Schwedens jüngster Alkoholiker E 85 : Volvo stellt den nächsten Motor um

Sven Jürisch

Dass man in Skandinavien Hochprozentigem nicht abgeneigt ist, ist bekannt. Und so verwundert es auch nicht, dass Volvo auf die Kraft des Alkohols setzt. Schon im vergangenen Jahr konnte Volvo mit den 1,8- und 2,0-Liter-Versionen seiner „Flexifuel“ getauften Bioethanolfahrzeuge beachtliche Stückzahlen erreichen. Nun legen die Schweden nach: einen 2,5-Liter-5-Zylinder-Turbomotor mit 200 PS. Dieser soll ab Juli in den Modellen S80 und V70 seinen Dienst verrichten und so den Ökogedanken in höhere Leistungsklassen tragen.

Die Maßnahmen zur Umrüstung hielten sich dabei in Grenzen. Zusätzliche Bauteile benötigt der Flexifuel nicht, was die Störanfälligkeit im Vergleich zu Autogassystemen minimiert. Lediglich Teile des Kraftstoffsystems, die Einspritzdüsen sowie das Motormanagement erfuhren für den Einsatz des zu 85 Prozent aus Alkohol bestehenden Kraftstoffes E85 Modifikationen. Auf weitergehende Sparmaßnahmen wie Start-Stopp oder Maßnahmen zur Energierückgewinnung verzichten die Schweden jedoch. Nicht zuletzt deshalb hält sich der Mehrpreis von 400 Euro in Grenzen.

Auch im Betrieb kann das Flexfuel-Konzept überzeugen. Der Volvo fährt sich unter Alkohol wie sein mit Normalbenzin betriebenes Pendant. Laufruhe und Leistung entsprechen dem Ausgangsprodukt. Denn auch bei der benzingetriebenen Variante neigt der Fünfzylinder im mittleren Drehzahlbereich zu unschönen Brummfrequenzen, an die man sich jedoch nach kurzer Zeit gewöhnt.

Im Verbrauch liegt der Alkoholiker aufgrund der niedrigeren Energiedichte des alternativen Kraftstoffs rund 30 Prozent über dem Benziner, was die Reichweite auf 450 Kilometer begrenzt. Ist dann keine Ethanoltankstelle in Sicht, kann der Volvo aber ohne Probleme mit jedem Ottokraftstoff betankt werden. Mit einem Preis von 0,98 Cent pro Liter ist E85 derzeit um 40 Cent günstiger als Benzin. Angesichts des höheren Verbrauchs wird dieser Vorteil jedoch geschmälert. Denn im Vergleich zu anderen Ländern endet die staatliche Förderung von Ethanolkraftstoffen hierzulande mit der Steuerbefreiung des Ethanolanteils im Kraftstoff im Jahr 2015. Außerdem sind derzeit in Deutschland gerade einmal 143 Tankstellen gelistet (Adressen unter www.e85.biz). Bei stark wachsendem Bedarf an Ökosprit dürften die heimischen Rohstofflieferanten schnell an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Und in Brasilien etwa werden jetzt schon Regenwälder dem Ziel geopfert, Weltmarktführer im Export von Biokraftstoffen zu werden.

Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte: Mit „Flexifuel“ wird eine schnell verfügbare und wirksame Möglichkeit geboten, Verbraucher und Umwelt zu entlasten. Langfristig werden aber nur Konzepte mit regenerativen Energien wie Solarenergie oder Biomasse die Mobilität erhalten können.

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