Seat Ateca : Angriff aus den eigenen Reihen

Seat bringt mit dem neuen Ateca einen kleinen SUV – der auch dem VW-Tiguan Konkurrenz macht.

Sven Jürisch
Ich bin dann mal hier. Der Alteca ist sauber verarbeitet und attraktiv gestylt – bei einem Basispreis von unter 20 000 Euro wird er seinen Weg machen.
Ich bin dann mal hier. Der Alteca ist sauber verarbeitet und attraktiv gestylt – bei einem Basispreis von unter 20 000 Euro wird...Foto: Promo

Seat geht ins Gelände – und macht dem Mutterkonzern Volkswagen, der kürzlich im kleinen SUV-Segment den runderneuerten Tiguan vorstellte, gleich Konkurrenz. Bereits auf den ersten Blick kann der Seat Ateca diese Aufgabe problemlos erfüllen. Der 4,40 Meter lange Seat kommt betont sportlich adrett daher. Die scharfe Bügelfalte in der Flanke unterstreicht die Dynamik und selbst in der Einsteigerversion macht der Spanier eine gute Figur. Daneben ist er aber auch praktisch und bietet bequeme Einstiege, genug Platz auf allen Plätzen und einen 485 Liter großen Kofferraum, dem man allenfalls die zehn Zentimeter hohe Stufe bei umgelegter Rückbank ankreiden kann. Eine gute Übersichtlichkeit samt angenehmer Sitzposition sowie eine ordentliche Verarbeitungsqualität runden den positiven Gesamteindruck ab.

Wenn man an dem Seat etwas kritisieren möchte, dann die zu kleinen Außenspiegel – was dann an Bedeutung gewinnt, wenn es einen Wohnwagen zu ziehen gilt. Der darf übrigens bis zu 2 100 Kilogramm schwer sein. Wenig zu bemängeln gibt es auch unter dem Blech. Die Motoren kommen aus dem aktuellen Programm von VW, wobei der Einstiegsbenziner mit nur einem Liter Hubraum und Dreizylindern das vermutlich überraschendste Triebwerk darstellt. 115 Turbo-geladene PS werden auf die Vorderräder losgelassen und beschleunigen den 1280 Kilogramm schweren Ateca binnen 11 Sekunden auf 100 km/h. Souveräner, wenn auch nicht unbedingt übermotorisiert, präsentiert sich der 1,4 Liter Vierzylinder-Benziner mit 150 PS und Schaltgetriebe. Er ist so etwas wie der Antrieb für alle Fälle, solange die Drehzahl nicht in den Keller fällt. Denn dann ist es vorbei mit dem Durchzug und der laufruhige Motor reagiert überraschend träge auf die Befehle des Fahrers. Ein Effekt, der im Prinzip auch bei den Dieseln zu erkennen ist, wenn auch in gemilderter Form. Beste Wahl hier: Der 2,0 Liter mit 150 PS. Wer es schneller haben möchte, greift zum Topmodell, dem 2,0 TDI mit 190 PS. Aber auch er krankt in Kombination mit dem DSG-Getriebe an der etwas unharmonischen Abstimmung: im Keller wenig dynamisch, um dann mit plötzlichem Leistungsschub den verlorenen Boden wieder gut zu machen.

Gelungener erster Versuch

Doch, wie dynamisch man auch unterwegs sein mag, das weitgehend vom Seat Leon übernommene Fahrwerk ist nicht aus der Ruhe zu bringen. Die mit konventionellen Stahlfedern und nicht einstellbaren Dämpfern ausgerüstete Radaufhängung gibt sich komfortabel und verkraftet zu Not auch hohes Kurventempo. Daneben macht es, dank Einzelradaufhängung (nur Allradversion) an allen Rädern, auch in leichtem Gelände eine akzeptable Achsverschränkung mit und bietet damit eine gute Geländegängigkeit. Ein gutes Auto also, dass, etwas Spielraum im Budget vorausgesetzt, auch mit allen elektronischen Helfern ausgerüstet werden kann. Das beginnt bei einem modernen Infotainment-Baukasten, geht über zahlreiche Assistenzsysteme (u.a. ein Abstand-geregelter Tempomat oder einen Stau-Assistenten) bis zum mit verschiedenen Fahrmodi ausgerüsteten Allradantrieb. Für Geländeausflüge steht zudem eine Bergabfahrfunktion (Hill decent Control) bereit, mit der auch Anfänger schwierige Passagen meistern. Alles ordentlich entwickelt, funktionell und funktionssicher. Bis auf die aus dem Seat Leon stammende Navigation. Ihre optische Zielführung ist verzögert und sorgt speziell im dichten Stadtverkehr schnell für Verdruss. Hinzu kommt eine inzwischen veraltete Grafik.

Doch am Ende dürfte vor allem der Preis über den Kauf des Seat Ateca entscheiden. Seine Konkurrenten? Nissan Qashqai, oder der VW-Tiguan. Technisch ist letzterer dem Seat in vielen Belangen ebenbürtig und bietet im Innenraum die etwas edlere Machart. Doch wer geschickt verhandelt, wird den Ateca 1,4 Style mit einigen Extras für rund 25.000 Euro mitnehmen können. Einen Preis, für den es bei Volkswagen allenfalls einen Tiguan in der 125 PS Basisversion (Trendline) gibt.

Fazit: Das erste SUV von Seat ist gelungen. Funktionell, sauber verarbeitet und attraktiv gestylt, wird es seinen Weg machen, auch wenn inzwischen zahlreiche Mitbewerber im Segment ähnliches bieten.

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