Renault Kangoo : Raumschiff mit Musik

Renaults neuer Kangoo zeigt Größe - und lässt den Wind ein Lied erzählen

Ingo von Dahlern

Kein Zweifel: Das ist immer noch ein Kangoo. An diesem Wochenende kommt die zweite Generation des ungewöhnlichen Bestsellers in den Handel, und sie bleibt ihrer Linie treu: Zwar ist sie alles andere als eine Schönheit. Aber dafür glänzt sie mit einem gewaltigen Raumangebot und ist praktisch, robust und preiswert. Denn nur wenige Modelle auf dem Markt bieten so viel Auto für so wenig Geld.

Das gilt vor allem für die Personenwagenvariante, die jetzt als Erste auf den Markt kommt. Aber wer in den neuen Kangoo einsteigt, der erlebt trotz vertrauter Optik eine heftige Überraschung. Die gewohnten Raumverhältnisse haben sich total geändert: Kangoo Nummer zwei ist in der Länge um 17,8 Zentimeter und in der Breite um 15,9 Zentimeter gewachsen. Das rückt ihn in eine neue Fahrzeugklasse, macht aus dem für viele bislang so erfreulich kompakten Kangoo plötzlich einen richtig geräumigen, aber eben auch recht großen Minivan. Für manchen könnte der schon ein wenig zu mächtig sein. Solche Kangoo-Fahrer kann aber trösten, dass der Vorgänger erst einmal weitergebaut wird.

Trotzdem wird ihnen etwas entgehen. Denn beim Neuen haben die Ingenieure die Kritik an der ersten Generation ernst genommen. Die galt der nicht immer überzeugenden Verarbeitung, einem nicht ausreichenden Komfort und einem oft lauten Auftritt. Zwar kann auch der neue Kangoo nicht verleugnen, dass er aus der Nutzfahrzeugecke stammt. Aber die meist sehr praktischen und robusten Werkstoffe sind ebenso wie die Karosserie nun ordentlich verarbeitet. Und noch variabler als beim Vorgänger zeigt sich das Innere, das sich wieder durch Schiebetüren und große Heckklappe oder auf Wunsch Doppelflügelhecktüren erreichen lässt. Mit einem Handgriff lässt sich die geteilte Rückbank umklappen und schließt bündig mit dem Boden ab. Wer den umlegbaren Beifahrersitz ordert, hat die Möglichkeit, im 2866 Liter fassenden Stauraum bis zu 2,50 Meter lange Ladung unterzubringen. Bei Nutzung als Fünfsitzer stehen immerhin noch 660 Liter bis zum Fenster zur Verfügung. Und Fondpassagiere werden sich angesichts der Dachablagen fast wie im Flugzeug fühlen.

Und einen gewaltigen Sprung nach vorn gemacht hat der neue Kangoo beim Fahrkomfort. Denn die Plattform teilt er sich statt bisher mit dem Clio nun mit dem Scénic und Mégane. Auf kurvigen Landstraßen bringt das spürbar mehr Fahrsicherheit, und auch flotte Autobahnfahrten werden komfortabler. Das gilt übrigens auch für den Geräuschkomfort, der besonders bei den drei Dieselmotoren überzeugt. Eine Ausnahme machen die unüberhörbaren Windgeräusche der Dachreling. Das hatte angesichts eines heftigen Mistrals bei ersten Probefahrten einen verblüffenden Nebeneffekt: Bei stehendem Fahrzeug ließ der Wind Melodien wie von einer Panflöte erklingen.

Obwohl aus einem Nutzfahrzeug entwickelt, bietet der neue Kangoo- Pkw-Komfort: Elektrische Servolenkung, Klimaanlage, Tempobegrenzer, Licht- und Regensensor, Ultraschall-Einparkhilfe und Pop-up-Glasdach vorn sind verfügbar. Für die Sicherheit sorgen bis zu sechs Airbags, ABS, elektronische Bremskraftverteilung, Bremsassistent und ESP für die Spitzenmodelle des in drei Ausstattungen angebotenen Kangoo. Allerdings haben die größeren Dimensionen auch auf die Preisliste abgefärbt: Die beginnt jetzt erst bei 13 950 Euro, so dass der Kangoo im Schnitt rund 2000 Euro mehr kostet als der Vorgänger. Und viele Ausstattungen fordern Aufpreise, die sich schnell summieren. Zum Trost: Für den alten Kangoo sinken die Preise um rund 1500 Euro.

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