Premium-Limousinen : Audi in China: Nach den Spielen, fertig, los

Audi verkauft dieses Jahr mehr als 100 000 Premium-Limousinen in China – kein leichtes Geschäft auf einem Markt mit Eigenarten.

Eric Metzler

Jetzt ist Schluß – mit dem Ende der Paralympics in der vergangenen Woche ging Olympia auch für Volkswagen zu Ende. Wovon hierzulande kaum einer Notiz genommen hat, war in Peking wochenlang unübersehbar: Jeder Sportler und jeder Funktionär, der bei den Spielen von A nach B musste, war in einem VW, einem Audi oder einem Skoda unterwegs. Dafür und für eine möglichst lange Nachwirkung hat der Konzern den Chinesen 5500 Autos geschenkt – neben der dreistelligen Millionensumme, die das Internationale Olympische Komitee für die Lizenz zum Fahren wohl kassiert hat, ein erklecklicher Aufwand. Da dürfte man während des Fackellaufs vor Beginn der Spiele auch in Wolfsburg geschluckt haben, als China, Tibet und damit Olympia überwiegend negative Schlagzeilen machten. Mit den ersten Medaillen hat sich das mediale Bild auch außerhalb Chinas dann gedreht.

Ohnehin hat VW für die Investition gute Gründe. Zum einen: China hat sich nach den USA und vor Japan und Deutschland zum zweitgrößten Pkw-Markt der Erde entwickelt. Mit 5,6 Millionen Neuzulassungen rechnet man für dieses Jahr; zum Vergleich: in Deutschland werden es vermutlich um die 3,3, Millionen. Schon jetzt also ist in der kommunistischen Marktwirtschaft viel, sehr viel zu holen – dabei liegen die fetten Jahre im chinesischen Autogeschäft noch vor uns. Zum zweiten: Weltweit gibt es keine andere Automarke, die in China so lange und so stark verwurzelt ist. Als andere von Autos auf dem Riesen-Markt China bestenfalls träumten, handelten die Wolfsburger schon damit: Seit 1985 ist man im Land, dominiert seither den Markt und – trifft den Geschmack der Chinesen. Die lieben Stufenheck über alles (Erinnern Sie sich an den Santana? Der lief blendend in China; kein anderes Modell sieht man öfter) und schätzen Verlässlichkeit. Bei der wohlhabenden Mittelschicht, die vor allem in Großstädten stark wächst, gewinnt der Faktor Prestige an Bedeutung – und da profitiert Audi nicht nur von guten Autos, sondern auch vom Pionier-Mut und der lokalen Produktions-Erfahrung der Konzernmutter. Die Ingolstädter bauen fast alle Audi für China auch in China zusammen, führen das Premium-Segment im Land an. Mit einem Marktanteil von 42 Prozent hat man BMW (20 Prozent), Lexus (14 Prozent) und Mercedes (13 Prozent) ziemlich klar abgehängt.

Dass von den inzwischen mehr als 100 000 Audi, die jährlich in China verkauft werden, mehr als zwei Drittel A4 und eine verlängerte Version des A6 sind, wundert nur auf den ersten Blick: Die eher klein gewachsenen Chinesen greifen bei teuren Autos zwar gerne zu sparsamen Benzinmotoren, leisten sich aber beinahe durchweg einen Fahrer. Der meist selbstständige Eigner nimmt also hinten Platz. Dort will er es nicht nur großzügig und bequem haben, er will möglichst weit weg von seinem Angestellten sitzen. Für Audi spielt diese Eigenart bei der Modellpolitik, zudem aber beim Service eine gehörige Rolle: „Unsere Kunden schicken ihren Chauffeur mit dem Fahrzeug viel öfter in die Werkstatt“, sagt Johannes Thammer, Audis oberster Statthalter in China, „in Deutschland hat ein Händler vielleicht acht Hebebühnen in der Werkstatt. Hier sind es sechzig.“

Wie viele davon zu welcher Zeit belegt sind, ist schwer zu sagen. Viele Chauffeure bringen den Dienstwagen unangemeldet vorbei – und da die Chefs tagsüber die Geschäfte führen, bringen sie Zeit, viel Zeit mit. Wozu das im Extremfall führt, beschreibt Thammer an einem „beeindruckenden Beispiel“ in Peking: Hier hat ein Händler zwischen den Verkaufsräumen für Gebraucht- und Neufahrzeuge für die Wartenden gleich ein komplettes Einkaufszentrum gebaut – mit einem 300 Sitzplätze fassenden Kino, einer Slot-Race-Bahn, einem Friseur und zig Geschäften. Was für ein Service.

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