Schnäppchenjagd beim Autokauf : Da lässt sich was raus holen

Leasing-Rückläufer gibt’s beim Händler und im Internet. Dabei lässt sich viel Geld sparen. Allerdings ist der Kauf auch nicht ohne Tücken. Worauf Schnäppchenjäger achten sollten.

Massenware: Leasing-Rückläufer kommen oft in großen Tranchen zurück in den Handel - auch das drückt ihren Preis. Zu bedenken ist allerdings die meist hohe Laufleistung.
Massenware: Leasing-Rückläufer kommen oft in großen Tranchen zurück in den Handel - auch das drückt ihren Preis. Zu bedenken ist...Foto: dpa-tmn

Möglich war das nicht immer: Auf der Suche nach einem Gebrauchtwagen können Privatkunden direkt auf sogenannte Leasing-Rückläufer zurückgreifen. Waren diese Fahrzeuge nach dem Ablauf von Leasing-Verträgen – wenn überhaupt – lange Zeit nur über Kfz-Händler vor Ort zu haben, sind sie inzwischen auch über das Internet zu bekommen. Direkthändler preisen diese Autos als besonders gepflegte Fahrzeuge an, die ihren höchsten Wertverlust schon erlitten haben. Schnäppchenjäger horchen an dieser Stelle auf.

Einen finanziellen Vorteil, den Leasing-Rückläufer bringen, bestätigt etwa der TÜV Süd. Durchweg als Schnäppchen möchte Andreas Halupczok als Gebrauchtwagenexperte der Organisation die betreffenden Fahrzeuge allerdings nicht bezeichnen. "Sie werden zum Marktwert verkauft", sagt er. Zwar würden sie mit großen Preisnachlässen von bis zu 40 Prozent gegenüber den ehemaligen Neupreisen manchmal schon ein Jahr nach der Erstzulassung angeboten. Doch hätten die Abschläge auch ihren Grund: "Leasing-Rückläufer haben eine vergleichsweise hohe Laufleistung."

Höhere Nachlässe bei typischen Leasing-Fahrzeugen

Gegenüber gleich alten Gebrauchten aus privater Hand oder Vorführwagen haben Fahrzeuge aus Leasing-Verträgen oft wesentlich mehr Kilometer hinter sich. Sie wurden andererseits aber meist auf Langstrecken bewegt, was die Motoren schont. Einjährige Leasing-Rückläufer von Autovermietern oder aus Firmenflotten haben laut dem TÜV Süd um die 20.000 bis 30.000 Kilometer Laufleistung, bei den teureren Vorführwagen liegt diese in der Regel zwischen 5000 und 10.000 Kilometern. Mitunter sind die Rückläufer aber älter als drei Jahre, so etwa beim Anbieter Leaseplan oder der Münchener Firma Arval, die zwölf Monate Garantie auf die Fahrzeuge bietet.

Ein konkretes Preisbeispiel gibt der TÜV Süd: Ein Mercedes E250 CDI Kombi, der 2011 als Neuwagen rund 60.000 Euro kostete, ist als Leasing-Rückläufer für rund 40.000 Euro zu bekommen, ein Vorführwagen koste noch um die 50.000 Euro. Mit Nachlässen in ähnlicher Größenordnung darf Experte Halupczok zufolge auch bei anderen typischen Leasing-Autos gerechnet werden, etwa bei 3er und 5er BMW, Audi A4 und A6, VW Passat aber auch Transportern und manch einem Luxusauto wie dem VW Phaeton. Leasing-Rückläufer stammen ihm zufolge zu fast 100 Prozent aus gewerblichen Flotten, Fahrzeuge aus privaten Verträgen verblieben meist beim Halter. "Die Fahrzeuge sind ehemalige Firmenwagen von Unternehmen aller Branchen", heißt es etwa bei Leaseplan. Die Firma betreibt "Gebrauchtwagen-Outlets" in Neuss und Nürnberg und verkauft dort nach eigenen Angaben jährlich rund 3500 Autos an Privatkunden und Händler.

Großes Angebot bei Leasing-Gesellschaften

Mit entsprechenden Abschlägen landen Leasing-Rückläufer mitunter also auch im Autohaus des Vertrauens. "Wer auf eine bestimmte Marke festgelegt ist und für wen der Autokauf Vertrauenssache ist, der sollte sich an den Händler vor Ort wenden", rät Halupczok. Das größere Sparpotenzial bieten aber Leasing-Gesellschaften, die zurückgekommene Fahrzeuge feilbieten - in großen, oft an Verkehrsknotenpunkten hochgezogenen Showrooms sowie über Plattformen im Internet. "Bei ihnen laufen die Fahrzeuge massenweise auf und sie müssen dort schnell wieder vom Hof, was den Preis nochmals drückt", erläutert Halupczok. Allerdings dürfe man anders als beim heimischen Händler in der Regel keine fachliche Beratung erwarten, der Kunde müsse also genau wissen, was er will. "Wer bereit ist, mehrere hundert Kilometer fürs neue Auto zu fahren, wird im Internet den günstigsten Preis finden", ist Halupczok überzeugt. Andererseits werde man über die Leasing-Gesellschaften wegen des großen Angebots womöglich schneller fündig, wenn es um ein ganz bestimmtes Auto gehe.

Der Online-Händler Autoda verspricht zum Beispiel Preisabschläge, weil "teuere Zwischenhändler eingespart" würden. Andere Unternehmen, die mit Rückläufern handeln, sind neben Arval und Leaseplan etwa GE Auto, Athlon Car Outlet oder auch im Leasing-Geschäft aktive Autovermieter wie Sixt. Der Anbieter Autoda begegnet zudem dem logistischen Problem der Überführung: "Die Fahrzeuge werden Autokäufern auf Wunsch zugelassen bis vor die Haustür geliefert", schreibt das Unternehmen mit aktuell rund 7500 angepriesenen Fahrzeugen. Rund 80 Prozent der Käufer wählten den Lieferservice und verzichteten sogar auf Probefahrten.

Allein um mögliche Mängel aufzudecken, sind Probefahrten nach Ansicht von Halupczok gerade bei jungen Leasing-Rückläufern fast überflüssig: "Die Autoqualität ist allgemein so gut geworden, dass der Kunde nach acht bis zwölf Monaten ein noch fast neuwertiges Auto bekommt." Wer erst einmal herausfinden will, ob ein Auto überhaupt zu ihm passt, kommt um eine Probefahrt natürlich nicht herum.

Auf die Technik von Leasing-Rückläufern ist in der Regel Verlass, weil bei diesen Fahrzeugen normalerweise keine Wartung und kein Scheckhefteintrag ausgelassen wird. Und auch der Pflegezustand ist meist gut, denn jeder Mangel kann Leasing-Nehmer bei Vertragsende teuer zu stehen kommen. "Leasing-Autos haben einen vertraglich fest kalkulierten Restwert, der nur bei vollständiger Wartung erreicht wird", so der TÜV-Mitarbeiter. Verheizte Fahrzeuge unter den ehemaligen Leasing-Autos seien daher selten. Dennoch empfehlen Experten, auch einen Leasing-Rückläufer vor dem Gebrauchtkauf von einem Sachverständigen durchchecken zu lassen. (dpa)

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