Rastanlagen im Test : Günstige Autohöfe, angenehme Raststätten

Auf dem Weg in den Urlaub ist eine angenehme Rast Gold wert. Die gute Nachricht des ADAC-Rastanlagen-Tests ist, dass sich das Klima seitlich der deutschen Autobahnen positiv gewandelt hat. Vor allem an den Raststätten, die sich das aber auch teuer bezahlen lassen. Autohöfe sind da billiger, bieten aber auch deutlich weniger.

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Bei langen Autofahrten ist ein Spielplatz für die Kleinen ganz wichtig. So können sie sich austoben und schaffen das lange Sitzen besser.
Bei langen Autofahrten ist ein Spielplatz für die Kleinen ganz wichtig. So können sie sich austoben und schaffen das lange Sitzen...Foto: ADAC

In den letzten Jahren hat sich an den deutschen Raststätten viel getan. Die meisten der Haltepunkte entlang unserer Autobahnen sind modernisiert worden und haben mit den finsteren, fast schäbigen Haltestellen früherer Tage nichts mehr zu tun. Heute gibt es lichtdurchflutete Hallen, Restaurants mit reichhaltigem Angebot und Spielplätze drinnen wie draußen. Das Ganze hat aber auch seinen Preis. Teilweise verlangen die Pächter von Raststätten regelrecht derbe Aufschläge. So können für einen halben Liter Cola schon mal vier Euro fällig werden und eine Mahlzeit gibt es kaum unter zehn Euro. Damit geht die Rast mit der ganzen Familie gehörig ins Geld. Bei einem gemeinsamen Mittagsessen an der Raststätte kann eine vierköpfige Familie mit Leichtigkeit fünfzig Euro und mehr am Rand der Autobahn lassen.
Die Autohöfe hingegen sind sowas wie die Raststätten von gestern. In der Regel liegen diese nur wenige hundert Meter von der Autobahnabfahrt entfernt und bieten so gesehen kaum einen Nachteil gegenüber den Raststätten. Auch sie sind in der Regel nicht so schäbig wie die Raststätten vergangener Tage. Allerdings konzentrieren sie sich im Wesentlichen aufs Tanken. Oft steht noch ein Fast-Food-Restaurant daneben und wenn die Anlage von zahlreichen Truckern frequentiert wird, dann findet sich nicht selten auch ein Sex-Shop in der Nähe. Die Tankstellen selbst haben nur ein überschaubares Angebot an warmem Essen und Sitzgelegenheiten sind Mangelware. Kein Ort, an dem man sich allzu gerne länger aufhält. Aber die Preise sind dafür eben halbwegs vertretbar und halten sich normalerweise im Rahmen dessen, was auch an normalen Tankstellen im Stadtgebiet so verlangt wird.

15 Anlagen mit "gut", drei fallen durch

Diese subjektiven Erfahrungen decken sich mit den Ergebnissen des aktuellen Rastanlagen-Tests des Autoclubs ADAC. Die Prüfer haben je 20 Raststätten und Autohöfe an zwei Tagen von unterschiedlichen Personen ohne Voranmeldung testen lassen und so ein relativ objektives Bild von den Leistungen der Haltepunkte entlang der Autobahnen bekommen. Außerdem haben die Mitarbeiter des Clubs mit einem repräsentativen Warenkorb jeweils eingekauft. Das Ergebnis zeigt, dass es sich heute entspannt und familienfreundlich an Raststätten Pause machen lässt. Die Einkäufe im Kiosk waren jedoch rund 20 Prozent teurer als an den Autohöfen und im Gastronomiebereich lag der Preisunterschied immerhin noch bei zehn Prozent.

Die Raststätten bieten mittlerweile ein reichhaltiges Angebot an. Die Preise sind allerdings teils happig.
Die Raststätten bieten mittlerweile ein reichhaltiges Angebot an. Die Preise sind allerdings teils happig.Foto: ADAC

15 der insgesamt 40 Anlagen im Test wurden mit „gut“ bewertet, 22 bekamen die Note „ausreichend“ und drei Betriebe fielen mit der Note „mangelhaft“ durch. Zu den Durchfallern gehört aus der Region Berlin-Brandenburg auch der Autohof Plötzin an der A10, der sogar auf den letzten Platz fiel. Ein „gut“ konnte aus dem Berliner Umland die Raststätte Michendorf Nord ergattern. Hier fielen im Grunde nur die hohen Preise negativ auf und so gelangte die Anlage am Berliner Ring auf Platz zwei der Rangliste.

Barrierefreiheit immer noch ein Problem

Erhebliche Schwächen stellten die Prüfer vor allem in Sachen Barrierefreiheit und bei den Spielplätzen fest. Nur drei Betriebe zeigten sich vollständig barrierefrei. Bei den Autohöfen öffnete der sogenannte Euro-Schlüssel nicht einmal die Hälfte der Türen zu den Behindertentoiletten, während das bei Raststätten so gut wie nie ein Problem war. Für Kinder fehlten oft Gelegenheiten zum Spielen und altersgerechte Mahlzeiten.
Bei den sanitären Einrichtungen hat sich im Vergleich zu früheren Tests durchaus was getan. In der Regel fanden die Prüfer hier meist optisch saubere und gepflegte Räumlichkeiten vor. Bei den Labortests gab es dann aber doch die eine oder andere böse Überraschung. So erwiesen sich zum Beispiel der Autohof Lohfeldener Rüssel (A7), die Raststätte Hüttener Berge West (A7) oder der Autohof Gau-Bickelheim (A61) als verdeckte Schmutzfinken mit schlechten Hygienewerten.
Die meisten der geprüften Anlagen liegen entlang der großen Hauptreiserouten, die von den Urlaubern zurzeit stark frequentiert werden. Dazu gehören die Nord-Süd-Tangenten A7 und A61 oder die für Berlin und Brandenburg wichtige A9 als Verbindung in die Urlaubsziele. Für Reisende, die auf dem Weg in oder auf dem Rückweg aus dem Urlaub einen guten Platz für einen Zwischenstopp suchen, lohnt der Blick in die Tabelle. Denn es gibt durchaus auch gute Autohöfe, bei denen sich etwas sparen lässt. Ansonsten bleiben möglicherweise zumindest die Anlagen im Gedächtnis, die besser zu meiden sind. Und vielleicht lässt sich sogar die eine oder andere Stunde statt im Stau etwas angenehmer verbringen.

Die Preisunterschiede am Beispiel einzelner Produkte.
Die Preisunterschiede am Beispiel einzelner Produkte.Grafik: ADAC
Die Ergebnisse in der Übersicht.
Die Ergebnisse in der Übersicht.Grafik: ADAC

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