S-tronic : Die Marke legt einen Gang zu Hauptsache, man sitzt höher

Peugeot nutzt den anhaltenden Trend zum SUV: Für den 4007 gibt’s nun auch Benziner und Automatik.

Eric Metzler

Mögen es die Vertreter der „old school“ wahrhaben wollen oder nicht: Die Automatik ist auf dem Vormarsch – und das vor allem bei sportlichen Autos. Der Zauber geht dabei von den Direktschaltgetrieben aus, kurz nennt man sie DSG, manche sagen Doppelkupplungsgetriebe. Wer die Technik zum ersten Mal in einem aktuellen VW, einem Audi, neuerdings auch in einem 911 oder im BMW M3 fährt, ist meist baff: Die Gänge wechseln ohne Ruck, ohne „Zugkraftunterbrechung“.

Bei Audi heißt das von VW abgeleitete DSG-Getriebe „S-tronic“, eingebaut wurde es bislang im TT und im A3. Beide Modelle haben einen quer eingebauten Motor. Anders die neue Mittelklasse aus Ingolstadt: A4, A5 und Q5 stehen auf der „Längsplattform“ – und mit der ist die alte S-tronic nicht kompatibel. Audi hat deshalb eigene Entwickler an die Werkbank gesetzt. Heraus kam ein neues DSG mit sieben statt mit sechs Gängen, feiner übersetzt also und, wie sich beim Probieren der fast serienreifen DSG-Fassung herausgestellt hat, ausgelegt auf mehr Effizienz. Die ersten Gänge sind kurz, die höheren sehr lang ausgelegt – wählt der Fahrer den Komfortmodus, wird früh hochgeschaltet. Das kommt der spritsparenden Charakteristik moderner Motoren entgegen, die schon im Keller viel Drehmoment zur Verfügung stellen. Im Modus „Dynamik“ spricht die S-tronic aggressiver an; im rein manuellen Betrieb (Gangwechsel über die Schaltgasse oder mit den Wippen am Lenkrad) wirkt sie noch etwas rau. eric

Grob vereinfacht geht der DSG-Trick so: Es sind zwei Teilgetriebe mit zwei Kupplungen am Werk, eines für die geraden, eines für die ungeraden Gänge. Beide sind permanent aktiv, aber jeweils nur eines „kraftschlüssig“ mit dem Motor verbunden. Beschleunigt der Fahrer etwa im dritten, wird im Hintergrund bereits der vierte Gang eingelegt. Und dann flutscht’s.

Strahlend sieht man sie nicht so häufig, die Manager der Autoindustrie – jedenfalls, wenn es um die Verkäufe auf dem deutschen Markt geht. Bei Peugeot ist das gerade anders: Der Importeur glänzt mit Zahlen, von denen andere nur träumen können. Wie gut ein Wachstum von plus 18,9 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres ist, ergibt sich, wenn man den Vergleichswert des Gesamtmarktes daneben stellt: der liegt bei gerade einmal plus 2,6 Prozent.

Natürlich macht Peugeot den LöwenAnteil seines Geschäftes mit den Kompakten, dem 207 in jedweder Form und dem neuen 308er. Doch auch vom weiterhin wachsenden SUV-Kuchen wollen sich die Franzosen ein leckeres Stück abschneiden. Seit Ende des letzten Jahres gibt es den 4007, den Bruder des Mitsubishi Outlander und des C-Crosser von Citroen. Abgesehen von der komfortableren Abstimmung des französischen Fahrwerks kann man die technischen Unterschiede vernachlässigen, aber immerhin: Wer auf dem Boulevard nicht mit einem Coupé, sondern mit einem aufgebockten Familienauto glänzen will, der liegt mit dem 4007 gar nicht schlecht: Mit dem markanten Kühlergrill und seinen weit nach hinten gezogenen Mandelaugen hat er durchaus Charme, in Schwarz sieht er richtig schick aus. Dass der Wagen mit Allradantrieb und hochbeinig daherkommt, mag beim Brötchenholen auf der Schwäbischen Alb zielführend sein, Unter den Linden ist es, diplomatisch gesagt, nicht weiter störend.

Nachdem es den SUV zunächst allein als 2,2-Liter-Diesel und mit Handschaltung gab, ist inzwischen auch ein Benziner mit 2,4-Liter-Maschine verfügbar. Die macht aus dem Rustikus keinen Helden, verrichtet ihren Dienst aber kultiviert und souverän. Der Verbrauch ist für ein Auto dieser Größe vertretbar (9,4 Liter Super, 225 g CO2/km). Der Kunde hat die Wahl zwischen einem manuellen Fünfganggetriebe oder einer Sechsstufen-Automatik. Wir raten zu letzterer, wobei Interessenten der Spitzenversion Platinum darauf bis September warten müssen.

Für die meisten Käufer ist das offenbar ohnehin nicht entscheidend. Wer in eines der wohl 2500 Exemplare investiert, die Peugeot in diesem Jahr vom 4007 verkaufen will, orientiert sich an anderen Kriterien: Am Image, etwas Besonderes zu fahren (obwohl es doch so viele tun!), an der hohen Sitzposition, vielleicht auch an der Möglichkeit, die Straße auch mal Richtung Wald und Wiese zu verlassen. Jedenfalls rein theoretisch. Eric Metzler

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