Range Rover Hybrid : Eine Meile unter Strom

Der Range Rover ist ein Parade-SUV: Groß, schwer und durstig. Ein ideales Feindbild für SUV-Gegner. Als Diesel-Hybrid versucht er sich nun im grünen Anzug.

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Macht jetzt auch in Hybrid: Der erste Range Rover mit dualem Antrieb setzt auf einen Diesel-Motor mit Elektroantrieb.
Macht jetzt auch in Hybrid: Der erste Range Rover mit dualem Antrieb setzt auf einen Diesel-Motor mit Elektroantrieb.Foto: Hersteller

Wenn es unter den SUVs ein Modell gibt, welches das Genre auf die Spitze treibt, dann ist das sicherlich der Range Rover. Dieses ur-britische Gefährt ist größer, schwerer und teurer als alle Konkurrenten. Im Grunde der Inbegriff des Bösen für SUV-Gegner. Und für diese wäre es ein Leichtes eine Vielzahl an guten Argumenten gegen dieses Dickschiff an Dekadenz zu finden. Aber irgendwie steht der Range Rover unter Artenschutz. Den Bedarf an Geländefähigkeit kauft man den Besitzern ab und er hat den Reiz des Andersseins, der Seltenheit. Vor allem ist die britische Traditionsmarke nie auf die SUV-Welle aufgesprungen, obwohl sie es könnte. Schon 1970, als der Begriff noch linguistisches Niemandsland war, fuhren diese Autos unter dem Label Oberklasse-Geländewagen über britische Highlands. Und was der Queen Recht ist, kann schließlich so falsch nicht sein.

Aber selbst an einem Range Rover geht die Zeit nicht spurlos vorüber und so ist mit dem ersten Hybrid-Antrieb das Zeitalter der alternativen Antriebe auch beim englischen Traditions-Autobauer angekommen. Technische Hilfestellung für den ersten Hybriden gab es von den deutschen Zulieferern Bosch und Continental und so werkelt neben einem Sechszylinder-Diesel mit drei Litern Hubraum und 292 PS auch ein 48 PS starker Elektromotor, der direkt an den Antriebsstrang angeflanscht wurde. Dort werden in Kombination der Antriebe gewaltige 700 Newtonmeter auf die Kurbelwelle gestemmt.

Mehrgewicht beim Range Rover Hybrid hält sich in Grenzen

Gut verpackt: Die Lithium-Ionen-Batterie ist mit Stahl ummantelt.
Gut verpackt: Die Lithium-Ionen-Batterie ist mit Stahl ummantelt.Foto: Hersteller

Die Lithium-Ionen-Batterie mit überschaubaren 1,7 Kilowattstunden ist im Unterboden unter dickem Stahlblech verschweißt. Die Aufladung erfolgt ausschließlich über den Verbrenner, was den Vorteil hat, dass sich das Mehrgewicht mit rund 150 Kilogramm in Grenzen. In Grenzen hält sich allerdings auch die Reichweite für die rein elektrische Fortbewegung. Im Elektromodus, einem von vier Fahrmodi, schafft es der Brite maximal eine Meile, rund anderthalb Kilometer, ohne Dieselkraft. Bei den Probefahrten ist schnell spürbar, dass Komfort die oberste Prämisse war. Butterweich wechselt der Antrieb von Elektro- zum Verbrennungsmotor. Umgekehrt ist auch die Rückgewinnung der Energie durch Rekuperation kaum spürbar. Uns ist es aber auch nicht gelungen, die Batterie während der langen Fahrt mal vollständig aufzuladen.

Im Gelände ist auch der Hybride-Range-Rover eine Hausnummer.
Im Gelände ist auch der Hybride-Range-Rover eine Hausnummer.Foto: Hersteller

Die Kundschaft dürfte das kaum stören. Denn auf dem Papier stehen für den Normzyklus dann doch beachtliche 6,4 Liter. An der Tankstelle sieht die Realität anders aus, aber Besitzer eines Range Rover schlagen sich eher selten mit Recherchen auf Tankbelegen herum. Wichtiger ist da doch, dass die erstaunlichen Fähigkeiten im Gelände vollständig unberührt von dem Hybridsystem bleiben. Die Ingenieure beteuern, dass die Stahlumantelung der Batterie ein Vielfaches des Fahrzeuggewichts aushält. Und natürlich gibt es auch im Innenraum keine Kompromisse. Die Hybrid-Version des Range Rover steht in Sachen Luxus dem normalen Modell in nichts nach.

Der große Range Rover kostet mit dem Hybridantrieb 121 400 Euro. Den kleineren und leichteren Range Rover Sport, der ebenfalls mit dualem Antrieb zu haben ist, gibt es ab 86 000 Euro. Der ist mit 225 km/h Spitze dann sogar noch einen Tick schneller als sein großer Bruder mit 218 Stundenkilometer. Wem das alles zu modern ist, der kann für das kommende Modelljahr auch auf einen neuen Achtzylinder-Diesel mit 4,4 Litern Hubraum im Range Rover Sport zurückgreifen. Der kommt theoretisch mit 8,7 Litern aus, leistet 339 PS und erreicht ebenfalls 225 km/h.

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ADAC-Autotest: Range Rover SDV8
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