Auto : Rund gelutscht – oder rund poliert?

Über den neuen RAV4 von Toyota lässt sich trefflich streiten: Der Begründer des Kompakt-SUV hat sein kantiges Design verloren.

Als 1994 die erste Generation des RAV4 das Licht der automobilen Welt erblickte, war das Fahrzeug eine kleine Sensation. Der Dreitürer maß 3,69 Meter in der Länge, verfügte über Allradantrieb und war nicht auf einem Leiterrahmen aufgebaut, sondern verfügte über eine selbsttragende Karosserie samt Einzelradaufhängung.

Was damals so kurz und knapp begann, war letztlich der Startschuss zu einer neuen, von allen kopierten und extrem erfolgreichen Fahrzeuggattung: der Kompakt-SUV. BIs heute hält der Erfolg dieser Spezies an. Während alle Segmente Absatzrückgänge verbuchen, hält hier das Wachstum an.

Die ab dem 13. April erhältliche vierte Generation des SUV-Urgesteins misst nun 4,57 Meter von Stoßstange zu Stoßstange, ein Plus von über 20 Zentimetern im Vergleich zum direkten Vorgängermodell. Ebenfalls zugelegt hat der Japaner in der Breite (plus drei Zentimeter) und beim Radstand (plus ein Zentimeter). Der Zugewinn dürfte vor allen Dingen die Passagiere auf den hinteren Sitzen freuen. Sie können sich nun entspannt auch hinter langbeinigen Vorderleuten räkeln.

Platz fürs Gepäck gibt es ebenfalls reichlich. Das Kofferraumvolumen fasst jetzt 547 Liter. Dazu kommt ein 100 Liter großes Unterbodenfach. Legt man die 60:40 geteilte Rückbank um, entsteht ein maximales Ladevolumen von 1746 Litern. Das Umlegen an sich geschieht ganz klassisch, indem man von innen die Rückbanksegmente entriegelt. Ein vom Gepäckraum aus zu bedienender Klappmechanismus ist allerdings nicht vorhanden.

Die Ladekante ist mit 64,5 Zentimeter recht niedrig. Ein wenig umgewöhnen müssen sich RAV4-Fans aber schon. Die Heckklappe schwingt nun ganz konventionell nach oben auf – auf Wunsch auch elektrisch. Die ehemals seitlich angeschlagene Hecktür gehört nun zur Modellgeschichte, ein außen angebrachtes Ersatzrad gibt es aus Aerodynamikgründen ebenfalls nicht mehr. Manche wird das sicher schmerzen.

Beim Außendesign sind weitere Veränderungen auszumachen. Die Formgeber setzen hier weniger auf die klassischen, kantigen SUV-Attribute. „Crossover“ heißt das Zauberwort. Stilelemente anderer Fahrzeuggattungen wie beispielsweise von Coupé oder Kombi flossen mit ins Design ein. Die Dachlinie wurde im Vergleich zur dritten Generation um 2,5 Zentimeter abgesenkt und sie fällt nach hinten ab. Der neue RAV4 kombiniert das typische Kühlergrill-Design der aktuellen Toyota-Modelle. Die Radkästen für 17 oder 18 Zoll große Reifen-Felgen-Kombinationen sind markant ausgestellt, ebenso wie die großen, um die Fahrzeugflanken herumgezogenen Heckleuchten.

Ganz schnörkellos geht es jetzt auch nicht mehr im Innenraum zu. Armaturenbrett und Mittelkonsole liefern sich einen, nicht immer gelungenen, Wettbewerb, um die meisten chrom- oder karbonfarbenen Applikationen. Dazu kommt noch Kunstlederbesatz an der weit vorgezogenen Armaturentafel. Schalter und Knöpfe sind nicht in jeder Situation auf den ersten Blick auszumachen.

Für den Vortrieb stehen drei Motoren zur Wahl, ein Benziner und zwei Diesel. Eine Hybrid-Variante ist zurzeit noch nicht verfügbar, aber in Planung. Wie bereits in der zweiten Generation, offeriert Toyota wieder die Möglichkeit, auf den Allradantrieb zu verzichten. Der 91 kW/124 PS starke 2,0-Liter-Diesel kommt zunächst nur als Fronttriebler. In Kombination mit einer Start-Stopp-Automatik begnügt er sich so mit durchschnittlich 4,2 Liter. Durchzugskraft und Spritzigkeit gehen in Ordnung, er ist für die „Stadtindianerfraktion“ keine schlechte Option. Zumal der Basisdiesel mit Preisen ab 26 650 Euro auch preislich recht günstig positioniert ist. Das Gros der Käufer dürfte sich jedoch für den überarbeiteten 2,2-Liter-Selbstzünder mit 110 kW/150 PS entscheiden, der wie der Benziner immer mit Allrad angeboten wird. Er verbraucht nun in der Version mit Sechsgang-Getriebe im Schnitt 5,6 Liter, sein Drehmoment von 340 Nm sorgt zwar nicht für Gänsehaut, reicht aber für alle Alltagsbedürfnisse aus. Wenigfahrer, die nicht auf Allrad verzichten möchten, sind mit dem 2,0-Liter-Benziner gut bedient. Das Aggregat mit 111 kW/151 PS überzeugt durch seine Laufruhe. Es hängt gut am Gas, sofern man gerne schaltet. Der Normverbrauch liegt bei 7,2 Litern.

Zwar ist der RAV4 kein Sportwagen, aber bei Bedarf lässt er sich auch sportlich bewegen. Wer übertreibt, den fängt die Elektronik dezent ein. Mehr Spaß macht der neue Toyota allerdings bei ruhiger Fahrt. Hier kann man dank der hohen Sitzposition die gute Aussicht genießen. Nach hinten allerdings wird der Blick durch die abfallende Dachlinie und die kleinen seitlichen Fenster eingeschränkt. Die Piepser fürs Rangieren (390 Euro) sind vermutlich eine gute Investition.

Die Basisversion, die für den kleinen Diesel sowie für den Benziner erhältlich ist, hat u.a. eine Klimaanlage, ein Audiosystem, ein Reifendruck-Warnsystem und elektrische Helfer für Fenster und Außenspiegel an Bord. Die meisten Kunden werden sich wohl für die zweite, „Life“ genannte Ausstattungsoption entscheiden. Hier zählen noch u.a. Leichtmetallfelgen, eine Klimaautomatik und das Multimedia-Audiosystem Touch zum Serienumfang. So ausgestattet, kostet der kleine Diesel mindestens 28.650 Euro, der stärkere Selbstzünder 31.850 Euro und der Benziner 29.750 Euro. Beim Thema Sicherheit erwartet Toyota fünf Sterne beim NCAP-Crashtest. Assistenzsysteme wie ein Fernlichtassistent oder ein Toter-Winkel- und Spurhaltewarner sind nun ebenfalls verfügbar. sppr

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar