Range Rover Evoque : Das erste SUV-Cabrio der Welt

Es ist die Neuheit des Auto-Sommers 2016: Range Rover bringt mit dem Evoque Cabriolet das weltweit erste in Serie gebaute SUV mit elektrischem Stoffverdeck.

Frank Wald
Blickfang auf allen Straßen. Mit dem Evoque Cabriolet will Range Rover die Erfolgsgeschichte des Modells fortschreiben.
Blickfang auf allen Straßen. Mit dem Evoque Cabriolet will Range Rover die Erfolgsgeschichte des Modells fortschreiben.Foto: Promo

Ausgerechnet die Briten. Ausgerechnet in dem Teil Europas, wo Regen und Nässe so dazugehören wie der Linksverkehr, wurde mit dem Range Rover Evoque Cabriolet das erste SUV-Cabrio der Welt entwickelt. Und ausgerechnet der Lordsiegelbewahrer des wahren Offroad-Erlebens tritt nun den neuesten Trend der SUV-Lawine los. Oder hat der Erfolg der geschlossenen Version, die mit knapp einer halben Million Verkäufen inzwischen als erfolgreichste Modelleinführung in der Geschichte von Land Rover gilt, den Briten die Sinne vernebelt?

Fakt ist, dass der Wagen die Blicke auf sich zieht, wo immer das SUV-Cabrio gerade vorfährt. Ob es nun im geöffneten Zustand an der hohen Gürtellinie liegt, die Assoziationen zwischen Boots-Bordwand und Badewanne weckt, oder am ungewöhnlichen Kontrast zwischen massigem Body und knapp sitzender Stoffmütze, wenn das Verdeck geschlossen ist.

Tatsächlich bietet das neue Mitglied der Range-Rover-Modellfamilie ein ganz neues Gefühl des Cabriofahrens. Wo bisherige Frischluft-Gefährte ihre Passagiere in eine tiefer gelegte, nicht selten sportlich knapp geschnittene Kabine nötigen, erlaubt der offene Evoque das SUV-typisch bequeme Einsteigen, die Geräumigkeit der dreitürigen Coupé-Version sowie die Erhabenheit der leicht erhöhten Sitzposition. Dazu macht der 4,37 Meter lange Viersitzer auch noch bequem Platz für die beiden hinteren Passagiere. Vorausgesetzt, sie mögen ein wenig mehr Wind um die Nase und steigen ein, wenn das Dach geöffnet ist.

Kofferraum leidet unter Stoffverdeck

Doch das funktioniert recht flott. Binnen 18 Sekunden und bis Tempo 48 (30 britische Meilen) ist das flache Stoffverdeck, aktuell das längste und breiteste auf dem Markt, in einer eleganten Z-Faltung bündig im Heck verschwunden. Das gelingt bei jedem Ampelstopp, Stadtbummel oder Stop-and-go. Mit hochgefahrenen Seitenscheiben und aufgestelltem Windschott (300 Euro) fährt man so beinahe zugfrei.

Umgekehrt dauert es 21 Sekunden. Und plötzlich sieht die Welt anders aus. Die gute Rundumsicht ist weg, im Rückspiegel schaut man ins Dunkel mit einer schmalen Scheibe Licht oder wahlweise auf die eingezogenen Köpfe der Hinterbänkler. Ohne die serienmäßigen Parkpieper geriete das Rangieren zum Blindflug. Für 420 Euro extra gibt es eine Rückfahrkamera, für 780 Euro mehr ein Surround-Kamerasystem. Noch ein Manko, bauartbedingt, ist der auf 251 Liter geschrumpfte Kofferraum, der nur über eine senkrechte Klappe beladen werden kann. Für ein Cabrio vielleicht okay, für vier Personen mit Gepäck deutlich zu wenig. Immerhin gibt es eine Ski-Durchreiche zwischen den Rücksitzlehnen. Dafür schottet das fünflagige Verdeck zuverlässig gegen Außengeräusche ab und lässt alle Wetterkapriolen wohl behütet passieren.

Interieur und Ausstattung deckt sich mit den geschlossenen Brüdern. Jedoch kann erstmals in einem Land Rover das neue „InControl“-Infotainmentsystem (1500 Euro) mit 10,2-Zoll-Tablet in der Mittelkonsole geordert werden, mit dem nach Smartphone-Bedienlogik Audio, Klima, Navigation und Fahrinformationen gesteuert werden können. Selbst eine Wetter-App, die entlang der Route rechtzeitig vor Regen warnt, findet sich darin. Weitere Highlights sind: Head-up-Display (1300 Euro), Abstandsradar mit Stauassistent und Notbremse (1090 Euro), Einpark-Roboter zum Längs- und Querparken (1150 Euro).

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Alle Modelle mit 9-Gang-Automatik

Das entspannte Cruisen kostet aber nicht nur Geld, sondern auch Gewicht. Der Verzicht auf das Dach und die mittlere B-Säule wurde durch zusätzliche Verstärkungen in Chassis und Karosserie ausgeglichen. Was wiederum das Gesamtgewicht um gut 200 Kilogramm auf knapp zwei Tonnen hebt. Zu spüren ist das während der Fahrt jedoch nicht. Vorausgesetzt, man hat den bekannten Zwei-Liter-Diesel mit 180 PS unter der Haube. Der hat mit seinem bulligen Durchzug von 430 Newtonmeter ab 1750 Touren keine Mühe, noch ein paar Kilo mehr anzuschieben. Wobei ein Cabrio ja ohnehin weniger ein Flucht- denn ein Flanier-Fahrzeug ist. Und dafür reicht sogar die Einstiegs-Dieselvariante mit 150 PS und 340 Nm Drehmoment. Von diesen beiden Vierzylinder-Motoren erwartet Land Rover den größten Zuspruch in Deutschland. Für die fünf Prozent Benziner-Fans wird dann noch der Si4 mit 240 PS angeboten.

Alle Modelle sind mit der schnellen, sanft und sorgfältig schaltenden 9-Gang-Automatik gekoppelt. Ebenso serienmäßig ist der variable Allradantrieb inklusive Terrain-Response-System mit vier Fahrprogrammen. Eine spezielle Offroad-Steuerung (275 Euro) sowie das „Wade Sensing System“ für Wasserdurchfahrten bis 60 Zentimeter Tiefe (350 Euro) sind ebenso im Angebot. Schließlich muss auch dieser Range Rover da weiterfahren, wo es anderen wehtut. Zwar werden sich auch mit diesem SUV die wenigsten ins Gelände trauen, doch zum Après-Ski über verschneite Pisten auf die Hütte oder zum Sommerpicknick auf der Alm kann man direkt vorfahren.

Dem Lifestyle dieser Kundenkreise angepasst sind die Preise. Ab 51 200 Euro geht’s los mit dem 2.0 TD4-Diesel, knapp 8000 Euro mehr als die vergleichbare Coupé-Version. Der Zuschlag für den stärkeren Diesel beträgt 2900 Euro und das Benziner-Modell ist ab 55 100 Euro zu haben. Die höherwertige HSE-Ausführung kostet noch einmal je 6200 Euro Aufpreis. Und dann gibt es noch die Liste der Optionen, die ist lang und kostspielig. Ein „Cabrio für alle Jahreszeiten“? Ganz sicher. Nur halt nicht für jeden Geldbeutel.

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