Quads : Wer denkt denn hier an Landwirtschaft?

Nur für die Zulassungsstelle gelten die Edel-Quads von Grüter & Gut als Nutzfahrzeuge

Bernd Zimmermann

Da musste erst ein Schweizer kommen, um die deutschen Zulassungsvorschriften für Quads neu zu definieren. Denn die edlen Ufos von Grüter & Gut erhalten ganz besondere Papiere: In Deutschland werden sie entweder als vierrädriges Kraftrad zugelassen – oder, wenn eine Anhängerkupplung montiert ist, sogar als landwirtschaftliches Zugfahrzeug mit respektablen 1,75 Tonnen Zuglast.

Doch das Ziehen von Anhängern dürften die Schweizer nicht als hauptsächliche Daseinsberechtigung ihrer zwei Modelle angesehen haben. Auch wenn sie zumindest für den Transport kleinerer Lasten genug Leistung haben dürften: Als Antrieb für das GG-Quad dient ein BMW-Boxermotor, der aus 1130 ccm Hubraum 95 PS schöpft. Der GG Quadster, zweites Modell des Herstellers, bietet sogar noch deutlich mehr Kraft: Er wird von einem 167 PS starken BMW-Vierzylindertriebwerk mit 1 157 ccm Hubraum befeuert.

Auch optisch dürfte niemand die beiden Quads mit Mini-Traktoren verwechseln: Nichts gegen Nutzfahrzeuge. Aber die Schweizer Vierräder sind eine Augenweide: Aus 220 Kilogramm hochwertigem Aluminium werden unter anderem Querlenker, Kotflügelhalter, Motorbefestigungen und das Differenzialgehäuse gefräst. Fast alle Bauteile des Fahrwerks werden im eigenen Unternehmen GG Motorradtechnik GmbH selbst hergestellt. Die Frontverkleidung etwa sieht nicht nur futuristisch aus, sondern sie schützt die Besatzung bei schnellen Törns auch vor Wind und Wetter. Aber noch einmal zurück zum Lastentransport: Nicht nur für die Tourerfraktion sind geräumige Staufächer zwischen den vorderen und hinteren Rädern gedacht, die auch beim schnellen Einkauf von großen Nutzen sind. Außerdem helfen sie, den Schwerpunkt der 375 Kilogramm leichten Fahrmaschinen noch weiter nach unten zu drücken.

Im Gegensatz zu normalen Quads ohne Differenzialgetriebe, deren starrer Antrieb die Räder in Kurven radieren lässt und damit Unruhe ins Fahrwerk bringt, lassen sich die G&G-Produkte dank der aufwändigeren Technik locker und stabil um die Ecke bringen. Für sehr sportliche Fahrer hält Walter Grüter dazu noch ein selbst sperrendes Torsen-Differenzial bereit. Mit 100 Millimetern Federweg sind die Fahrwerke recht straff abgestimmt – die Domäne der Vierräder liegt damit weniger im Gelände, sondern eher auf glattem Asphalt. Und dort zeigen Quad und Quadster respektable Fahrleistungen: Während der BMW-Boxer den kleineren in weniger als fünf Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt und eine Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h möglich macht, legt der moderne BMW-Vierzylinder im Quadster noch ein paar Kohlen mehr drauf: Er beschleunigt den Vierrädler in weniger als vier Sekunden auf Tempo 100, das Modell erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h. Dazu hat das GG Quad ein Tankvolumen von 18 Litern, während der Quadstertank 26 Liter schluckt.

Zum Stehen kommen die Schweizer Quad-Geschwister mit Hilfe von hydraulisch betätigten, schwimmend gelagerten Bremsscheiben, die über ein Fußpedal angesteuert werden. Mit dem rechten Handhebel können außerdem bei harten Bremsmanövern zwei zusätzliche Bremssättel an den Vorderrädern aktiviert werden. Und wenn es eng zugeht, hilft zusätzlich zum Sechsganggetriebe ein Rückwärtsgang dabei, das Einparken leichter zu gestalten.

Bleibt noch der Preis: Dass so viel Schweizer Präzision nicht ganz billig sein kann, dürfte sich von selbst verstehen. Und in der Tat qualifizieren sich die Produkte von Grüter & Gut eher als Spielzeuge für Betuchte: Das Quad ist ab 31 500 Euro zu haben, der Quadster kostet minimal 38000 Euro.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar