Auto : Probe aufs Exempel

Unsere Autorin stammt aus Ingolstadt – genau wie der RS 5, der erste Audi, den sie seit Jahren bewegt hat

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Schräge Nummer. Ein elegantes Coupé mutiert zu einem bissigen Rennwagen – sowas macht Audi inzwischen mit links. Beim A 5 kann sich das Ergebnis sehen lassen – vor allem auf der Rennstrecke. Fotos: promo
Schräge Nummer. Ein elegantes Coupé mutiert zu einem bissigen Rennwagen – sowas macht Audi inzwischen mit links. Beim A 5 kann...Foto: Abdruck fuer Pressezwecke honora

Ein Audi! Das war lange Zeit die Marke, die ein müdes Gähnen bei uns Ingolstädtern hervorrief – und das, obwohl hier die Ringe produziert werden. So langweilig, wie die Audis in den Siebzigern daherkamen, hätte der Hersteller die umhäkelte Klorolle und den Herrenhut auf der Ablage gleich in Serie mitliefern können. Als dann 1980 der Urquattro das erste Mal auf den Straßen Ingolstadts zu sehen war, staunten die Einwohner der bayerischen Stadt nicht schlecht. Und 30 Jahre später kommen sogar altgediente Audianer, die schon diverse Modelle in Vorserie gebaut haben, nicht mehr aus dem Schwärmen heraus, wenn sie über das neueste Baby, den RS 5 Coupé, sprechen.

„Rattenscharf“ sei das neue quattro-betriebene Fahrzeug, schön anzuschauen, gut im Handling, ein echtes „Schmankerl“. Nun neigen die Bayern nicht zu temperamentvollen Ausbrüchen; auch stehen sie Neuem nicht ohne Vorbehalte gegenüber. Deshalb steht eine erste Fahrt mit dem Sportler, der im Juni auf den Markt kommen wird, unter großem Vorbehalt. Schaun mer mal.

Elegant und kraftvoll sieht der RS 5 aus. Auch die Linienführung passt zu diesem Sportler. Denn nicht immer haben die Audi-Designer in der Vergangenheit die Proportionalität zwischen dem klassischen Kühlergrill und dem Rest der Frontpartie gewahrt. Beim RS 5 unterstreicht der Grill mit seinem glänzenden anthrazitgrauen Gitter in Rautenstruktur die Dynamik. Daneben liegt der Stoßfänger mit vergrößerten Lufteinlässen rechts und links, die sehr markant eingefasst sind. Diese eckigen Konturen an der Vorderpartie stehen etwas hervor: Der RS 5 wirkt deshalb sehr offensiv, fast schon einen Tick zu aggressiv. Diese Angriffslust wird zusätzlich von ausgestellten Kotflügeln und zwei nach vorne zulaufenden Linien auf der Motorhaube verstärkt. Sehr cool ist das Nummernschild, das im Grill angebracht wie ein unbedeutendes Beiwerk wirkt – zufällig hineingeflogen und vorne angepresst.

Würde beim Start eine automatische Stimme die Beschleunigungswerte des RS 5 verlesen, wäre die Tachonadel noch während der Sprechzeit auf 100 km/h geklettert – das dauert nämlich nur 4,6 Sekunden. Satte 450 PS liefert der 4,2-Liter-V8-Motor. Elektronisch wird die Geschwindigkeit bei 250 km/h abgeriegelt. Auf Wunsch – und gegen einen nicht unerheblichen Aufpreis von 1500 Euro – regelt Audi die Spitze erst bei 280 km/h ab. So oder so bekommt man Hochleistung frei Haus, die sich im normalen Straßenverkehr kaum ausfahren kann.

Gehen wir also auf die Rennstrecke. Hier probieren wir das Fahrdynamik-System, das sich dreier Modi bedient: comfort, auto und dynamic. Je nachdem werden Fahrwerk, Differenzial, Lenkung, Siebengang-S-Tronic-Getriebe, die Drosselklappen des Motors und die Soundklappe der Abgasanlage abgestimmt. Wer es sportlich mag, fährt sicher im dynamic-Modus: Die Schaltzeiten sind verkürzt, das Getriebe spricht direkter an, und das Driften in den Kurven „auf gepflegtem Niveau“, wie ein Instruktor schmunzelnd sagt, macht viel Spaß. Die Automatik kann spontan ausgeschaltet werden, denn mit Schaltwippen hinter dem Lenkrad können die Gänge manuell gewählt werden. Das ist die besonders harte Gangart: Beim Herunterschalten sorgt das Getriebe für einen Stoß Zwischengas. Das erste Mal ist das eine Schrecksekunde: Man hat das Gefühl, als ob gleich noch ein katapultartiger Stoß vornüber nachkommt.

Der Sound im dynamic-Modus ist nichts für den bedächtigen Coupéfahrer, sondern schon eher was für Ducatisti. Beim RS 5 sitzt in jedem der beiden Endrohre der Abgasanlage eine Klappe. Beide Klappen sind im dynamic-Modus komplett geöffnet, was den Sound hörbar noch voller und satter macht – vorausgesetzt, der Fahrer hört nicht gleichzeitig ohrenbetäubenden Hardcore über das Bang & Olufsen Sound System mit einer Gesamtleistung von 505 Watt.

Die Bordwerkzeuge sind übersichtlich angeordnet, die Instrumente haben schwarze Zifferblätter und eine weiße Beschriftung. Die Sportsitze mit integrierten Kopfstützen sind serienmäßig und mit einer Kombination aus Leder und Alcantara überzogen. Audi hat besonderen Wert auf Haptik gelegt: Die Schalter sind mit einer geschwungenen Kante versehen, so dass sie sich fast schon „weich“ anfühlen und gut in den Fingern liegen. Wer hinten im Coupé sitzt, sollte aber nicht größer als 1,75 Meter sein, sonst hört der Fahrspaß mit einem eingequetschten Kopf unter der Decke schnell auf.

Wer aber kauft so ein Auto, das dem BMW M3 oder dem Mercedes C 63 AMG Konkurrenz machen will? Audi nennt bewusst keine Verkaufsziele. Heutzutage einen Sportler mit Power und Spitzentechnik auf den Markt zu bringen, das ist ein Risiko. Der Kraftstoffverbrauch wird zwar mit „nur“ 10,8 Litern auf 100 km/h angegeben, doch sind das Werte, die man wohl nur bei benzinsparender, ruhiger Fahrweise erzielt. Deshalb setzt Audi auf den motorsportnahen, technikaffinen Kunden, der das nötige Kleingeld ab 77 700 Euro übrig hat und dem die Anzahl der Tankfüllungen egal ist. Der erfolgreiche Mann zwischen 45 und 55 Jahre wäre der Kunden-Prototyp. Etwas nachhelfen könnte der Spoiler, der automatisch ab 120 km/h ausfährt. Und wer’s für sein Ego braucht, kann ihn auch schon manuell ab 80 km/h bedienen. Erfolgreiche Frauen im besten Alter brauchen sowas nicht.

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