Auto : Scheinsaubermänner

Rußfilter zum Nachrüsten im Zwielicht

Kai Kolwitz

Ins Gerede sind die Nachrüst-Rußpartikelfiltersysteme zweier Hersteller für Dieselfahrzeuge geraten: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) wirft den Unternehmen Bosal und GAT vor, ihre Systeme hätten in mehreren Tests die geforderten Grenzwerte nicht erreicht.

Seit kurzem haben fünf GAT-Filter, die vor allem in freien Werkstätten verbaut werden, keine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) mehr. Es handelt sich dabei um Anlagen mit den ABE-Nummern 17070, 17114, 17117, 17118, 17148, die in diversen Modellen von Mercedes, Opel, BMW sowie des VW-Konzerns nachgerüstet werden konnten. Allerdings gibt es verschiedene Darstellungen: Die Umwelthilfe behauptet, das Kraftfahrtbundesamt habe die ABEs entzogen, bei GAT betont man, man habe die Betriebserlaubnisse freiwillig zurückgegeben. Die Umwelthilfe wirft dem Hersteller vor, er habe nach der Zulassung die Poren im Filter vergrößert und deren Zahl verringert, um den Abgasgegendruck zu mindern, der, wenn er zu hoch wird, Leistung mindern und Motorteile schädigen kann. Von GAT hieß es dagegen nur, es habe Formfehler bei der Zulassung gegeben, man rechne mit neuen ABEs bis zum Jahresende. Aber man kündigte an, den Vertrieb sämtlicher Filtersysteme vorläufig auszusetzen.

Schon seit einiger Zeit hatten sich Umweltorganisation und Hersteller öffentlich über die Wirksamkeit der Filter gestritten. Zumindest in einem Fall hatte die DUH dabei den Kürzeren gezogen: Der Tüv Süd, auf dessen Test sich die Organisation neben anderen bezogen hatte, nannte die Darstellung der Ergebnisse „verkürzt, verallgemeinernd und damit zum Teil missverständlich“. Der für einen Teilegroßhändler durchgeführte Test habe nicht den gesetzlichen Grundlagen entsprochen.

Beim Kraftfahrbundesamt werden die GAT- und Bosal-Filter derzeit einer Nachprüfung unterzogen, Ergebnisse stehen noch aus. Das Amt betonte allerdings, bei bereits verbauten Anlagen habe eine nicht mehr vorhandene ABE für den Filter keine Auswirkungen auf die Betriebserlaubnis des Autos. Dagegen wäre es denkbar, dass die Steuerbehörden sich den gewährten Einbaubonus von 330 Euro von den betroffenen Autobesitzern zurückholen. Laut ADAC könnten diese dann aber den Filterhersteller und die Einbauwerkstatt in Haftung nehmen. Die DUH forderte unterdessen, die Wirksamkeit von Rußpartikelfiltern im Rahmen der normalen Abgasuntersuchung zu kontrollieren. Kai Kolwitz

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