Renault Espace : SUV und Transporter zugleich

Die fünfte Generation des Großraumvans Renault Espace überzeugt mit eigenwillig-charmantem Design und guter Ausstattung – hat aber seinen Preis.

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Mächtiger Frontgrill – und viel dahinter. Renault, mit dem Urahn des Espace einst die Erfinder des Van-Konzepts, beeindruckt mit der Neuauflage der Großraumlimousine.
Mächtiger Frontgrill – und viel dahinter. Renault, mit dem Urahn des Espace einst die Erfinder des Van-Konzepts, beeindruckt mit...Foto: Renault

Welche Weite. Dem Himmel so nah. Ein echter Hingucker, das riesige Dachfenster, das sich von vorne bis zur dritten Sitzreihe zieht. Die Kinder auf der Rückbank können sich nicht sattsehen am Blick nach oben, der die Stadt so ganz anders erleben lässt. Und vorne sitzt der Spaceship-Commander und ... Nein, die unendlichen Weiten liegen nicht vor der Frontscheibe, sondern im Innern der fünften Generation des Renault Espace. Ein wenig fühlen wie Käptn Kirk kann man sich trotzdem, was auch am überraschenden wie gewöhnungsbedürftigen Design liegt. So findet sich Technik von Feinsten ebenso wie eine Mittelkonsole, die mit der abgerundeten Form ein wenig den Charme der 50er Jahre Nierentisch-Ära ausstrahlt. Insgesamt haben die Franzosen sich eine Menge einfallen lassen, um das Flaggschiff ihrer Flotte aufzuwerten. Und das meiste davon ist sehr gelungen.

Auf den ersten Blick flößt der Renault Espace Energie dCi 160 EDC viel Respekt ein. Seine 4, 86 Meter wollen erst einmal durch den Stadtverkehr bewegt werden und vor allem in enge Parklücken. Im Verkehr erweist sich der Espace als überraschend wendig und verblüfft mit kleinem Wendekreis. Die erhöhte Sitzposition erleichtert zudem die Übersicht. Die abfallende Haube vor der weit nach vorn gezogenen Frontscheibe erschwert es, abzuschätzen, wo der Wagen endet. Der Überblick wird aber durch Seitenscheiben zwischen den geteilten Frontstreben eindeutig verbessert.

Das Raumangebot ist riesig

Gewöhnungsbedürftig ist der Espace schon. Aber wer sich darauf einlässt, hat viel Freude an der Limousine, die ein wenig ein SUV und ein Transporter zugleich ist. Der Wagen atmet sehr viel französische Lebensart, ist manchmal verspielt und auch ein wenig kapriziös. Dafür nicht besonders intuitiv; viele Funktionen muss man sich erst einprägen. Sofort überzeugt dagegen die Verarbeitungsqualität im Innenraum. Hochwertige Materialien, sorgfältige Doppelnähte an den Türen und dem Armaturenbrett; dazu sorgen sehr aufwendig gearbeitete Sitze mit hohem Komfort und Seitenstabilität fürs Wohlgefühl. Dafür könnte die Leistung der Heizung noch zulegen, um den großen Innenraum schneller zu erwärmen.

Das Raumangebot nämlich ist riesig. In der zweiten Reihe mit drei Einzelsitzen fühlt man sich hervorragend aufgehoben. Die zwei optional wählbaren Sitze in der dritten Reihe sind durch die komplett umlegbaren Vordersitze und die breiten Seitentüren ebenfalls noch gut zu erreichen. Vom Sitzkomfort her sind sie aber eigentlich nur für kleinere Kinder geeignet; Erwachsene halten es mit angezogenen Knie nur kürzere Strecken aus. Aber ein Siebensitzer ist eben vor allem was für die Großfamilie. Alle hinteren Sitze fügen sich weggeklappt in eine ebene Ladefläche ein, die den Espace zum Großtransporter machen. Die Kofferraumkante hat nun eine beladungsfreundliche Höhe. Die elektrische Heckklappe öffnet sich so hoch, dass auch sehr große Menschen sich nicht den Kopf beim Beladen stoßen.

Das Raumangebot ist riesig. In der zweiten Reihe mit drei Einzelsitzen fühlt man sich hervorragend aufgehoben.
Das Raumangebot ist riesig. In der zweiten Reihe mit drei Einzelsitzen fühlt man sich hervorragend aufgehoben.Foto: Renault

Sehr angenehm ist das schlüssellose System, bei dem der Wagen zum Leben erwacht und die Spiegel ausklappen, sobald der Fahrer in der Nähe der Tür auftaucht. Es erleichtert das Einsteigen, dass auch der Fahrersitz automatisch nach hinten gleitet – bevor er in die individuell einstellbare Sitzposition fährt. Irritierend ist die massige Mittelkonsole, in deren Mitte der eigenwillig geformte Schalthebel für die Automatik prangt. Die Schaltmatrix hat keine Rasten und keine Parkposition, der Hebel springt vielmehr immer wieder zurück in die Ausgangsposition. Da muss man sich dran gewöhnen. Glücklicherweise wird automatisch die Feststellbremse aktiviert, sobald der Motor ausgeschaltet wird. Sehr angenehm, dass die Geschwindigkeit und die Abstandswarnung ins Sichtfeld des Fahrers eingespiegelt wird – oder auch eventuelle Tempolimits beim optional erhältlichen Verkehrszeichenerkennungs-Assistent.

Renault macht es den Nutzer nicht ganz leicht

Wie die Designer auf den Gedanken gekommen sind, unter der breiten Mittelkonsole eine Etage tiefer die Getränkeablage zu positionieren, bleibt deren Geheimnis. Der Becher schwappt jedenfalls schon über beim Versuch, ihn im geparkten Wagen dort unten abzustellen. Um es während der Fahrt zu schaffen, dort den Becher zu greifen oder abzustellen, muss man schon ziemlich gelenkig sein.

Überhaupt macht es Renault den Nutzer nicht ganz leicht. Der riesige Touchscreen bündelt alle Funktionen von Navigation, Radio, Telefon, Assistenzsysteme, die unterschiedlichen Fahrkonfigurationen bis zur Massagefunktion der Sitze. Der Screen ist aber durch die vorgelagerte Mittelkonsole so weit vom Fahrersitz entfernt, dass kleine Menschen etwas Mühe haben, an die Symbole heranzureichen. Die Bedienung ist auf französische Weise sowohl charmant wie ein wenig eigensinnig. Um Funktionen zu bedienen, sind zuweilen mehrere Menüschritte nötig. Einmal eingeprägt, aber schwindet schnell das unsichere Gefühl. Je länger man mit dem Espace unterwegs ist, umso heimischer fühlt man sich in der Kommandozentrale dieses Raumkreuzers.

Im Innenraum sieht der Renault gut aus, funktional ist die Gestaltung aber nicht immer.
Im Innenraum sieht der Renault gut aus, funktional ist die Gestaltung aber nicht immer.Foto: Renault

Das kleine Lenkrad liegt gut in der Hand und lässt den schon leer fast 1,8 Tonnen schweren Wagen nicht spüren. Als besonders angenehm erwies sich das adaptive Fahrwerk im Neutral-Modus. Der Sport-Modus zwingt dem Fahrgestell dagegen eine fast ruppige Härte auf, über den sich die Mitfahrer in der zweiten Reihe beklagten. Der sehr weich eingestellte Comfort-Modus hingegen macht die Lenkung schwammiger und Unebenheiten lassen den Wagen leicht aufschwingen. Wenig ist davon zu spüren, dass hier ein Diesel mit 118 KW unter der Motorhaube arbeitet. Die Lärmdämmung ist hervorragend. Motorengeräusche werden zudem vom Soundsystem noch per aktivem Gegenschall gedämpft.

Einparken dank Sensoren und Kamera kein Problem

Der Diesel mit 1,6 Liter Hubraum bringt es mit Turbolader auf 118 KW (160 PS) und ist völlig ausreichend. Nur auf der Autobahn müht sich die Maschine beim beschleunigen in sehr hohe Geschwingkeitsbereiche. Im Stadtverkehr agiert der Motor mit angemessener Präsenz; im Sportmodus wirkt er freilich gegenüber dem Eco-Modus deutlich spritziger und agiler. Beim kräftigen Gasgeben sind allerdings kleine Hänger spürbar, bevor das Getriebe die volle Power auf die Reifen bringt. Im Stadtverkehr wird ein Verbrauch von 7,1 Liter pro 100 Kilometer erreicht; vom Hersteller angegeben sind 5,5 Liter.

Wer anfangs viel Respekt vor dem Einparken hatte, wird angenehm überrascht. Das klappt überraschend gut, dank Abstandssensoren und der unbedingt empfohlenen Kamera. Die Kamera sitzt sehr tief und erleichtert dadurch eine präzise Annäherung an Hindernisse.

Die Franzosen haben dem Espace Energy im Paket Initiale Paris vorbildhaft viele Assistenzsysteme wie Abstands- Warner, Spurhalte-Warner oder Fernlichtassistent mitgegeben, auch Voll-LED- Scheinwerfer oder Allradlenkung. Geteilter Meinung kann man über den Nutzen der Massagefunktion der Vordersitze sein. In der Stufe „kräftigend“ spürt es sich an, als ob die Kinder von hinten gegen die Rückenlehne treten. Die sind aber begeistert von der Möglichkeit, über die Multimediafunktion die Lichtleisten an der Mittelkonsole und Armaturenbrett je nach Gefühl farblich zu variieren – von grün oder rot bis lila. So wird das Leben bunt.

Den Renault Espace Energy dCi 130 gibt es ab 33 550 Euro. Der Energy dCi 160 EDC mit dem Ausstattungspaket Initiale Paris kostet 46 200 Euro und hat ein Bose Sound System, Notbremsassistent, Sicherheitsabstandswarner, Fernlicht -Assistent, Spurhalte-Warner, Verkehrszeichenerkennung, Geschwindigkeitswarner und Rückfahrkamera. Dazu kommen adaptives Fahrwerk und Allradlenkung. Die von uns gefahrene Version mit elektrischer Heckklappe und Panorama-Glasscheibe kostet 50 890 Euro. Der Vierzylinder Diesel mit zwei Turboladern bringt 118 KW und beschleunigt den Espace bis auf 202 km/h.

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