Seat Toledo : Die Zunft der Vernunft

An diesem Wochenende ist der Seat Toledo bei den Händlern angekommen. Nach langer Pause wagt der spanische Hersteller mit dem Stufenheckmodell einen neuen Anlauf. Er ist ein alter Bekannter, der aus Fehlern gelernt hat.

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Kein Fachwerk sondern frisches Design bietet der neue Seat Toledo. So hebt er sich wohltuend von seinem vanartigen Vorgänger ab.
Kein Fachwerk sondern frisches Design bietet der neue Seat Toledo. So hebt er sich wohltuend von seinem vanartigen Vorgänger ab.Foto: Hersteller

Erinnern Sie sich an 1991? Da startete der erste Seat Toledo. Der wurde eine Hausmarke. Die Stufenhecklimousine verkaufte sich 860 000 mal. Doch dann folgte 2004 die dritte Generation. Die trug nur noch den Namen – ein Auto im Buckelwaldesign und mit unförmiger Heckklappe; ein Modell, mit dem man besser nur nachts fährt. 2009 wurde dieser Toledo klammheimlich eingestellt.

Jetzt, nach gut vier Jahren Zwangspause, kommt die vierte Generation, mit der Seat wieder zu seinen Wurzeln gefunden hat. Sie ist wieder eine klassische Stufenhecklimousine, baugleich mit dem Skoda Rapid; und wie dieser läuft auch der Seat Toledo in Bratislava vom Band des VW-Konzernwerkes. Daher ist der "Spanier" auch kein Typ mit südländischem Flair, sondern eher einer mit preußischem Naturell – genau der Typ für die Vernünftigen mit seinen vielen Vorzügen: Das 4,48-Meter-Auto ist innen viel geräumiger, als es von außen den Anschein hat. Im Fond reisen selbst Hünen entspannt. Die straffen Sitze sind bequem, die sehr straffe Federung ist es zum Glück auch noch. Vor allem bei Beladung. In das Auto passt nämlich viel rein; hinten schwingt eine große Heckklappe auf, die einen Riesenschlund von 550 bis 1490 Liter frei gibt. Mehr als bei manchem Kombi.

Rotstift hat Spuren hinterlassen

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ADAC-Autotest: Seat Leon
ADAC-Autotest: Seat Leon

Das Auto wiegt nur gut 1,2 Tonnen, was auch die mangelnde Dämmung erklärt. Doch nicht nur hier hat der Rotstift gewütet; auch im Innenraum sieht man seine Spuren. Hartplastik, wohin das Auge schaut. Doch alles ist zumindest sorgfältig und knisterfrei zusammengefügt. Und beim Topmodell Style schaffen Chromverzierungen sogar nette Blickfänge. Moderne Fahrassistenzsysteme? Nicht im Seat. Doch irgendwie macht gerade dieser Umstand dieses Auto so sympathisch: kein ständiges Gebimmel, keine Warnungen, die ablenken. Schlicht kann manchmal sogar richtig schön sein!

Das Stufenheck des Seat Toledo wurde entschärft. Trotz der nach hinten abfallenden Dachlinie ist das Raumangebot auf den Rücksitzen ordentlich.
Das Stufenheck des Seat Toledo wurde entschärft. Trotz der nach hinten abfallenden Dachlinie ist das Raumangebot auf den...Foto: Hersteller

Seat bietet fünf Motoren und drei Ausstattungen an. Den Basismotor (Dreizylinder-Saugbenziner mit 75 PS) und die Basisausstattung (nichts drin, kaum Extras) kann man gleich vergessen. Der tolle Startpreis ab 13 990 Euro ist reine Show. Gut beraten ist man mit dem 105-PS-TSI (wie im Golf) in der Ausstattung Reference; ab 17 620 Euro. Doch auch da muss noch die Klimaanlage für 895 Euro zugekauft werden. Wer im schlichten Wagen mehr Komfort wünscht, muss wenigstens 2 250 Euro für den Toledo Style 1.4 TSI DSG zahlen und bekommt dann das einzige Automatikauto: den 122-PS-Benziner mit Siebengang-Doppelkupplungsautomatik. Aber ohne Klima.

Nur auf den ersten blick günstig

Günstig ist er schon, der neue Seat Toledo. Aber bei Ausstattung und Qualität der Materialien müssen schon Abstriche gemacht werden.
Günstig ist er schon, der neue Seat Toledo. Aber bei Ausstattung und Qualität der Materialien müssen schon Abstriche gemacht...Foto: Hersteller

Wir sind auch den für Langstreckenfahrer empfehlenswerten Diesel gefahren. Dieser derzeit einzige Selbstzünder im Angebot (nur Fünfgang-Handschaltung, keine Automatik) leistet 105 PS und verbraucht laut Norm nur 3,9 Liter. Real werden es knapp unter fünf Liter sein. Preis ab 19 920 Euro. Aber: Unser Testwagen mit vielen Extras kostete über 25 000 Euro. Im Laufe des Jahres folgt noch ein billigerer 90-PS-Diesel. Merke: Der neue Toledo ist zwar ein günstiges Auto, aber bei näherem Hinsehen kein preiswertes mehr.

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