Sebring : Chryslers Geschichte vom Golf-Cabrio

Der Sebring, amerikanisch in fast jeder Hinsicht.

Stefan Jacobs

In rauen Zeiten ist ein Dach über dem Kopf das Beste, was es gibt. Ist es folglich das Allerbeste, wenn man sich die Art des Daches sogar aussuchen kann? Diese Frage stellt sich beim Chrysler Sebring Cabrio: In seiner gerade gestarteten Neuauflage ist das zeitweise meistverkaufte Cabrio der Welt wahlweise mit faltbarem Blech- oder Stoffdach zu bekommen.

Eine passable Figur machen beide, was zum einen dem aufwändig dreigeteilten und dadurch relativ langen Blechdach zu verdanken ist. Zum anderen möchte eine elegante Silhouette bei fast fünf Meter Außenlänge auch sein. Die Frage, ob die Nase zu glubschäugig und das Heck zu bieder geraten sind, kann allein der persönliche Geschmack beantworten.

Spannender ist, was sich auf die fünf Längenmeter verteilt. Da wäre vor allem ein für Cabrio-Verhältnisse recht geräumiger Innenraum mit vier vollwertigen Sitzen. Will das Quartett einen Straßenatlas mitnehmen, muss der allerdings entweder auf die Fußmatte oder in den Kofferraum, weil die Ablagen im Innenraum allesamt zu klein sind. Stattdessen gibt es heiz- und kühlbare Becherhalter, um die Besatzung vor lauwarmen Getränken zu beschützen.

Die Marketingleute von Chrysler haben ermittelt, dass Sebring-Cabrio-Fahrer die USA-affinsten unter all ihren Kunden sind. Ferner typischerweise um die 40 und Golfspieler. Deshalb ist der Kofferraum groß genug für zwei Golfbags. Allerdings: Bei geschlossenem Dach kann der Fahrer zwar getrost auch Jäger oder Sammler sein, aber wenn der Deckel – egal welcher der beiden – hinten reingeklappt wird, bleibt nur die große Klappe mit wenig dahinter übrig.

Was die US-Freunde ansonsten geboten bekommen, ist auch typisch amerikanisch. Leider. Sitze mit speckig aussehenden Lederbezügen und wenig Seitenhalt sowie allerlei Alu- und Holz-Dekor, das leider auch noch bei totaler Sonnenfinsternis als Plastik zu erkennen ist. Selbst in der 39 000 Euro teuren Topversion ist um den Fahrer nichts, was dieser gern anfassen oder riechen möchte.

Trost spenden dafür die ordentliche Federung und der überraschend kleine Wendekreis. Und der (von VW zugekaufte) Dieselmotor, sofern man sich für diesen entschieden hat. Sein Nageln stört nur, wenn der Wagen steht, während die Benzin schluckende Alternative – ein durstiger Sechszylinder – so klingt und an dem schweren Auto schleppt, als wäre heute nicht sein Tag.

Damit steht auch der Favorit fest: Die mittlere von drei erhältlichen Versionen, mit Dieselmotor und Sechsgang-Schaltgetriebe. Das ist zwar nicht ganz amerikanisch, aber gegenüber der nur im Benziner erhältlichen Automatik auch kein wirkliches Minus.

Die Basisversion für 30 000 Euro hat zwar auch den Diesel, fällt aber mangels Windschott aus. Denn ohne den Schutz stürmt es selbst bei geschlossenen Seitenscheiben schon bei Tempo 80 dermaßen um den Fahrerkopf, dass man lieber Bahn fahren möchte.

Bleibt die Frage nach dem Dach: Erst mit Blech wird der Ami winterfest. Der Aufpreis ist mit 2620 Euro zwar happig, aber dafür spart man den Zweitwagen. So kann man außerdem das 1670 Euro teure Edel-Navi dazubestellen – und spart sich den Ärger mit dem sperrigen Straßenatlas. Stefan Jacobs

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