Auto : Schöner, besser – aber auch teurer

Mit der neuen Vespa GTS 125 ie Super ist Piaggo in der Moderne angekommen

Norbert Meiszies
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Viel Geld für die gelbe Maschine. 4299 Euro sind für eine 125er ein stolzer Preis. Das sind 300 Euro mehr als die alte GTS...

Es hat ein Weilchen gedauert, bis auch der italienische Piaggio-Konzern auf den aktuellen Technikzug aufgesprungen ist – jetzt verabschieden sich die Italiener in der 125er Klasse nach und nach von den Motoren mit Vergasertechnik. Als erster Automatikroller profitiert die Vespa GTS 125 ie Super vom neuen Leader-Motor mit elektronischer Benzineinspritzung.

Bereits im Jahr 1948 baute Vespa den ersten 125er Motor. Zum Einsatz kam er genau in dem Roller, der in dem Film „Roman Holiday“ mit Gregory Peck und Audrey Hepburn die Vespa-Legende mit begründete. Heute, 61 Jahre später, präsentieren die Italiener nun die neueste Entwicklungsstufe des Achtelliter-Aggregats aus dem Hause Piaggio, einen flüssigkeitsgekühlten Einzylinder-Viertakter mit vier Ventilen und elektronischer Benzin-Einspritzanlage. Als Zugabe spendierten die Entwickler dem Antrieb gleich noch ein neues System der Flüssigkeitskühlung, das über eine elektrisch arbeitende Pumpe funktioniert. Das E.C.S. soll helfen, den Benzinverbrauch zu optimieren, nebenbei verlängert es die Wartungsintervalle von 6000 auf 10 000 Kilometer. Bereits im Juni wird ein Großteil der Piaggio-Rollerflotte mit dem neuen Motor ausgestattet sein, etwa auch die Vespa S, der Gilera Nexus, der MP3 und der Piaggio X7 – der XEvo 125 kommt erst später dran.

Dass gerade die neue Vespa GTS 125i.e. Super, also die kleine Ausgabe der 300er Maxi-GTS, als erster Scooter den neuen Antrieb erhielt, dürfte kein Zufall zu sein. Gerade an der 125er GTS gab es immer wieder Kritik in Sachen Schadstoffemissionen, wie zuletzt noch bei einem großen Roller-Vergleichstest des ADAC. Vier Liter Sprit auf 100 Kilometer sind in der 125er Klasse ein beachtlicher Wert, zumal inzwischen selbst kleinere Hersteller wie selbstverständlich ihre Fahrzeuge mit Einspritzmotoren ausgerüstet haben, die nachweislich sparsamer und umweltverträglicher sind. Bei Vespa wollte man aber offensichtlich nicht einfach nur die alte GTS mit dem neuen Motor ausrüsten, sondern man nahm sich die große 300er Super als Vorbild, um auch bei den 125ern die Tradition sportlicher Vespa-Modelle wie etwa der GS von 1955 oder der 90 SS von 1965 fortzusetzen. So besitzt die GTS 125 ie Super optisch alle Attribute der 300er, inklusive der typischen Luftschlitze in der rechten Motorbacke. Piaggio hat es sich einfach gemacht und Rahmen, Fahrwerk und Ausstattung von der 300er übernommen und den hubraumschwächeren 125er Motor eingebaut. Das erleichtert dem Tester allerdings auch seine Arbeit, denn die Aussagen, die er schon bei der GTS 300 in Sachen Optik, Ergonomie und Handlichkeit gemacht hat, treffen alle auch auf die kleine GTS zu: „Das großzügig arrangierte Sitz-Dreieck aus Lenker, Bodenblech und Polster erlaubt eine aufrechte Haltung, entspannte Kniewinkel und einen lockeren Griff an die Lenkerenden. Nur ein wenig niedriger könnte die Sitzbank schon ausfallen. Auf dem hinteren Plätzchen herrscht dank der ausklappbaren Soziusrasten ebenfalls Sitzkomfort erster Klasse.“

Die zweifarbig polierten 12-Zoll-Räder wedeln flink um allerlei Hindernisse wie aufspringende Autofahrertüren oder dummdreist parkende Kleinlaster. Im dichten Stadtverkehr fühlt sich die GTS einfach wohl, zumal man offensichtlich auch beim Federungskomfort nachgebessert hat. Als Fahrer muss man auf Dämpfungskomfort nicht verzichten; die beiden in der Vorspannung vierfach verstellbaren Federbeine verrichten ihren Dienst mit großer Souveränität. Das kann man von der Vespa-typischen Schwinge vorne nicht unbedingt behaupten, sie besitzt auf unebener Fahrbahn nicht die Fähigkeiten der hinteren Dämpfer. Um die Spur zu halten, bedarf es der stabilisierenden Haltekräfte des Fahrers an den Lenkerenden. Sie wurden übrigens auch neu gestaltet, die Gummimanschetten ziert jetzt der Vespa-Schriftzug.

Aber auch in der Kurve wirkt die GTS leicht nervös, sie verlangt bei etwas flotterer Fahrweise stets leichte Nachkorrekturen. Das kannten wir ja ebenfalls schon von der 300er. Den eigentlichen Schritt vorwärts macht die GTS 125 ie Super beim Motor. Der bisher stets etwas rau laufende Leader macht dank Einspritzanlage einen wesentlich ausgeglicheneren Eindruck. Schon beim ersten Gasimpuls fällt auf, wie leise das Aggregat geworden ist. Die Sanftheit vermittelt beim Ampelstart allerdings zunächst subjektiv den Eindruck, als würde es nicht richtig vorwärts gehen. Erst ein Blick zur Seite zeigt, dass man mit dem Rest der italienischen Roller-Gilde sehr gut mithalten und in Fahrt gekommen sogar einen leichten Vorsprung herausfahren kann. Fast noch wichtiger ist, dass der Motor bei schnellen Richtungswechseln viel gleichmäßiger auf Gasbefehle reagiert und so eine rundere Fahrweise erlaubt. Nicht ganz rund läuft es bei Bremsmanövern, die beiden Scheiben vorne wie hinten bringen die 154 Kilogramm schwere GTS zwar ordentlich zum Stillstand, sie könnten aber ruhig etwas direkter reagieren, der Druckpunkt ist recht schwammig. Ein ABS gibt es für die neue 125er nicht. Leidiges Thema: In das Staufach passt immer noch kein normaler Jethelm, geschweige denn ein Integralhelm Dafür verbirgt sich im Staufach vorne der mechanische Öffner für die Sitzbank.

Im Vergleich zur bisherigen GTS 125 hat die neue Super vor allen vom Motor reichlich profitiert, auch optisch stehen ihr die neuen Felgen und das sportliche Heck mit der schön gestylten Sitzbank sehr gut. Die Evolution hat allerdings ihren Preis: 4299 Euro sind für eine 125er ein stolzer Preis. Das sind 300 Euro mehr als die alte GTS gekostet hat – und auch nur noch 700 Euro mehr bis zur großen 300er Super oder gar nur 500 Euro mehr zur sehr gut ausgestatteten Vespa GTS 250 ie Da hat man echt die Qual der Wahl.

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