Auto : Preisbrecher aus Fernost

Das erste chinesische Auto für den europäischen Markt ist eine Mittelklasse-Limousine, die weniger als 20 000 Euro kostet

Ingo von Dahlern

China erlebt seit nunmehr 15 Jahren ein geradezu fantastisches Wirtschaftswachstum – durchschnittlich neun Prozent pro Jahr. Das Land verändert sich in Atem beraubendem Tempo. Die Skyline von Shanghai erinnert längst an die westlicher Metropolen wie New York. Auch die Autoindustrie wächst – und drängt jetzt erstmals auf den europäischen Markt. Zhonghua heißt das Mittelklassemodell, das hierzulande schon bald sein Debut feiern wird. Und auf den ersten Blick scheint es, als ob die klassische Stufenhecklimousine von Brilliance Auto bei Technik, Design und Ausstattung mit aktuellen europäischen Modellen durchaus mithalten kann.

Das ist kein Wunder, wenn man einmal genauer betrachtet, wer an der Entwicklung des Zhonghua (gesprochen: Schong Hua) beteiligt war. Seine Linie mit dem breiten Grill, den modernen Klarglas-Scheinwerfern und den die Breite betonenden großflächigen Rückleuchten wurde in Italien gezeichnet, von keinem Geringeren als Star-Designer Giugiaro. Alle maßgeblichen Technikkomponenten stammen von renommierten europäischen Zulieferern, die Motoren basieren auf Mitsubishi-Konstruktionen.

Gefertigt werden die Autos auf Produktionsbändern, die unter maßgeblicher Beteiligung von BMW eingerichtet wurden. Denn im Nordosten Chinas entstehen auch der 3er und der 5er der Münchener für den chinesischen Markt. So profitiert der Zhonghua vom Münchener Qualitätsmanagement und der Lackiertechnik der Bayern, die auch bei seiner Entwicklung beteiligt waren. Unter diesen Voraussetzungen gelang der derzeit noch vergleichsweise kleinen Brilliance-Gruppe ein Auftritt, der die Konkurrenz geradezu schockte, denn den Zhonghua Zunchi soll es von diesem Herbst an für deutlich weniger als 20 000 Euro geben.

Der Gegenwert dafür ist beachtlich. Mit 4,88 Meter Länge ist die Limousine nur drei Zentimeter kürzer als beispielsweise der neue Audi A6. Das innen sportlich-elegant und luxuriös wirkende Spitzenmodell glänzt als 2.4 Valued mit einer Lederausstattung einschließlich dem in einer Ebene verstellbaren Lederlenkrad. Es hat eine Klimaautomatik und ein elektrisches Schiebedach, elektrische Fensterheber, eine funkferngesteuerte Zentralverriegelung, ein CD-Radio mit sechsfach-Wechsler, eine Einparkhilfe, ein großes LCD-Display sowie ein modernes Bluetooth-Telefon von Motorola. Auch der Kofferraum ist geräumig. Mit 550 Litern bietet die viertürige Limousine damit selbst für längere Fernreisen ausreichend Laderaum.

Die Motorisierung freilich ist etwas schwächer als bei der europäischen Konkurrenz. Das Topmodell wird angetrieben von einem 2,4-Liter-Motor, der 96 kW (130 PS) leistet. Es ist mit einer Viergang-Automatik mit manueller Schaltgasse kombiniert und soll in weniger als 14 Sekunden Tempo 100 sowie maximal mehr als 185 km/h erreichen. Als Verbrauchswert gibt Brilliance 7,6 Liter auf 100 Kilometer bei 80 km/h an.

Mit 95 kW (129 PS) ist der Zwei-Liter-Vierzylinder nur ein wenig schwächer. Mit einer Viergang-Automatik soll er als Höchstgeschwindigkeit mehr als 180 km/h erreichen und in weniger als 16 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen. Er ist auch mit Fünfgang-Schaltgetriebe verfügbar. Dann reichen der Limousine weniger als 13,8 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal sollen mehr als 190 km/h möglich sein. Als drittes Triebwerk ist ein 1,8-Liter-Vierzylinder in Vorbereitung.

Das Fahrwerk des frontgetriebenen Zhonghua setzt auf vier einzeln aufgehängte Räder und eine Mehrlenker-Hinterachse. Ein ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung ist ebenso wie eine elektronische Differenzialsperre Serienausstattung. Nicht angeboten wird dagegen die Fahrdynamikregelung ESP. Bei der passiven Sicherheitsausstattung beschränkt man sich auf Frontairbags.

Der Zhonghua soll nur der erste Vertreter einer Modellreihe von Brilliance sein. Als nächstes Auto ist bereits eine rund 25 Zentimeter kürzere Limousine geplant. Auch an einer Kombiversion sowie einem Van wird gearbeitet. Aber Brilliance ist nicht die einzige chinesische Marke, die den Schritt nach Europa wagt. Zwei Dutzend chinesische Modelle sollen inzwischen für den Export vorbereitet werden – der Preiskampf dürfte damit für die europäischen Autohersteller künftig deutlich härter werden.

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