellige Summen anwachsen. Im Skoda fährt und wacht der Fahrer noch selbst und macht auch ohne elektronische Müdigkeitserkennung eine Pause, falls es nötig wird. Der serienmäßige Schleuderschutz ESP regelt sauber und ohne Nervosität. Kein Wunder bei dem ausgewogenen Fahrwerk sowie der exakten elektromechanischen Lenkung, die einem ein gutes Gefühl für die Straße vermittelt. Und man muss auch an später denken, wenn das Auto in die Jahre kommt: Was nicht drin ist an komplizierter Elektronik, das kann auch nicht kaputt gehen.

Rauhes Fahrwerk: Die Hinterachse des Skoda Rapid Spaceback ist straff abgestimmt.
Rauhes Fahrwerk: Die Hinterachse des Skoda Rapid Spaceback ist straff abgestimmt.Foto: Promo

Gutes und Schlechtes

Freuen darf man sich über viele kleine praktische Details der Tschechen, bei denen man sich verdutzt fragt: Warum sind die anderen nicht darauf gekommen? So der integrierte Eiskratzer im Tankdeckel oder der auswechselbare Mülleimer im Türfach oder der Multimediahalter in der Mittelkonsole, in dem Smartphone und iPod sicher parken können. Oder die Haltenetze an den Innenkanten der Vordersitze sowie die Ablagetaschen an den Rückseiten der Vordersitze.

Es ist schön, dass es in unserer schrillen, teils überbordenden Welt noch Autos gibt, die einem das gute Gefühl vermitteln: Weniger kann auch mehr sein! Der Spaceback bringt alles mit, was man als Otto Normalverbraucher braucht, um anständig von A nach B zu kommen. Und das Ganze ist auch noch bezahlbar. Halt! Auch diese Erkenntnis behalten wir in Erinnerung: Skodas sind zwar noch immer vergleichsweise günstig; Schnäppchen indes sind sie allerdings nicht mehr. Der neue schicke Seat Leon Fünftürer kostet nur 800 Euro mehr als der Skoda Rapid Spaceback. Dennoch: Wer auf teure Fahrassistenzsysteme ebenso verzichten kann wie auf den letzten Feinschliff beim Fahrkomfort oder teuren Glanz und Gloria im Innenraum, der ist mit dem gegenüber dem VW Golf gut 3000 Euro billigeren Skoda besser bedient. So gesehen erweist sich der Rapid für kühle Rechner doch als der cleverere Golf.

Stärken

Gutes Raumangebot

Agiler Motor

Sehr gute Sitze

Schwächen

Zu straffe Federung

Wenig Fahrassistenzsysteme

Keine Automatik lieferbar

Die Konkurrenz

VW Golf

Kia Cee’d

Renault Captur

Technische DatenSkoda Rapid Spaceback 1.2 TSI
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe) 4,30/1,71/1,46 Meter
Leergewicht

1170 Kilogramm

Kofferraumvolumen

415 Liter

Maximale Zuladung

535 Kilogramm

Sitzplätze5
Tankvolumen

55 Liter

Motor

Vierzylinder-Otto-Turbo-Motor, Benzin-Direkteinspritzung, zwei oben liegende Ventile pro Zylinder, Kettenantrieb

Hubraum

1197 Kubikzentimeter

Getriebe6-Gang-Schaltgetriebe
Leistung (kW/PS)

77/105

Drehmoment175 Newtonmeter bei 1550-4100 Umdrehungen/Min
Beschleunigung 0 - 100 km/h

10,2 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit

193 km/h

Verbrauch laut Hersteller (innerorts / außerorts / kombiniert)

6,9/4,6/5,4 Liter

CO2-Emissionen/Effizienzklasse

125 g/km / C

Verbrauch im Test

6,3 Liter

Typklassen (KH/VK/TK)

16 / 17 / 16

Preis als Basisfahrzeug

20 090 Euro

Preis des Testwagens

24 190 Euro

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