Renault Laguna GT : Gelenkte Demokratie

Der Laguna GT ist die richtige Wahl für alle, für die ein Laguna bislang nie in Betracht kam

Eric Metzler

Natürlich sind politisch korrekte Autofahrer immer dabei, wenn es um Integration geht. Und doch gibt es eine Gruppe, die sich beharrlich verweigert. Ein Franzose? Ein Laguna? Nein, bloß nicht, das ist was für Softies. Wer so denkt, wird bei Renault nun eines Besseren belehrt: Der Laguna GT ist zwar kein richtiges Sportmodell, aber er benimmt sich komplett anders als ein gewöhnlicher Laguna. Den erlebten Unterschied beschreiben am besten einfache Worte: Der GT fühlt sich härter an, er liegt besser auf der Straße – und vor allem lässt er sich viel schneller und präziser durch Kurven treiben.

Das liegt an einer Technik, die Renault jetzt zum ersten Mal in Serie verbaut: Die Allradlenkung. Die kennen wir zwar aus dem Honda Prelude, der 1987 damit für Aufsehen sorgte. Dennoch ist überhebliches Alles-schon-mal-da-gewesen-Lächeln fehl am Platz: Allradlenkung ist nicht gleich Allradlenkung. Damals war sie eine rein statische Angelegenheit, bei Renault arbeitet sie dynamisch. Die Hinterachse lenkt je nach Geschwindigkeit so oder so mit: Unter Tempo 60 schlagen die Hinterräder mit maxmal 3,5 Grad in entgegengesetzter Richtung zu den Rädern an der Vorderachse ein. Das reduziert den Wendekreis (hier von 11,05 Meter auf kleinwagentaugliche 10,30 Meter!), das Lenken wird generell leichter. Im direkten Vergleich ist der Unterscheid beim Rangieren in Parklücken klar spürbar.

Beieindruckender noch fanden wir den Effekt der Allradlenkung in schnell gefahrenen Kurven. Ab 60 km/h nämlich lenken die Hinterräder (bis zwei Grad) in diesselbe Richtung wie die vorderen. Den Vorgang als solches bemerkt man als Fahrer natürlich nicht, die Folge umsomehr: Der Wagen hält unbeirrt seine Spur und wird viel weniger nach außen gedrückt, als man es von Alltagsautos gewohnt ist. Dass sich der Fahrstil des motivierten Lagunisten dadurch schnell in Richtung sportlich verschiebt, darf unterstellt werden – weswegen die Ingenieure vorsorglich das ESP so kalibriert haben, dass die Bremseingriffe später erfolgen und den Spaß nicht vorzeitig zunichte machen.

Für kritische Situationen verspricht Renault, der GT-Fahrer behalte länger die Kontrolle. Ist die Straße nassglatt und können die Bremsen nicht gleichmäßig greifen, reagiert die Allradlenkung und passt den Einschlagwinkel der Hinterräder automatisch an, um das Fahrzeug auch ohne Gegenlenken in der Spur zu halten.

Der GT ist die sportlichste Ausstattungsvariante des Laguna – oberhalb von „Expression“ und „Dynamique“, darüber platziert ist der „Initiale“. Zur Wahl stehen für den GT zwei Motoren, die beide mit einem 6-Gang-Schaltgetriebe kombiniert sind: Der Turbodiesel 2.0 dCi leistet 178 PS und darf mit seinen Fahrleistungen (0 auf 100 km/h in 8,5 Sekunden, Spitze 218 km/h) und seinem Verbrauch (6,7 l) als vernünftige Motorisierung bezeichnet werden. Mehr Spaß macht der Turbobenziner 2.0. Der hängt gut am Gas, macht aber akustisch keinen Krawall – das passt zu den dezenten Sportapplikationen an der Karosserie.

Ach so: Renault nennt sein neues, elektronisch gesteuertes Fahrwerk mit der lenkenden Hinterachse „Active Drive“. Ob für den Namen mit BMW-Wohlfühlfaktor Linzenzgebühren nach Bayern überwiesen werden, wissen wir nicht, was der Spaß kostet, schon: ab 30 500 Euro für den Benziner und ab 32000 für den Diesel; den Kombi Grandtour gibt es für je 1000 Euro mehr.

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