Auto : Schnell mal wohin ohne eigenes Auto

Die Berliner lieben Carsharing. Nirgendwo gibt es mehr Autos zum teilen und fahren.

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Mobil sein ohne eigenes Auto - Carsharing ermöglicht mehr Mobilität. Zum Beispiel, wenn es auf dem Rad zu kalt wird. Foto: imago
Mobil sein ohne eigenes Auto - Carsharing ermöglicht mehr Mobilität. Zum Beispiel, wenn es auf dem Rad zu kalt wird. Foto: imagoFoto: IMAGO

In der kommenden Woche feiert Carsharing seinen 25. Geburtstag und in Berlin feierte die Idee ihre Premiere. Das könnte verwundern, denn erst durch die massive Präsenz von Car2go und Drivenow ist Carsharing so richtig ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Das ist kein Wunder, denn die Flotte der beiden Angebote von Daimler und BMW überragt bei weitem die Anzahl der stationsgebundenen Anbieter. Bei diesen beiden und dem Angebot Multicity von Citroën handelt es sich um sogenannte "Freefloating"-Dienste. Das bedeutet, dass die Kunden das Fahrzeug nach der Miete irgendwo im Geschäftsgebiet auf einem öffentlichen Parkplatz, manchmal auch in bestimmten Parkhäusern, abstellen können. Ähnlich verhält es sich mit dem Mietbeginn. In der Regel werden die Fahrzeuge über die App eines Smartphones oder über die Website des Anbieters gefunden. Auf einem Stadtplan wird das Fahrzeug gesucht, reserviert und der Kunde begibt sich dann auf den Weg dorthin. Das klingt nicht nur einfach, es ist in der Regel auch sehr praktisch. Je nach Stadtteil sind die Wege manchmal sehr kurz, in den Randbezirken kann es auch mal länger dauern. Die Flotte an stationsunabhängigen Fahrzeugen in Berlin ist in diesem Jahr auf 2366 Autos angewachsen. Aber es gibt auch Nachteile. Car2go beispielsweise bietet ausschließlich Smarts mit zwei Sitzplätzen an. Eltern mit Kind schauen da in die Röhre. Besser macht es Drivenow, die in der Flotte neben Minis mit vier Sitzplätzen, teils sogar Cabrios und Kombis, auch BMW X1 und 1er zur Verfügung stellen. Vor allem aber haben die BMW-Fahrzeuge immer eine Sitzerhöhung für Kinder an Bord. Bei Multicity wiederum gibt es ausschließlich elektrisch betriebene C-Zeros von Citroën. Allerdings kooperiert der Anbieter mit Flinkster von der Deutschen Bahn. Damit erweitert sich das Angebot um Fahrräder, Kompaktklasse-Modelle, Oberklasse-Autos bis hin zu Bussen mit neun Sitzen. Die Nutzung dieser Autos ist dann allerdings wiederum stationär.

Diese stationsbasierten Angebote haben dagegen eine lange Tradition. In Berlin wurde 1988 durch StattAuto das erste Carsharing-Angebot in Deutschland begründet. Das Unternehmen von Firmengründer Markus Petersen bot an wenigen Stationen Fahrzeuge verschiedener Größe bis hin zu Transportern an. Im Jahr 2000 geriet StattAuto in eine finanzielle Schieflage und konnte nur durch das Entgegenkommen der Kunden und Beteiligungen gerettet werden. 2004 stieg dann die niederländische CollectCar B.V. ein und seit 2006 heißt das Angebot Greenwheels. Das Geschäftsmodell mit festen Plätzen zur Anmietung und Rückgabe wurde in der Zwischenzeit von anderen Anbietern adaptiert und verfeinert. Die meisten dieser Unternehmen haben mittlerweile flächig über die Stadt verteilt einzelne Parkplätze durch die Bezirke reservieren lassen, auf denen die Autos abgeholt und wieder abgestellt werden können. Das macht den Mietvorgang deutlich praktischer, zumindest wenn einer dieser Stellplätze in der Nähe ist. Doch diese werden immer öfter durch andere Carsharing-Autos oder normale Fahrzeuge blockiert, was auch die Erfahrungen der Nutzer (s.u.) belegen. Die Kostenmodelle stationsbasierter Anbieter sind eher auf längere Mietzeiten ausgelegt, meist fällt ein monatlicher Grundbetrag an. Daher sind diese Angebote eher als echter Auto-Ersatz zu verstehen, während lange Mietzeiten bei den "Freefloating"-Anbietern schnell teuer werden können. In Berlin stehen aktuell 528 Fahrzeuge stationsbasierter Anbieter zur Verfügung. Insgesamt sind in Berlin 2894 geteilte Fahrzeuge unterwegs, was deutschlandweit der höchste Wert ist. Pro 1000 Einwohner sind 0,82 Carsharing-Autos verfügbar. Mit diesem Wert liegt Berlin im Städteranking aber nur auf Platz sechs. Karlsruhe führt hier mit 1,93 Autos pro 1000 Einwohner, gefolgt von Stuttgart (1,38) und Köln (1,17).

Autor

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

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