Rundgang auf der Tokio Motorshow : Heute mal asiatisch

In Tokio ist es andersherum: Da sind die Deutschen, was bei uns die Japaner sind: Importeure. Ein Rundgang über eine Automesse, die wenige Stars und viele Merkwürdigkeiten bietet.

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Wer ist hier der Star? Das CrossCoupé von Volkswagen ist die interessanteste Beitrag der deutschen Autobauer in Tokio. Der stiehlt sogar VW-Chef Martin Winterkorn die Show.
Wer ist hier der Star? Das CrossCoupé von Volkswagen ist die interessanteste Beitrag der deutschen Autobauer in Tokio. Der stiehlt...

Noch vor zwei Jahren war die Tokio Motor Show eine gigantische Fehlanzeige. Lediglich BMW-Veredler Alpina hielt im Finanzkrisenjahr die deutsche Flagge hoch und zeigte die Langversion des B7 Biturbo. VW und Co. blieben dem Messeplatz 2009 fern. Zwei Monate zuvor hatten Daihatsu, Honda, Mitsubishi und Nissan den Auftritt auf der IAA in Frankfurt abgesagt. Jetzt melden sich die Deutschen auf der Asien-Messe zurück, sie lief bis Sonntag. Doch die Welt hat sich verändert. Erdbeben, Tsunami und Fukushima machen den Japanern und ihren Autofirmen noch immer zu schaffen. Im Land der beheizten Klobrillen ist der Strom nicht mehr im Überfluss da. Die Ginza – Tokios Prachtstraße – gleißt nicht mehr in früherem Glanz. Auch die Automesse ist geschrumpft. Sie zog von den riesigen Makuhari-Hallen weit vor der Stadt ins näher gelegene neue Big-Sight-Messegelände auf der künstlich angelegten Insel Odaiba. Eine Reaktion auf geringeren Aussteller- und Besucherzahlen von 2009.

In diesem Jahr, da die Japaner eher verhalten auftreten, machen die Deutschen einen auf dicke Hose. Sie konnten ihren Marktanteil im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel ausbauen. So kommen heute drei von vier importierten Autos aus Deutschland. Mit breiter Brust tritt vor allem der Volkswagen-Konzern auf, der neben Audi, VW und Porsche mit fast dem gesamten Vorstand angerückt ist. Knapp ein Drittel der Halle vier nehmen die Stände ein. Drei riesige, an der Decke schwebende Schilder verkünden: „VW. Das Auto.“

Verrückt in die Zukunft
Ansonsten dürfte das Auto vor allem ein Ausblick auf die kommende Generation des Tiguan sein. Angetrieben wird die Studie von einem Plugin-Hybrid. Der TSI-Benziner wird durch zwei Elektromotoren mit 54 PS (Vorderachse) und 115 PS (Hinterachse) unterstützt. Das Antriebsmoment wird variabel verteilt und die E-Motoren können auch als Generatoren benutzt werden.Weitere Bilder anzeigen
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02.12.2011 14:56Ansonsten dürfte das Auto vor allem ein Ausblick auf die kommende Generation des Tiguan sein. Angetrieben wird die Studie von...

Pikanterweise liegt die riesige Ausstellungsfläche der Wolfsburger in Sichtweite der viel bescheideneren von Suzuki. Das ist die Firma, die mal der Liebespartner von VW war. Doch nun gibt es nur noch Zoff und Rosenkrieg. Fast scheint es, als wolle VW Suzuki zeigen, wo der Hammer hängt. Erstens mit einer Beleuchtungsorgie aus Hunderten von Deckenscheinwerfern, die neben gleißendem Licht auch heftige Wärme verbreiten. Zweitens mit einer Lautstärke der von vielen Schaltpulten und noch mehr Monitoren gesteuerten Soundanlage, die eines Rockkonzerts würdig wäre. Und drittens mit Produkten, die auffallen – und vor allem Chinesen mit Maßbändern und Kameras anziehen. Überhaupt laufen in den Hallen unendlich viele „Fotografen“ umher, machen einen auf wichtig, rennen einen fast um. Wer kauft bloß die zahllosen Fotos?!

Ausblick auf neuen Tiguan

Neben dem von uns im Mobil-Teil bereits beschriebenen neuen VW Passat Alltrack als Bindeglied zwischen Cross Golf und Tiguan steht VWs Weltneuheit: Der Cross Coupé. Für uns ist er der unumstrittene Star der Messe. Zudem ist es sogar wahrscheinlich, dass die Studie – leicht verändert – in Serie geht. Als zweite Version des Tiguan. Darüber hinaus zeigt uns das Modell, wohin die Reise bei Volkswagen geht: Das Cross Coupé, 1,8 Tonnen schwer, mit 4,34 Metern etwas länger als der Golf, aber kürzer als der Tiguan, ist nämlich das erste Modell auf dem neuen modularen Querbaukasten

Was so technisch klingt, ist ganz einfach: Diese neue Plattform ist variabel bei Radstand, Spurbreite, Radaufhängungen, Antriebssysstemen und Aufbauvarianten. Und das neue Gesicht zeigt einen Ausblick auf die VWs der Zukunft. Beispielsweise auf den neuen Tiguan, der 2014 startet. Aber auch auf den neuen Golf, der nächstes Jahr zu uns rollt. Denn unter dem gar nicht mehr so langweilig geformten Blech steckt die VW-Technik von morgen – für fast alle Marken von VW. Drei Motoren mit einer Gesamtleistung von 265 PS arbeiten zusammen. Ein 150-PS-TSI-Benziner und ein 54-PS-E-Motor vorn für den Hybridantrieb, dazu ein 115-PS-E-Motor hinten; gekoppelt über eine "elektrische Kardanwelle". Kein neues Prinzip.

Doppelter Hybrid von Volkswagen

Den Peugeot 3008 Hybrid mit konventionellem Dieselmotor vorn und mit elektronisch gekoppelten E-Motor hinten, kann man seit März 2011 bereits kaufen. Doch die Wolfsburger gehen einen Schritt weiter. Die vordere Antriebseinheit ist kein reiner Verbrenner wie bei Peugeot, sondern ein sparsamer Hybrid. Quasi also ein doppelter Hybrid, der im Eco-Modus bei Überlandfahrt nur 2,7 Liter Super auf 100 Kilometer verbrauchen soll. Schenken wir uns hier weitere technische Erklärungen: Das Prinzip ist stimmig und praxistauglich: wir werden es bald in einem VW sehen. So könnte der neue Golf zum neuartigen Allradler mutieren. Oder in einem Audi? Das große frei programmierbare LCD-Tablet des Cross Coupé werden wir im nächsten Audi A4 erleben. Quasi das iPad im Auto!

Zur Weißwurst aus Tokio gibt es den viertürigen A1 von Audi, auch Sportback genannt.
Zur Weißwurst aus Tokio gibt es den viertürigen A1 von Audi, auch Sportback genannt.

Die Ingolstädter präsentieren sich in Tokio auf einem schneeweißen Stand, der aussieht wie ein gerade gelandetes UFO. Premium eben wie der als Weltpremiere erstmals auf einer Messe gezeigte A1 Sportback. Und wie das Catering. Weißwurst muss sein bei den Ingolstädtern. Überall auf der Welt. Da werden keine Mühen und Kosten gescheut. Auf dem Tokioter Messestand stammt die bayerische Weißwurst aus japanischer Produktion, denn Lebensmittel dürfen nicht eingeführt werden. Produziert von einem Japaner, der in Bayern gelernt hat; nach original bayerischem Rezept. Frisch. Denn nur so schmeckt sie. Auch das traditionelle Hefeweizenbier stammt aus Japan. Von einem bayerischen Braumeister vom Tegernsee. Der ist vor 15 Jahren beruflich nach Japan gekommen, hat eine Japanerin kennen gelernt, geheiratet – und ist geblieben. Wenn es an derlei Beziehungen mangelt, dann fliegt Audi (zum Beispiel bei den Automessen in Los Angeles und Peking) einen Fleischer nebst Maschinen ein, der die gute Wurst vor Ort produziert.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

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