Renault Megane GT : GT mit vier Lenk-Rädern

Der neue Megane GT überzeugt mit einer seltenen Allradlenkung, ausreichender Leistung und viel Platz.

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Optisch macht der Megane GT klar auf Sportler.
Optisch macht der Megane GT klar auf Sportler.Foto: Rainer Ruthe

Allradlenkung? Damit werden eigentlich nur Spezialfahrzeuge ausgerüstet, die auf engstem Raum manövrieren müssen - so Vierwegestapler, welche sich sogar seitlich bewegen können, statt eine Kurve zu fahren. Oder Kehrmaschinen, die auf kleinster Fläche wenden müssen. Man kann sich das Prinzip so vorstellen: Fährt ein Sattelschlepper in die Kurve, knickt der Anhänger ab. Damit rücken Vorder- und Hinterachse sozusagen in der Luftlinie enger zusammen. Der Fachmann spricht von virtueller Verkürzung des Radstandes.

Bei Personenwagen ist diese Technik noch nicht weit verbreitet, obwohl bereits 1987 die Mittelklasselimousine Mazda 626 und das Coupé Honda Prelude mit einer Allradlenkung aufwarteten. Dieses System arbeitete jedoch mechanisch mit einem Planetentrieb. Es funktionierte zwar zuverlässig, war aber teuer und wurde deshalb kaum nachgefragt. Wohl auch, weil es sich bei diesen japanischen Modellen nicht unbedingt um sportliche Autos handelte. Porsche setzt bei seinen sehr sportlichen Modellen 911 Turbo und GT3 auf die Allradlenkung. Anstelle der Spurlenker an der Hinterradaufhängung kommt hier ein elektromechanischer Motor zum Einsatz,  der die Räder um bis zu 2,8 Grad gegenläufig zu den Vorderrädern schwenken kann. Bei höherem Tempo ab 80 km/h folgen die Hinterräder mit ihrem Lenkeinschlag der Vorderachse. Dadurch verlängert sich der Radstand beim Turbo virtuell um 50 Zentimeter. Folge: Die Fliehkräfte werden minimiert, was sich positiv auf die Spurstabilität in schnellen Kurvenfahrten auswirkt.

Nun also bringt Renault diese Technik unter der Bezeichnung dynamische Allradlenkung 4Control erstmals in die Kompaktklasse ¬ und gleich als Serienausstattung beim Megane GT. Diese mitlenkende Hinterachse, die auch für den Renault Talisman erhältlich ist, erhöht die Fahrsicherheit und verbessert gleichzeitig die Lenkpräzision. Bei niedrigen Geschwindigkeiten wie im Stadtverkehr schlagen die Hinterräder in entgegen gesetzter Richtung zur Vorderachse ein. Damit gehen Lenk-, Wende- und Parkmanöver deutlich leichter von der Lenk-Hand. Der GT hat einen Wendekreis von 10,4 Metern, der kleinere Clio braucht 10,6 Meter.

Genug Platz auch für große Menschen

Der Megane GT hat einen drehfreudigen und durchzugsstarken Vierzylinder-Turbo mit 1,6 Liter Hubraum und 205 PS unter der Haube. Viele Sportler in dieser Klasse bieten mehr Leistung. Doch die vermisst man nicht im flotten Franzosen. Maximaltempo 230 sollte wohl reichen. Der Megane GT benötigt 7,1 Sekunden von Null auf Landstraßentempo, also nur 0,6 Sekunden mehr als ein Golf GTI, der aber 15 PS mehr hat. Am schnellsten schießt der Franzosen-GTI mit der Launch Control nach vorn. Dazu müssen nur das Bremspedal heruntergedrückt und beide Schalt-Paddles gleichzeitig gezogen und gehalten werden. Dann sieht man eine kleine grüne Ampel im Display. Anschließend drückt man das Gas voll durch, löst die Bremse, und ab geht die Luzi. Ein Heidenspaß!

Platz ist genug im Sportraum. Zum einen ist der neue Megane 6,5 Zentimeter länger geworden, zum anderen stehen die Achsen nun um 2,8 Zentimeter weiter auseinander. Von diesem Wachstum profitieren natürlich die Passagiere. Auf den gut ausgeformten Sportsitzen fühlt man sich nicht eingeengt. Und selbst im Fond müssen großgewachsene Personen nicht den Kopf einziehen. Selbst bei einem 1,86-Meter-Hünen passt noch eine Handfläche zwischen Haarschopf und Dachhimmel. Zumindest auf den Außenplätzen. Der Kofferraum schluckt mit 384 bis 1247 Liter Volumen standesgemäß viel Gepäck. Zum Vergleich:  Ein zehn Zentimeter kürzerer Golf fasst 380 bis 1270 Liter. Weniger berauschend: Bei umgeklappter Bank stört im Mégane-Laderaum eine deutliche Stufe.

Stil und Komfort

Optisch macht der Megane GT zwar klar auf Sportler. Tatsächlich ist er jedoch kein reinrassiger Sportflitzer. Das ist jedoch gar nicht so tragisch. Denn er hat andere Stärken. Auch beim derzeitigen Topmodell der Franzosen geht Komfort vor Krawall. Das liegt nicht zuletzt an der eher komfortorientierten Auslegung des Autos mit dem serienmäßigen Doppelkupplungsgetriebe. Man findet schnell einen runden flotten Fahrstil, der frei ist von unnötiger Hektik. Und man freut sich dank der gut funktionierenden Allrad-Lenkung auf die nächste Kurve. Bei höheren Geschwindigkeiten (ab Tempo 60 beziehungsweise ab 80 Km/h im Sport-Modus) lenken die Hinterräder in die gleiche Richtung der Vorderräder, was die Stabilität erhöht. Das spürt man deutlich. Diese Technik gibt dem GT vor allem im Sport-Modus eine frisch-fröhliche Handlichkeit, und man hat das trügerische Gefühl, einen Hecktriebler zu fahren. Der Sport-Modus bewirkt außerdem, dass man nicht mehr so viel am Lenkrad kurbeln muss, das System verhält sich progressiver. Außerdem schaltet die Doppelkupplungsautomatik hier bei Bedarf gleich mehrere Gänge zugleich runter.

Und wer es richtig krachen lassen will? Der muss noch bis 2018 warten. Dann startet der R.S. - ein scharfer Hund mit knapp 300 PS. Klare Botschaft des derzeitigen GT für faire 29.090 Euro, inklusive Sportfahrwerk, 205 PS, Siebengang-Doppelkupplungsautomatik mit Schaltpaddel, Voll-LED-Scheinwerfer, Multimediasystem mit Siebenzoll-Touchsreen, Multisense-System zur Einstellung der Fahrzeugcharakteristik (Komfort, Sport, Neutral, Eco oder Individual): Es geht auch mit Stil und Komfort. Sowie mit Vertrauen, denn Renault gewährt fünf Jahre Garantie bis zu 100.000 Kilometer auf den GT. Hier muss der Golf GTI passen.

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