Renault Espace und Kadjar : Die französischen Mode-Trendsetter

Jedes Jahr zeigen hüftschwingende Models auf Laufstegen in Paris: Französische Designer setzen die Impulse für die kommende Saison. Das gilt nicht nur für Mode, sondern auch für Autos - wie Renault mit dem Scenic, Espace und dem Kadjar bewiesen hat.

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Modetrends aus Frankreich: Seit dem Scenic setzt Renault immer wieder neue Impulse in Sachen Raumdesign.
Modetrends aus Frankreich: Seit dem Scenic setzt Renault immer wieder neue Impulse in Sachen Raumdesign.Foto: Renault

Mode und Paris - diese zwei Begriffe gehören einfach zusammen. Das ist so sicher, wie der Papst in Rom residiert. Mit Automobilen brachte man diese nahezu eherne Gemeingültigkeit aus der Modebranche bislang eigentlich kaum in Verbindung. Und dennoch setzen auch hier französische Designer automobile Trends, die wegweisend sind und ihre Nachahmer finden. Doch ein neuer Trend wird schnell zum Mainstream. Dann wird es Zeit für einen neuen Impuls.

Trends durch Raum und Zeit

Blenden wir 24 Jahre zurück: Auf der Frankfurter Automobilausstellung zeigte Renault die Studie eines bislang so noch nicht gekannten Autos: Etwas höher als ein normaler Kombi, dennoch kompakt und nicht klobig. Erst fünf Jahre später kam das Auto auch in Deutschland zu den Händlern. Es hieß Renault Scenic – und wurde ein Riesenerfolg. Mehr Platz auf der Grundfläche eines VW Golf, übersichtlicher als ein normaler Kombi, und wegen der höheren Sitzposition gewannen Fahrer und Passagiere ein Gefühl der Sicherheit. Renault hatte den europäischen Kompakt-Van erfunden – und damit einen neuen Mode-Trend gesetzt. Erst sieben Jahre später folgte VW mit dem konzeptgleichen Touran.

Mit dem Scenic (hier Generation 1) hat Renault ein neues Raumkonzept geschaffen und die Klasse der Kompakt-Van in Europa eingeführt.
Mit dem Scenic (hier Generation 1) hat Renault ein neues Raumkonzept geschaffen und die Klasse der Kompakt-Van in Europa...Foto: Renault

Blenden wir in die Gegenwart zurück. Wir schreiben das Jahr 2015. Renault startet mit dem ganz neuen Espace. Der Begriff Espace, französisch, steht für Raum. Doch der Espace des Jahres 2015 ist plötzlich kein Van mehr, also keine Großraumlimousine im eigentlichen Sinne, so wie der vor 31 Jahren (!) gestartete Ur-Vater aller Vans gleichen Namens. Mit dem Espace in der nunmehr vierten Generation setzen die mutigen Franzosen wieder einen neuen Mode-Trend, den man im Moment noch gar nicht so recht in seiner Bedeutung einzuschätzen vermag, der jedoch wieder ein neue Gattung erschaffen kann. So wie es damals vor 24 Jahren der Scenic vermocht hat.

Das neue Raumwunder

Der aktuelle Espace ist halb Van, halb SUV, aber auch ein bisschen Kombi – und auf alle Fälle eben anders als die bislang bekannten Auto-Strickmuster. Er fällt auf, und das ist ja schon mal was. Und man sitzt im Espace vorn sogar zehn Millimeter höher als im „echten“ SUV Audi Q5. Der Fond des Franzosen bietet überdurchschnittliche Beinfreiheit, so wie in der Businessklasse der Lufthansa. Bei der  dritten Sitzreihe ist allerdings so wenig Platz wie im spanischen Billigflieger Vueling. Zum Glück klappen die Sitze fernbedient - entweder per Knopfdruck vom Kofferraum oder ganz bequem vom Touchscreen aus – einzeln nach vorn. Das funktioniert bestens. Elektromotoren ziehen erst die Kopfstützen ein und klappen dann die Sitze um. Sind alle umgelegt, entsteht eine so ebene Ladefläche, wie sie nur wenige Kombis bieten. Dann stehen beim Espace maximal 2101 Liter Volumen zu Buche. Ein ähnlich großer BMW Fünfer Kombi hat nur 1670 Liter zu bieten.

Platz und Komfort für die ganze Familie: Der Renault Espace war schon in der ersten Generation ein Riesenerfolg.
Platz und Komfort für die ganze Familie: Der Renault Espace war schon in der ersten Generation ein Riesenerfolg.Foto: Renault

Apropos Bedienung. Auch hier wagen sich die Franzosen auf Neuland vor. Zuerst hat Elektropionier Tesla beim Model S quasi ein Tablet im Hochformat ins Auto gebracht, dann folgte Volvo beim neuen XC 90. Alles jedoch Hochpreisautos. Und nun bringt Renault das Hochformat-Tablet ins normale Auto. Wetten, dass sich auch das als Modetrend über kurz oder lang durchsetzen wird.

Die Generation Crossover

Nur einen Mode-Trend hat Renault richtig verschlafen. Nämlich den, dass schon seit einigen Jahren die Leute lieber SUV als Kombis kaufen. Nein, keine echten Geländewagen, sondern solche, die nur so aussehen; Crossover sagen die Fachleute dazu. Konzern-Schwester Nissan – seit 2002 gibt es den Renault-Nissan-Konzern als eine GmbH nach niederländischem Recht – hat quasi diesen Mode-Trend ins Leben gerufen. Nissan bot in der Kompaktklasse keine Limousine mehr an, sondern etwas damals ganz Neues. 2006 präsentierten die Japaner auf dem Pariser Autosalon den Qashqai, ein Jahr später startete der Crossover auch in Deutschland – und wurde ein Kassenschlager. Hoch sitzen, viel sehen, ein Gefühl der Sicherheit haben, aber eigentlich einen hochgebockten Kombi fahren: Diese neuartige Mischung kam an.

Halb Van, halb SUV, aber auch ein bisschen Kombi: Der neue Espace 2015 fällt nicht nur durch die gängigen Klassenbezeichnungen, sondern auch optisch durch sein eigenwilliges Design auf.
Halb Van, halb SUV, aber auch ein bisschen Kombi: Der neue Espace 2015 fällt nicht nur durch die gängigen Klassenbezeichnungen,...Foto: Renault

Vor zwei Jahren brachte Nissan die zweite Generation des Qashqai in modisch-elegantem Gewand. Klammheimlich wurde damals mit diesem Nissan auch ein Renault „mitentwickelt“. Denn die Franzosen wollten nun, acht Jahre nach dem Start des Qashqai auch so einen schicken kompakten SUV haben, der sich richtig gut verkauft. Jetzt gibt es ihn, den Kadjar. Das ist auch so ein verrückter Kunstname wie Quasqai, der von einem iranischen Nomadenvolk abgeleitet ist. Der Kunstname Kadjar soll, so heißt es bei Renault, "den eigenständigen SUV-Charakter" dieses Autos signalisieren. Der erste Teil der zweisilbigen Modellbezeichnung sei von Allterrain-Quads inspiriert worden, und die Endung soll an die französischen Begriffe "agile" und "jaillir" erinnern, also an Agilität und Wendigkeit. "Insgesamt vereint der Modellname Exotik, Abenteuerlust und den Aufbruch zu neuen Horizonten", schlussfolgert Renault. Na, ja. Hoffentlich werden diese Namensschwurbeleien kein neuer Trend!

Qashqai versus Kadjar

Die Unterschiede zum Nissan Qashqai sind schnell aufgezählt: Der Renault Kadjar ist sieben Zentimeter länger, hat 42 Liter mehr Kofferraum und als Extra eine von hinten per Hebelzug umlegbare Rückbank, welche Renault Easybreak nennt und schließlich in der Basis einen 15 PS stärkeren Benziner. Mit 130 PS gehört der französische Hochsitz zu den flotteren unter den Kompakt-SUV. Sparsam fährt man mit die beiden Dieselmotoren mit 110 oder 130 PS. Doch nur den stärkeren Selbstzünder bietet Renault auch mit Allradantrieb an (ab 29890 Euro). Was fehlt dem Renault gegenüber dem Nissan? Der 163 PS starke Benziner und ein eine Automatik für den 130 PS starken Diesel. Kommt noch, ist zu hören.

Gelungener Crossover: Der Renault Kadjar bietet zum gleichen Grundpreis von 19900 Euro etwas mehr Platz und 15 PS mehr Leistung als sein Halbbruder Nissan Qashqai.
Gelungener Crossover: Der Renault Kadjar bietet zum gleichen Grundpreis von 19900 Euro etwas mehr Platz und 15 PS mehr Leistung...Foto: Renault

Der Renault Kadjar bietet zum gleichen Grundpreis von 19900 Euro etwas mehr Platz und 15 PS mehr Leistung. Beim großen Diesel unterbietet der Franzose den Japaner um 510 Euro. Und der Kadjar hat etwas zu bieten, was der Qashqai nicht besitzt: Wer den Offroad-Look beim frontgetriebenen Kadjar möchte, wählt die rustikale X-mod-Version für 900 Euro. Die bietet neben rauer Optik außen und sandfarbenen Dekorteilen innen eine so genannte Extended Grip-Option. Dabei handelt es sich um eine erweiterte Traktionskontrolle, die auf schwierigem Untergrund ein Durchdrehen der Räder des Fronttrieblers verhindern soll. Mit einem Drehschalter auf der Mittelkonsole kann der Fahrer die Traktion an die speziellen Bedingungen des Fahrens auf Sand oder Schnee anpassen. Beim Fahrwerk setzen die Franzosen voll auf Komfort. Ein großer Vorzug gegenüber dem Qashqai, der vor allem in der Topversion mit den 19-Zoll-Rädern hölzern federt. Der Kadjar verwöhnt hingegen seine Passagiere, wozu auch die sehr guten Sitze beitragen.

So verschieden und doch so gleich

Renault ist nicht der Versuchung unterlegen, wie andere Hersteller in der Vergangenheit, einfach ein anderes Logo an das Auto zu pappen, um aus dem Nissan einen Renault zu machen. Erinnert sei nur an die erste Generation der Drillinge Citroen C1, Peugeot 107 und Toyota Aygo oder an die längst nicht mehr produzierten „alten“ VW Sharan und Ford Galaxy. Nein, unter dem holländischen Renault-Designchef Laurens van den Acker ist es gelungen, den Kadjar völlig anders aussehen zu lassen als den Qashqai. Und das, obwohl über 60 Prozent der Teile unterm Blech gleich sind. Wer nicht wüsste, dass es sich um zweieiige Zwillinge handelt, würde das nicht vermuten. Ein geschickter Design-Schachzug, der womöglich auch bei anderen Herstellern zu einem Trend werden könnte. Damit ließen sich Entwicklungskosten sparen – und die Autos könnten günstiger angeboten werden.

Gute Materialien, gute Verarbeitung: Das Kadjar-Cockpit ist hochwertig und modern gestaltet. Die digitalen Anzeigen bestechen durch glasklare Darstellung.
Gute Materialien, gute Verarbeitung: Das Kadjar-Cockpit ist hochwertig und modern gestaltet. Die digitalen Anzeigen bestechen...Foto: Renault

Auch innen tritt der Renault ganz anders als der Japaner in Erscheinung – und überzeugt mit einem sehr hochwertigen eigenständigen Cockpit. Seit dem neuen Espace ist bei Renault in die Innenräume eine neue Design- und Produktqualität eingezogen. Während der Nissan auf klassische Instrumente setzt, besitzt der Renault digitale Anzeigen mit glasklarer Darstellung, die aus dem neuen Espace stammen. Und nun stimmt auch die Verarbeitung. Die Franzosen können auch deutsch! Ein neuer Trend?

Um sich so konsequent wie möglich vom Gen-Spender Qashqai abzugrenzen, sind die findigen Franzosen sogar auf eine ganz verrückte Idee gekommen: Piep-Piep-Piep-Warntöne nerven auf Dauer. Und so hat Renault für den Kadjar völlig neuartige Warntöne kreiert, die so ungewöhnlich wie teilweise irre sind. Denn die Töne der Einparkhilfe klingen wie erkältete Spatzen und die beim Spurwechselwarner sogar wie das Geräusch,  wenn jemand zu viel Bohnensuppe gegessen hat. Ungewöhnlich, aber vielleicht setzt Renault auch damit einen neuen Trend? Nichts ist unmöglich, heißt es ja bei einem japanischen Konkurrenten.

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