Auto : Schein und Sein

Gutes Design ist das eine, der Nutzen im Alltag das andere: Wie schlägt sich der neue Mazda6-Kombi?

Hinten rum.
Hinten rum.

In der Mittelklasse, zumal in der Karosserievariante „Kombi“, geben hierzulande die deutschen Marken den Ton an. Dabei mangelt es eigentlich nicht an Wettbewerbern, zum Beispiel bei Renault (Laguna), Citroen (C5), Peugeot (408), Skoda (Superb), Toyota (Avensis), Honda (Accord), Hyundai (i40), Kia (Optima) und anderen. Der Mazda6 gehört zumindest auf dem Papier ebenfalls zu den Konkurrenten von VW Passat, Ford Mondeo und Opel Insignia, konnte nach guten Absatzzahlen in den 80er- und 90er-Jahren – damals auch noch als Mazda 626 – zuletzt ebenfalls keine Bäume mehr ausreißen. Mit der neuen Generation des Mazda6 wollen die Japaner wieder auf alte Erfolgspfade zurück. Das Rezept dazu: emotionales Design und moderne Technologien.

Zwar wird in der Mittelklasse weit überwiegend Diesel gefahren, wir entschieden uns beim Testfahrzeug trotzdem für den mittleren Benziner mit 2,0 Liter Hubraum und 121 kW/165 PS Leistung. Und dies aus zwei Gründen: Zum einen hat der mit 110 kW/150 PS deutlich schwächere Diesel zwar mehr Drehmoment, ist aber auch 2500 Euro teurer. Das lässt sich über Verbrauch und Steuervorteile nur langfristig wieder reinfahren. Zum anderen ist der Benziner auch technisch besonders interessant. Sein Verdichtungsverhältnis von 14:1 ist das weltweit höchste in einem Serien-Pkw. Das soll in Verbindung mit einem speziellen Abgassystem für geringe Verbräuche und hohe Drehmomente sorgen.

Obwohl das maximale Drehmoment mit 210 Newtonmetern, die bei 4000 Umdrehungen anliegen, keine extreme Durchzugskraft verspricht, verhält sich der Motor in der Praxis sogar ein wenig wie ein Diesel. Schon knapp über Leerlaufdrehzahl beißt der Motor ordentlich zu. In Verbindung mit der für viele Mazda-Motoren typischen leicht heiseren, aber keinesfalls unangenehmen „Stimme“ ergibt sich ein Fahrgefühl, fast wie in einem Selbstzünder. Der angegebene Durchschnittsverbrauch von knapp sechs Litern wurde von uns um lediglich 0,8 Liter überboten. 6,7 Liter im Schnitt, für ein Mittelklasse-Fahrzeug mit 165 PS ein durchaus zufriedenstellender Praxis-Wert.

Mehr noch als der Antrieb kann das Design des neuen Mazda6 überzeugen. Die sich über die gesamte Länge von 4,80 Meter ziehenden Karosseriefalten, sogenannte „Charakterlinien“, geben dem Japaner Schwung, Eleganz und strecken das Fahrzeug optisch fast in die nächsthöhere Klasse. Der steil angesetzt Kühlergrill mit dem Markenlogo wirkt sportlich und unterstreicht die eigenwillige Dynamik.

Saubere Verarbeitung, klare Instrumentierungen und der Verzicht auf Schnickschnack gehören seit jeher zu den Mazda-Stärken. Das gilt auch für den Innenraum, der ausgesprochen hochwertig erscheint und fast schon an deutsche Premiumanbieter erinnert. Allerdings mit einer ärgerlichen Ausnahme: Der mittig über den Lüftungsdüsen platzierte Monitor ist mit 5,8 Zoll nicht nur viel zu klein ausgefallen und deutlich tief platziert, das gesamte System wirkt optisch auch wie ein Nacheinbau und erfüllt keinesfalls die Ansprüche an ein neues Mittelklassefahrzeug.

Mazda bietet den 6er als Limousine und Kombi zum gleichen Preis an. Da hat der Kombi trotz acht Zentimeter weniger Radstand natürlich deutliche praktische Vorteile. Zumal das Umklappen der 60:40 teilbaren Rücksitze zu einer ebenen Ladefläche wie schon beim Vorgängermodell auch von Kofferraum aus mit Hilfe zweier Hebel einfach und bequem ist. Unter der hoch aufragenden fünften Türe können auch groß gewachsene Menschen stehen und den 522 Liter fassenden Kofferraum beladen. Wer die Rücklehnen umlegt, hat bis zu 1664 Liter zur Verfügung. Kein überragender, aber auch im Wettbewerbsumfeld guter Wert, denn die sportliche Linie des Mazda6 mit der wie heute üblich nach hinten abfallenden Dachlinie verhindert eine maximale Raumausbeute.

Mit unserer Motorisierung steht der Mazda6 ab 27 990 Euro in der Preisliste. Die Ausstattung geht in Ordnung: Klima, Bordcomputer, Audio-Anlage mit Bluetooth, Tempomat, Licht- sowie Regensensor und sogar ein Notbremsassistent für die Stadt sind an Bord. Letzterer bremst bei Gefahr das Fahrzeug selbsttätig ab, allerdings nur im für die Stadt typischen Geschwindigkeitsbereich von 4 bis 30 km/h. Unser Fahrzeug war mit weiteren Extras ausgerüstet, unter anderem Einparkhilfe vorn und hinten, Xenon-Licht und Navi. Weitere Fahrassistenten überwachten den Spurwechsel und die Spureinhaltung oder schalten das Fernlicht bei Gegenverkehr selbsttätig aus. Das tolle dunkelrot des Fahrzeugs kostet übrigens 750 Euro Aufpreis.

Die in verschiedenen Paketen zusammengefassten Extras plus Metallic-Lack ließen den Endpreis des Fahrzeugs auf rund 31 350 Euro anwachsen. Eine Menge Geld, allerdings lässt sich auch etwa der eine Klasse tiefer angesiedelte VW Golf locker in diese Preisregionen bringen. Der neue Mazda6 ist daher unter dem Strich nicht nur ein ausgesprochen attraktives, mit dem mittleren Benziner angemessen motorisiertes und sehr fahraktives Auto, er ist letztlich auch preislich ein faires Angebot. sppr

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