Auto : Sag Ssang Yong zu mir

Mit dem Korando wagt sich der koreanische Allrad-Spezialist wieder nach Deutschland

Stefan Woltereck
Wie sich die Zeiten ändern. Als sich Ssangyong zurückzog, wurde das Design oft verspottet. Jetzt stehen die Aktien besser. Foto: sppr
Wie sich die Zeiten ändern. Als sich Ssangyong zurückzog, wurde das Design oft verspottet. Jetzt stehen die Aktien besser. Foto:...

Eingeweihte verbinden mit Ssangyong vor allem zwei Eigenheiten: zum Teil skurrile Karosserien und die Verbindung mit Mercedes-Benz. So hatte der Rodius einen nach Eigenbau aussehenden Aufbau am Heck und einen Fünfzylinder-Diesel in Mercedes-Lizenz. Ursprünglich unter eigenem Namen gestartet, verschwand der Name nach der Jahrtausendwende – um einige Jahre später vom Luxusmarken-Importeur Kroymans wieder belebt zu werden. Im Zuge der Finanzkrise wurde dieser 2009 insolvent. Seit Januar 2011 ist die Ssangyong Motors Deutschland GmbH mit Sitz in Kerpen bei Köln wieder am Markt.

Wichtigstes Modell ist der Korando - ein in Optik, Leistung und vor allem Preis attraktives "sport utility vehicle" (SUV) der Mittelklasse. 1000 Exemplare will man in diesem Jahr absetzen. 2012 soll die dann erweiterte Modellpalette das Doppelte erreichen. Bis dahin hofft man auf 150 Händler, aktuell sind es 40.

In den Maßen - Länge 4,41, Breite 1,83 und Höhe 1,71 Meter entspricht der Korando fast exakt dem VW Tiguan, dem Ford Kuga oder, was preislich besser passt, dem Kia Sportage und dem Hyundai ix35. Letzteren ähnelt die Linie - von Altmeister Giugiaro gezeichnet, durchaus ansehnlich, aber ohne besondere Auffälligkeiten. Wie die meisten Fahrzeuge dieser Art lässt sich der Korando am besten als hoher Kombi charakterisieren, der optisch den Eindruck eines Geländewagens erweckt - aber mit schlichtem Vorderradantrieb dort scheitert, wo auch normale Autos nicht mehr weiter kommen. Für 2000 Euro Aufpreis gibt es auch Allradantrieb – der sich (bis 40 km/h) sogar sperren lässt.

Das Raumangebot entspricht der Klasse: Vorn reichlich Platz, hinten genügend für zwei, auch mal für drei. Der Kofferraum fasst 486 Liter, beim Umklappen der Rücksitzlehne entsteht ein Stauraum von 1312 l – etwas weniger als bei den meisten Wettbewerbern. Die Inneneinrichtung aus dem üblichen grauen harten Kunststoff wirkt nicht besonders schön, ist aber übersichtlich und gut verarbeitet. Einladen darf man mehr als eine halbe Tonne, Anhänger (mit Bremse) dürfen bis zu zwei Tonnen wiegen – gute Werte für die Klasse.

Einziges Triebwerk aktuell ist ein Zweiliter-Turbodiesel mit Genen vom renommierten österreichischen Entwickler AVL, 129 kW/175 PS und 360 Nm stark. Unter 2000 Umdrehungen pro Minute tut sich wenig, darüber aber macht das Triebwerk durchaus Laune: Höchstgeschwindigkeit 186 km/h, Beschleunigung aus dem Stand auf Tempo 100 in zehn Sekunden, Normverbrauch 6,1 l (CO2 159 g). Kombiniert ist dieses Kraftwerk mit einem Sechsganggetriebe, das sich leicht und exakt bedienen lässt. Später kommen eine Sechsstufen-Automatik und ein 150 PS-Benzinmotor hinzu.

In den Fahreigenschaften ist der Korando durchaus auf der Höhe: vergleichsweise kommode Federung, wenig Rumpelgeräusche auf schlechter Straße, leichte Bedienung, gute Übersicht. Ein Manko indes bildet die eher träge Lenkung. Sie erinnert an Geländewagen in alten Zeiten, vom agilen Fahrverhalten moderner europäischer SUV-Modelle ist der Ssangyong weit entfernt.

Dafür ist er sehr preiswert: 22 990 Euro kostet der Korando in Basisversion - mit Klima, Radio und sogar Tempomat. Selbst gegenüber Hyundai und Kia sind dies etwa 2000 weniger. Das Spitzenmodell mit Klima-Automatik, Leder, Einparkhilfe und 18 Zoll-Leichtmetallrädern bleibt im Preis deutlich unter 30 000 Euro. Vorbildliche fünf Jahre Garantie (bis 100 000 km) sind immer inklusive.

Wenn er einem gefällt, wenn ein guter Händler in der Nähe ist, spricht wenig gegen einen Korando. Exklusiv ist er auf alle Fälle: Der Nachbar hat bestimmt keinen. Lange fahren sollte man ihn allerdings: Der Wiederverkauf eines so seltenen Modells wird vermutlich schwierig.

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