Auto : Rock am Ring

Opel hat seinem Kleinwagen ein großes Herz eingepflanzt: 210 PS machen der auf 500 Stück limitierten „Corsa OPC Nürburgring Edition“ Beine

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Verkehrte Welt bei Opel: Die Rüsselsheimer präsentieren den 210 PS starken Corsa OPC Nürburgring Edition nämlich nicht auf der legendären Nordschleife in der Eifel, sondern 625 Kilometer weiter ostwärts. Auf dem Lausitzring. Na, egal. Auch hier offenbart der verrückteste Opel-Mini aller Zeiten, dass eine abgesperrte Rennstrecke mit popoglatter Fahrbahn ohne Gegenverkehr das ideale Terrain darstellt, um sich schwindlig fahren zu können. Und das im Wortsinne. Es ist schier unglaublich, welch hohe Kurvengeschwindigkeiten mit diesem Fronttriebler möglich sind, ohne dass dieser – unwürdig mit den Gummis quietschend – über die Vorderräder nach außen schiebt.

Als noch beeindruckender erweist sich der Grip beim Herausbeschleunigen aus Kurven. Das Geheimnis? Das neue von hauseigenen Technikern entwickelte mechanische Lamellen-Sperrdifferential an der Vorderachse. Und die nochmals tiefer gelegte Karosserie sowie das straff abgestimmte Bilstein-Fahrwerk halten den Corsa stoisch auf der gewählten Linie. Die Lenkung gefällt mit ihrer exakten Rückmeldung. Apropos Linie. Dieses Sperrdifferential besitzt sogar eine erzieherische Komponente: Das Popometer eines sensiblen Fahrers registriert genau, wann er in einer schnellen Kurve auf der Ideallinie fährt. Dann nämlich entfaltet die Sperre ihre traktionsfördernde Wirkung nachdrücklich. Nach drei scharf gefahrenen Runden riecht es im Auto wie auf dem Hamburger Fischmarkt. Die Bremsen stinken. Doch die gnadenlos zupackenden Stopper vom Spezialisten Brembo beißen sich durch. Gemessene Bremswerte nach der Kurvenhatz: 36 Meter aus Tempo 100. Topp. Der um 18 PS in der Leistung gesteigerte 1.6-Liter-Turbo wirkt gegenüber seinem schwächeren Bruder wie verwandelt: kein Turboloch, gleichmäßiger Druck. Einfach perfekt abgestimmt. Allerdings ist der Turbo ein Gourmet; er verlangt nach der teuersten Spritsorte mit 100 Oktan. Okay, die Sechsgang-Schaltung könnte bei schnellen Gangwechseln besser geführt sein. Aber es handelt sich ja noch um Vorserienfahrzeuge.

Das Serienmodell steht seit Juni in zwei Giftfarben – Hennarot und Apfelgrün – beim Händler stehen. Nur 500 Autos sollen vorerst verkauft werden. Ein exklusives Auto also. Und zu einem exklusiven Preis. Der Aufschlag gegenüber dem normalen 192 PS starken OPC ist heftig: 4000 Euro mehr für nur fünf km/h mehr Höchstgeschwindigkeit (230 zu 225) und lediglich 0,4 Sekunden weniger für den Sprint von Null auf Tempo 100 (6,6 statt 7,2). Doch in nüchternen Zahlen lässt sich der Mehrwert nicht wirklich erfassen. Man muss diese Rennsemmel auf der Rennstrecke gefahren sein, dann verklärt sich der Blick, und dann schmilzt der Preis.

Das weiß offensichtlich auch Opel, und bietet vier Corsa OPC (noch die normale Version mit 192 PS) für „Touristenfahrten“ auf der Nordschleife an (www.rent4ring.de).

Übrigens hat Opel eine einmalige Chance verpasst und einen imaginären Titel für die Fans verschenkt. Denn der 27 650 Euro teure Über-Corsa hat „nur“ 210 PS. Und so bleibt der nochmals 1250 Euro teurere Mini John Cooper Works mit seinen 211 PS weiterhin der stärkste Serienkleinwagen der Welt.

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