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Premiere der neuen Mercedes S-Klasse : Das digitalisierte Automobil

16.05.2013 10:25 Uhrvon
Daimler-Vorstand Dieter Zetsche leger neben der neuen Mercedes S-Klasse. Für den Manager könnte diese Premiere die wichtigste seiner gesamten Amtszeit werden.Bild vergrößern
Daimler-Vorstand Dieter Zetsche leger neben der neuen Mercedes S-Klasse. Für den Manager könnte diese Premiere die wichtigste seiner gesamten Amtszeit werden. - Foto: Hersteller

Daimler präsentiert die neue Mercedes S-Klasse in Hamburg mit dem Anspruch, nichts weniger als das beste Auto überhaupt zu bauen. Passend zum Superlativ fliegt das Luxusmobil mit dem A380 ein. Die Neuauflage muss sitzen, sonst wird es für Vorstand Zetsche eng.

Spektakel bei der Einführung eines neuen Modells gehört für Autobauer zum Geschäft. Vor allem bei Daimler-Benz hat man hier immer wieder Superlative gesucht und gefunden. Einst fuhr die Luxuslimousine Maybach auf der Queen Elisabeth 2 über den Atlantik und wurde im Glascontainer per Helikopter in Manhattan eingeflogen. Für die neue S-Klasse hat sich Mercedes dieses Mal die Airbus-Werke in Hamburg Finkenwerder ausgesucht. Mit dem Riesen-Jumbo Airbus A380 flog die Neuauflage der Luxuslimousine ein und brachte sie zu 750 ausgesuchten Gästen aus Politik und Gesellschaft, unter ihnen Stars wie Franz Beckenbauer, Niki Lauda oder Wirtschaftsgrößen wie nicht zuletzt Gastgeber Thomas Enders, Chef des EADS-Konzerns.

Dass für die Neuauflage der Mercedes S-Klasse 2013 so viel getrommelt wird, verwundert angesichts der Umstände kaum. Mercedes als Marke befindet sich in einer diffizilen Situation. Der Stern verliert seit Jahren an Glanz und vor allem an Absatz gegenüber den Hauptkonkurrenten Audi und BMW. Die Mercedes S-Klasse, früher Inbegriff der Luxus-Limousine und unbestrittener Marktführer im Segment, tut sich schon länger schwer. Auf dem deutschen Markt liegen die Wettbewerber mittlerweile gleichauf und, je nach Produktzyklus, der BMW 7er bei den Zulassungen sogar vor dem Stern aus Stuttgart. Für die hohen Ansprüche der Marke wäre das schon Gift. Noch schlimmer aber ist, dass die Erzfeinde aus dem Bayrischen bei den kleineren Baureihen die C- und E-Klasse bereits hinter sich gelassen haben. Zwar bringen die großen Luxuslimousinen die höchste Marge, aber mit den kleineren Baureihen wird das meiste Geld verdient.

Rasender Liegesitz

Deshalb hat Daimler die neue Mercedes S-Klasse technisch auch aufgerüstet wie kein anderes Modell zuvor. „Wir haben massiv in die neue S-Klasse investiert“, sagte Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche und schiebt auch gleich den Grund dafür hinterher: „Es gibt nichts geschenkt“. Entscheidend für den Erfolg des Modells werden die Märkte in Amerika, den arabischen Staaten und Asien werden. Und dort liebt man Luxus im Überfluss.

Weiße Flotte mit Stern: Für die Präsentation seines Flaggschiffs hat sich Mercedes das Hamburger Werk von Airbus ausgesucht. Die neue S-Klasse kam mit dem A380 eingeflogen.Bild vergrößern
Weiße Flotte mit Stern: Für die Präsentation seines Flaggschiffs hat sich Mercedes das Hamburger Werk von Airbus ausgesucht. Die neue S-Klasse kam mit dem A380 eingeflogen. - Foto: Reuters

So bietet Daimlers neuer Luxusdampfer mit 14 separat ansteuerbaren Luftkissen und integrierter Wärmefunktion sogar die Hot-Stone-Massage an. Auch der Duft im Innenraum lässt sich über das Bediensystem bestimmen und selbst die Armauflagen in den Türen und der Mittelkonsole sind beheizbar. Für den Fond gibt es verschiedene Konfigurationen, denn während der Chef in Europa eher selbst am Steuer sitzt lässt man sich in Asien, Russland oder auf der arabischen Halbinsel lieber fahren. Dazu sind Executive-Sitze verfügbar, die sich auf der Beifahrerseite bis zu einem Winkel von 43,5 Grad neigen lassen. So wird das fahrende Büro zum rollenden Schlafzimmer für das gestresste Management.

Viele Augen zum Sehen

Aber nicht nur in Sachen Luxus will das Stuttgarter Flaggschiff neue Maßstäbe setzen. Mercedes will sich vor allem in Sachen Sicherheit nach vorne schieben. Ein Traditionsthema für die Marke, das die Marketingstrategen wieder an die erste Stelle gesetzt haben. Das System „Road-Surface-Scan“ beispielsweise tastet mit einer Stereokamera beispielsweise die Oberfläche der Straße voraus ab und leitet die Informationen über eventuelle Unebenheiten in Millisekunden an das Luftfahrwerk ab. Die Kameras und Radarsensoren ringsum das Auto verteilt erfassen nun auch den Verkehr hinter dem Fahrzeug. Rauscht ein potenzieller Unfallgegner heran, so blockiert das Fahrzeug eigenständig die Bremsen. Erfassen die Kameras vorne die beiden Einfahrt-Verboten-Zeichen an Autobahnauffahrten, dann warnt das Fahrzeug vor der drohenden Geisterfahrt.

Beim Design der neuen Mercedes S-Klasse sind die Schwaben eher zurückhaltend geblieben. Prägnant sind vor allem die neu konturierte Motorhaube und die LED-Scheinwerfer.Bild vergrößern
Beim Design der neuen Mercedes S-Klasse sind die Schwaben eher zurückhaltend geblieben. Prägnant sind vor allem die neu konturierte Motorhaube und die LED-Scheinwerfer. - Foto: Hersteller

Der Spurhalteassistent kann zwischen durchgezogenen und gestrichelten Linien unterscheiden und warnt entsprechend den Fahrer. Noch ausgefeilter ist allerdings die Lichttechnik der neuen Mercedes S-Klasse. Mit zwei Infrarotleuchten strahlt das Auto in der Nacht und eine Infrarotkamera erfasst Menschen und Tiere auf der Fahrbahn warnt den Fahrer vor den Hindernissen. Das Fernlicht kann in der Nacht immer anbleiben, denn entgegenkommende Fahrzeuge und andere Verkehrsteilnehmer werden gezielt aus dem Lichtkegel ausgeblendet. Daimler-Chef Zetsche ließ dazu sich seinen Scherz nicht nehmen: „Unser Auto hat sechs Augen und sechs Ohren. Das klingt nach Frankenstein, sieht aber viel besser aus.“

Design und Motoren im Hintergrund

Standen früher die Motoren und das Design im Vordergrund solcher Präsentationen, so ist Mercedes auf diesem Gebiet eher zurückhaltend geblieben. Mit diesen althergebrachten Trümpfen lässt sich heutzutage kaum mehr ein Konkurrent ausstechen. Das Äußere der Limousine ist gegenüber dem Vorgänger eher zurückhaltend modernisiert worden. Die Haube wurde etwas kräftiger und konturierter und der Kühlergrill noch etwas größer. Der Rest an designerischen Feinheiten ist eher was für Experten, aber in der Summe wirkt das Modell runder und moderner.

Für den Fond stehen verschiedene Varianten zur Bestuhlung zur Verfügung. Mit dem Executive-Sitz lässt sich die Lehne um 45,3 Grad neigen und so zum Schlafsessel umfunktionieren. Optional können in der Mittelkonsole zwei versenkbare Tische wie im Flugzeug bestellt werden.Bild vergrößern
Für den Fond stehen verschiedene Varianten zur Bestuhlung zur Verfügung. Mit dem Executive-Sitz lässt sich die Lehne um 45,3 Grad neigen und so zum Schlafsessel umfunktionieren.... - Foto: Hersteller

Das liegt auch an den LED-Leuchten, die bei der Mercedes S-Klasse 2013 im großem Unfang Einzug gehalten haben. Ein Thema, bei dem man im Daimler-Konzern lange ordentlich geschlafen hatte. Als Trend vor ein paar Jahren Fahrt aufnahm wurden bei C- und E-Klasse noch hektisch LED-Leisten an die vorderen Stoßfänger montiert. Die neue S-Klasse hat nun 500 LED-Leuchten an Bord. Davon fallen je 56 auf die beiden vorderen Scheinwerfer und 36 auf die hinteren. 300 finden sich im Innenraum und beleuchten jedes Detail des Luxusambientes. Dadurch wurde aber auch der Stromverbrauch des Fahrzeugs auf ein Viertel gesenkt.

Sparsame Hybride

Das kommt auch den Motoren zugute, bei denen es allerdings ansonsten wenig Neues gibt. Die vier Motorisierungen für das Auto sind bereits bekannt, konnten aber für die neue S-Klasse im Verbrauch deutlich gezügelt werden. Zum Start gibt es einen Sechszylinder-Diesel mit 258 und einen Achtzylinder-Benziner mit 455 PS. Auch der Benzin-Hybride mit 306 PS starkem Verbrennungsmotor und 27 PS starkem Elektromotor ist bereits bekannt. In Kürze wird ein Diesel-Hybrid nachgeschoben, der aber auch schon in der Mercedes E-Klasse seine Premiere feierte. Allerdings soll der Benzin-Hybrid-Motor mit 6,3 Liter und der Diesel-Hybride sogar mit 4,4 Liter auskommen. Im Normzyklus wohlgemerkt. Bei mehr als zwei Tonnen Leergewicht dürfte da noch ein ordentlicher Aufschlag in Praxis draufkommen. Es folgen noch eine Plugin-Hybrid und eine bärenstarke AMG-Version der S-Klasse.

Mit einem großen Schwung umformt das Interieur seine Passagiere. Der Instrumententräger ist nun vollständig digital.Bild vergrößern
Mit einem großen Schwung umformt das Interieur seine Passagiere. Der Instrumententräger ist nun vollständig digital. - Foto: Hersteller

So scheint die neue Mercedes S-Klasse für den harten Wettbewerb gut gerüstet. Ganz nach dem neuen Daimler-Motto: „Das Beste oder nichts.“ Für Vorstandschef Dieter Zetsche ist es wahrscheinlich die wichtigste Premiere seiner Karriere, denn Daimler befindet sich in einer heiklen Situation. Gerade erst hat das durch die Kooperation mit Renault-Nissan geborene Modell Citan in einem Crashtest verheerende Ergebnisse hingelegt und Mercedes muss auf breiter Front nachrüsten. Die seit zwei Jahren vorangetriebene Modelloffensive hat den Rückstand gegenüber Audi und BMW bisher nicht großartig verkürzen können. Noch immer ist das Image der beiden Konkurrenten frischer und die Marken wirken innovativer.

So dürfte sich mit der Mercedes S-Klasse 2013 langfristig auch das Schicksal von Vorstand Dieter Zetsche entscheiden. Der Vertrag des Managers wurde im Februar nur um drei Jahre verlängert. Und das gegen den Widerstand von Arbeitnehmervertretern und einer Vielzahl von Kleinaktionären. Bei der Präsentation der neuen Mercedes S-Klasse in Hamburg gestern Abend jedenfalls gab es pünktlich zum Start ein Gewitter. Hoffentlich kein schlechtes Omen für Dr. Z, wie er sich einst im den USA rufen ließ.

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