Renault und Fiat : Letzte Runde – zwei Kurze, bitte!

Kleinwagen sind Ihnen zu lahm? Dann gehen Sie mal mit dem Twingo RS Cup und dem 500 Abarth in die Spur

Eric Metzler

Hart, aber ungerecht? Als wir vor einem Jahr die beiden braven Alltagsversionen gegeneinander stellten, war das Fazit eindeutig: Der Fiat 500 ist das gelungenere Auto, dem Twingo II fehlt jeglicher Sex. Heute schauen wir uns die Kurzen aufs Neue an – diesmal mit Schmackes. Denn neuerdings gehen beide Autos auch im Trainingsanzug auf die Straße. Die Italiener nutzen den grandiosen Erfolg des 500, um der Rennmarke Abarth eigenständiges Leben einzuhauchen. Bei den Franzosen haben die Techniker der Division Renault Sport Hand angelegt.

Mit diesen Etiketten sind nun Wägelchen am Start, die es in sich und einiges gemein haben. Sie sind stark (gute 130 PS), wollen hochtourig gefahren werden. Sie sind schnell (ca. 200 km/h), haben erstklassige Bremsen. Und: Sie sind nicht übertrieben durstig (an die 7 Liter). Auf langen Geraden vermissen wir hier wir dort den sechsten Gang, in kurvenreicher Landschaft begeistern uns beide – jeder in eigener Weise. Der Abarth punktet auf die Schnelle. Er klingt rauer, tritt ungestümer an und ist härter gefedert; gut gut, doch auf Dauer können Heißsporne anstrengen. Der Twingo lässt es ruhiger angehen, ist in jeder Hinsicht gutmütiger. Der 1,6-Liter dreht wacker, aber Mann, der Turbo fehlt. Am Ende ist es Liebe auf den zweiten Kick: Je mehr Bögen wir mutig ausfahren, desto angetaner sind wir von Lenkung und Fahrwerk.

Der Sportdress steht beiden. Da der Fiat 500 schon in der Normalversion Charme bis zum Anschlag verströmt, gewinnt der von Haus aus gesichtslose Twingo mehr: Die heruntergezogene Frontschürze, die breiteren Radkästen und die mitlackierten Dekorteile verleihen dem Twingo endlich Charakter; vor allem, wenn man die anthrazitfarbenen 17-Zöller mit knallrotem Lack kombiniert. Gelungen sind die gut konturierten Sportsitze, beim Seitenhalt liegt der Twingo vorn. Der im Stile des Mini aufgesetzte Drehzahltacho ist geschmackskompatibel, der schlabbernde Dachspoiler nicht. Gurte und Zündschlüssel in Wagenfarbe sind lieb gemeint, bleiben aber verlorene Kleckse im weiten Grau. Dass es auch anders geht, zeigt eine farbige Blende im 500: Die ist nicht nur Instrumenten-, sondern auch Sympathieträger. Das unten abgeflachte Fiat-Lenkrad gefällt uns besser, weil kleiner und dicker.

Wen also nehmen? Im Twingo opfert man dem Sport weniger Komfort, zudem hat man mehr Platz. Der Banker dürfte für den Fiat votieren. 18 100 Euro bringen mehr Kredit-Zinsen als die 15 400 für den Twingo RS Cup. Die Differenz klingt gewaltig, relativiert sich aber für Freaks spätestens dann, wenn man sich zwei unscheinbare Knöpfe des Fiat zunutze macht. Mit dem einen („Sport-Modus“) lässt sich der Ladedruck des Turbo erhöhen, mit dem anderen („TTC“) bringt man die hohe Leistung in Kurven optimal auf die Straße: Eine Art elektronisches Sperrdifferential verteilt die Antriebskraft zwischen linkem und rechtem Vorderrad so, wie es Schnellfahrer mögen.

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