S 400 Hybrid : Weißer Riese

Der S 400 Hybrid soll nicht mehr verbrauchen als eine kleine Mittelklasse Aber wie fühlt sich der neue Mercedes an? Ein erster Fahreindruck aus dem Schwarzwald

S 400 Hybrid
S 400 Hybrid -Foto: promo

DAS ÄUSSERE

Der äußere Feinschliff ist dezent ausgefallen: An der Frontpartie sieht man die Änderungen am stärker gepfeilten Kühlergrill. Die Stoßfänger wurden dezent überarbeitet und haben nun eine Lichtkante und eine Chromleiste unterhalb der Kühlluftöffnungen. Der S 400 Hybrid kommt serienmäßig mit LED-Lichtpaket: LED-Leisten für Tagfahrlicht und Blinker geben dem edlen Mercedes ein unverwechselbares Gesicht. Auch an der Heckpartie haben die Designer nur behutsam Hand angelegt. Neue Rückleuchten mit waagerechten weißen Lichtstreifen ersetzen die bisherige Variante mit in Wagenfarbe lackierten Spangen.

DAS INNERE: SPLITVIEW

Wir nehmen Platz hinter dem Steuer unseres Testwagens und müssen uns kurz orientieren. Die serienmäßigen und optionalen Ausstattungsmöglichkeiten für den großen Benz sind mannigfaltig – entsprechend viele Tasten, Knöpfe und Anzeigen gibt es. Doch wir finden uns schnell zurecht. Ein Novum ist der Splitview-Monitor, der mit Kopfhörern und Fernbedienung geliefert wird. Während der Fahrer beispielsweise das Navigationssystem einblendet, kann der Beifahrer DVD schauen – beides am selben Monitor in der Mitte der Armaturentafel. Das funktioniert hervorragend und mit einer klaren Anzeige. Für keinen der beiden Betrachter überlagern sich die Bilder.

S 400 HYBRID: DER AUFBAU

Der S 400 Hybrid basiert auf dem S 350. Dessen V6-Ottomotor wurde weiterentwickelt, leistet nun 279 PS. Er wird mit einem kompakt gebauten Elektromotor gekoppelt. Der 20 PS starke Strommotor dient gleichzeitig als Anlasser und als Generator. Die Besonderheit: Gespeist wird das Elektroaggregat aus einer Lithium-Ionen-Batterie. Sie wird an die Stelle der herkömmlichen Starterbatterie in den Motorraum eingebaut und nimmt somit keinen Platz im 560 Liter großen Kofferraum weg. Die Vorteile gegenüber einer Nickel-Metallhydrid-Batterie, wie sie beispielsweise Lexus verwendet, liegen laut Mercedes in einer höheren Energiedichte und einem besseren Wirkungsgrad bei geringerem Gewicht und kompakteren Abmaßen. Die S-Klasse wird durch das Hybridsystem um 75 Kilogramm schwerer.

S 400 HYBRID: DIE FUNKTIONSWEISE

Und so funktioniert die Sache mit den zwei Motoren: Beim Umdrehen des Zündschlüssels wirft der Elektromotor den Benziner an. Das passiert sehr sanft und leise. Weniger sanft, dafür mit viel Druck im Rücken erleben wir die sogenannte Boost-Funktion der E-Maschine: Treten wir das Gaspedal kräftig durch, unterstützt der Stromer den Benziner beim Antrieb. Gemeinsam liefern beide Motoren 299 PS und ein Drehmoment von 385 Newtonmeter zwischen 2 400 und 5 000 Touren. Das reicht, um den langen Benz in 7,2 Sekunden auf Tempo 100 zu schaffen und ihm eine Spitze von 250 km/h zu ermöglichen. Der Boost ist spürbar und beflügelt den „S“ im Alltag zu mehr als ausreichenden Fahrleistungen.

Nehmen wir das Gas weg und der Wagen rollt im Schubbetrieb, arbeitet der Elektromotor als Generator und wandelt die Bewegungsenergie in elektrische Energie um, die in der Lithium-Ionen-Batterie gespeichert wird. Diese „Rekuperation“ bemerken wir zunächst kaum. Erst als wir das Bremspedal leicht betätigen, merken wir ein stärkeres Abbremsen, da die Generatorleistung erhöht wird. Dieses Feedback beim leichten Tritt aufs Bremspedal wirkt am Anfang ein wenig steril, wir gewöhnen uns aber schnell daran. Beim noch kräftigeren Druck auf den Bremshebel werden auch die hydraulischen Radbremsen aktiviert. Sinkt die Geschwindigkeit unter 15 km/h, wird der Verbrennungsmotor ganz abgeschaltet. Wir rollen also leise an die Ampel heran, warten bis „grün“ kommt, nehmen den Fuß von der Bremse und tippen das Gaspedal an. Der Fahrer spürt, dass der Motor wieder startet, als Beifahrer bekommt man davon kaum etwas mit, so leise ist der V6. Am bereits erwähnten Display können wir grafisch nett dargestellt sehen, wie die Energie gerade beim Beschleunigen oder Bremsen fließt und ob die Batterie geladen wird. Am interessantesten finden wir eine Anzeige im Tachometer: Schematisiert wird uns das Hybridsystem angezeigt, wir wissen also auf einen Blick, was welche Komponente gerade tut.

DER FAHREINDRUCK

Der S 400 Hybrid fährt sich so sanft wie eine konventionelle S-Klasse. Wir gleiten souverän und weich gefedert über den Asphalt. Wenn wir eine kurvenreiche Strecke dynamisch befahren wollen, schalten wir das Luftfeder-System Airmatic in den strafferen Sportmodus. Auch das serienmäßige Automatikgetriebe 7G-tronic, das seinen Dienst nahezu unbemerkt verrichtet, kann auf Knopfdruck dazu gebracht werden, später hoch- oder früher runterzuschalten. Somit können wir flott unterwegs sein, allerdings ohne allzu bissigen Sport-Anspruch. Dafür wird der Spar-Luxusliner aber auch nicht gebaut.

DER VERBRAUCH

Laut Mercedes genehmigt sich der S 400 Hybrid einen Schnitt von 7,9 Liter Benzin, der CO2-Ausstoß soll bei 186 Gramm pro Kilometer liegen. Bei unserer ersten Ausfahrt in den Schwarzwald haben wir bei einer Strecken-Mischung von Autobahn, Landstraße und Ortschaften immerhin einen Wert von 9,5 Liter am Bordcomputer abgelesen. Das ist immer noch ein halber Liter weniger als der gleiche Motor im S 350 ohne Elektro-Unterstützung verbrauchen soll.

PREIS & AUSSTATTUNG

Der S 400 Hybrid steht ab dem 26. Juni 2009 in der Reihe der gelifteten S-Klassen beim Händler. Er kostet 85 323 Euro in der Normalversion, die lange Ausführung ist ab 93 177 Euro zu haben. Ab Werk gibt es die 7G-tronic, die adaptive Luftfederung, das LED-Paket, das Comand-APS-System mit Festplatten-Navigation, 7,2-GB-Musikspeicher, Media-Interface mit iPod-Anschluss und Bi-Xenonscheinwerfer. Mit einer ganzen Reihe von Assistenzsystemen lässt sich die S-Klasse weiter aufrüsten. Ein Abstands-Tempomat, ein Nachtsichtassistent oder aktive Multikontursitze sind ebenso bestellbar wie das neue „Intelligent Light System“, das automatisch die Scheinwerfer der jeweiligen Fahrsituation anpasst. Der S 350 kostet 76 160 Euro. Rechnet man die Zusatzausstattung im S 400 Hybrid dazu, ergibt sich eine Differenz von etwa 4 600 Euro.

UNTERM STRICH

Mit dem S 400 Hybrid gehört Mercedes in der Luxusklasse zu den Ersten, die saubere Autos dieser Größenordnung in Serie bringen. Der geringe Verbrauch, verbunden mit einer relativ vernünftigen Motorisierung lassen den S 400 zur Alternative für umweltbewusstere Edellimousinen-Fahrer werden. Aber ein bisschen Überzeugung gehört schon dazu, schließlich ist der Sauber-Benz eine ganze Stange teurer als ein S 350. Dennoch: Immerhin 2,1 Liter weniger als der gleiche Motor ohne Elektro-Unterstützung sind eine ganze Menge. Der große Benz ist einer der ersten Schritte in die richtige Richtung, weitere Sparmodelle wie ein Dieselhybrid könnten folgen. an

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