Auto : Raus damit

Als der allererste SLK in den Neunzigern auf die Straße kam, war sein versenkbares Stahldach eine Sensation Heute reißt so etwas niemanden mehr vom Fahrersitz – also versucht es Mercedes mit optischen Anleihen beim Flügeltürer SLS

Rainer Friedrich

Die Formel-1-Nase ist passé. Nicht nur wegen der ausgebliebenen Erfolge des Mercedes-Teams in der höchsten Rennsportserie. Nein, auch das ist ein wichtiger Grund: Der aktuelle SLK hat mit 40 Prozent den höchsten Frauenanteil aller Mercedes-Baureihen. Die weichen Linien lassen den aktuellen Roadster zudem sehr feminin aussehen, vor allem im Vergleich zum sehr maskulin gezeichneten BMW Z4.

Doch das ist nun Schnee von gestern. Der dritten SLK-Generation haben die Stuttgarter eine gehörige Portion Testosteron verpasst – und diese Therapie ist unübersehbar. Nun steht er keck da. Mit seinen Kanten und seinem dem Topmodell, dem Flügeltürer SLS, nachempfundenen Gesicht offeriert er eine neue Stämmigkeit, die mehr Männer reizen könnte. Obwohl nur drei Zentimeter breiter als der Vorgänger, wirkt er extrem breitbeinig. Ja, die neue Front erinnert sogar etwas an den legendären 190 SL der 50er Jahre, für den heute astronomische Summen geboten werden.

Die sind für den Neuen zwar nicht fällig, aber der Einstiegspreis von nun 38 675 Euro ist ja auch kein Pappenstiel. Er liegt 565 Euro über dem Vorgänger; dafür gibt’s aber nun neben der auffälligeren Optik wenigstes eine Klimaanlage und ein CD-Radio serienmäßig. Dazu das ganz neue Gefühl, jetzt in einem Auto zu sitzen, das sein (teures) Geld wert ist. Lüftungsdüsen aus dem SLS, Lenkrad aus dem CLS, dazu galvanisierte Schalter, hochwertige Kunststoffe, die für ein edles Ambiente sorgen. Hinzu gesellen sich eine tiefe Sitzposition hinter dem unten abgeflachten Lenkrad (Audi lässt grüßen!) und ausreichend Platz.

Die erste Hochstimmung verfliegt allerdings etwas, als die Hand den Schalter für das Klappdach betätigen will, der unter einer Klappe auf der verlängerten Mittelkonsole versteckt ist. Es tut sich nichts! Das Dach öffnet sich – anders als bei anderen Roadstern – hier nur im Stand oder bei unsinnigem Kriechtempo. Die Miene hellt sich jedoch nach den ersten Kurven unter freiem Himmel im 44 256 Euro teuren SLK 250 auf. Unser Mercedes singt solo! Zur Erklärung: Mercedes hat dem Neuen einen Soundgenerator spendiert, der im Ansaugtrakt sitzt und der für einen kaum für möglich gehaltenen Klang des Vierzylinders sorgt. Beim Runterschalten lässt die serienmäßige Siebengangautomatik, welche den trägen Fünfstufenautomaten ersetzt, den Vierzylinder beim automatischen Zwischengas sogar kurz aufbrüllen. Das klingt nach Sechszylinder, klasse. Besser noch, dieser Sound wird nie aufdringlich, wie etwa im BMW Z4 oder im Porsche Boxter.

Und diese 204-PS-Maschine klingt nicht nur gut, sie geht auch so gut. Sämige Kraftentfaltung, weiche Automatik, saubere Zugkraftanschlüsse, sportliche Gangwechsel mit den Schaltpaddeln hinter dem Lenkrad – was will man mehr? Na, unbedingt das 1416 Euro teure Fahrdynamikpaket mit Tieferlegung, Direktlenkung, adaptiver Dämpferverstellung mit den zwei Programmen Komfort und Sport. Erst das macht den SLK so sportlich, wie er nun aussieht. Da tanzt der Roadster mit einem, dass es kribbelt im Bauch. Und dabei, was wichtig für einen Mercedes ist, federt der Hecktriebler nicht knüppelhart. Mit dieser gelungen Balance zwischen Sport und Komfort ist der SLK das Ganz-Jahres-Reise-Auto für den Gentleman mit dem Scheckkarten-Köfferchen.

Ist der gut bei Kasse, gönnt er sich den bulligen, aber kopflastigen SLK 350 mit 306-PS-V6 für stramme 52 300 Euro. Muss der rechnen, nimmt er den SLK 200 mit ausreichenden 184 PS und halbsportlicher Sechsgang-Handschaltung. Ist er clever, wartet er angesichts der Spritpreise bis Ende des Jahres. Dann wird es erneut eine kleine Revolution bei den Schwaben geben: den SLK 250 CDI mit 204 PS. Den ersten SKL mit einem Dieselmotor! Der 2,2-Liter-Vierzylinder dürfte mit weniger als 4,5 Liter Diesel hinkommen – bei kaum eingeschränktem Fahrspaß an 365 Tagen im Jahr.

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