Selbstversuch : Auf die Schnelle

Mit einem Porsche selbst auf die Piste gehen? Unsere Autorin hat es im belgischen Spa versucht: Wie es sich anfühlt, wenn Profis das richtige Gasgeben vermitteln.

von
Insgesamt sechs Mal im Jahr findet der Porsche Sports Cup statt.
Insgesamt sechs Mal im Jahr findet der Porsche Sports Cup statt.Foto: dpa

Seit 2004 organisiert Porsche den Sports Cup, der sechs Mal im Jahr stattfindet: zweimal in Hockenheim, an je einem Wochenende auf dem Lausitzring, Nürburgring, in Oschersleben und im belgischen Spa. Bei jedem Rennen wird der Cup in verschiedenen Klassen sowohl für straßenzugelassene als auch für den Rennsport modifizierte Sportwagen ausgetragen. Unsere Autorin hat sich ohne Motorsport-Lizenz angemeldet – und startete mit 40 weiteren Porsche-Fans beim PZ-Driver’s Cup in Spa. Insgesamt gingen an diesem Septemberwochenende hier 185 Autos an den Start.

Es gibt nur einen Schaltzustand. Entweder man fährt gern auf Rennstrecken oder kann mit Geraden, Schikanen und Rechts-Links-Kombinationen gar nichts anfangen. Rennstrecken sind auch nichts für Geschwindigkeitshasser oder Cruiser mit Panoramablick. Auf Rennstrecken fährt man schnell, geht ans Limit und schaut nach vorn. Motorsport ist eine spezielle Leidenschaft. Die höchste Adrenalinausschüttung aber verursacht ein Porsche in Kombination mit der ersten Teilnahme an einem Rennen und dem Formel-1-Kurs Spa- Francorchamps.

Bevor es auf die Strecke geht, müssen wir erst mal ins „Nennbüro“ – zur Papierabnahme, bei der werden Führerschein oder Motorsportlizenz gezeigt. Für seine Startnummer erhält jeder ein „Ziffern-Set“, das seitlich an beiden Türen aufgeklebt werden sollte. In der Zeitmessung werden die Transponder mit der jeweiligen Startnummer ausgehändigt. Das sind Funkgeräte, mit denen die Rundenzeiten gesendet und per Computer genommen werden. „Jetzt macht eure Autos fertig“, sagt Oliver Hilger, Leiter der Porsche Motorsport-Presse. Es ist nicht so einfach, drei Ziffern von der Folie abzuziehen und sie faltenfrei ans Auto zu kleben. Ich hatte mit der 2 so meine Probleme und musste mir eine neue besorgen. Einfacher werden die Transponder im Dreiecksfenster hinten rechts befestigt. Dann folgt die technische Abnahme der Autos.

Wir 40 Fahrer treten gegeneinander bei der Gleichmäßigkeitsprüfung an. Was langweilig klingt, ist eine der größten Herausforderungen im Motorsport. Bei dieser Prüfung sollen möglichst auf die Millisekunde genau die Runden gefahren werden – ganz schön anstrengend. Die zwei zeitlich am nächsten liegenden Runden werden gewertet.

Der nächste Morgen beginnt mit dem Driver’s Briefing. Wer die Unterrichtung in Fahnenkunde und Streckenbeschaffenheit verpasst, zahlt eine Strafe von 500 Euro. Der Rennleiter und frühere Le-Mans-Sieger Jürgen Barth ermahnt uns, dass die Geschwindigkeit in der Boxengasse 60 km/h „und nicht schneller“ beträgt. Und Rennorganisator Altfried Heger fordert, „aufeinander Rücksicht zu nehmen“. Wer einen Unfall habe, solle bloß nicht auf die Idee kommen, die Teile „einzusammeln“. Die Mienen der Fahrer sind jetzt ernst. Heger nimmt das mit Humor: „Keiner soll während der Fahrt telefonieren oder Haustiere im Auto mitnehmen.“ Jetzt müssen doch alle lachen.

„Ruhige Bewegungen im Kurvenausgang, Lenkradius reduzieren, progressiv beschleunigen“, rät Heger. Der Ex-Rennfahrer ist einer der Instruktoren auf der Instrukteursfahrt. Er fährt vor, die Gruppe folgt ihm mit wenig Abstand zwischen den Autos, damit alle Fahrer den sieben Kilometer langen Streckenverlauf nachvollziehen können, den Heger per Funk erklärt. Jeder versucht, sich die Strecke einzuprägen und Ideallinie zu fahren. Die Geschwindigkeit ist zügig, manche Fahrer schießen über die Curbs, die Randsteine, hinaus und landen auf dem Rasen.

Eine Stunde später dürfen wir 30 Minuten auf der Strecke „trainieren“. In Zweierreihen stehen die Autos, die Helme sind aufgesetzt, Rennhandschuhe angezogen, jeder wartet der Reihe nach auf das „Go“. Konzentriert fahren ist angesagt bei Eau Rouge, der früheren „Mutkurve“ in Spa. Ein leichter Linksknick in eine Senke, dann ein Rechtsbogen mit knapp 19 Prozent Steigung. Es geht bergauf, bergab. Und nicht jeder Punkt ist sofort einsehbar. Vor der Kurvengestaltung mit größerer Auslauffläche gab es hier tödliche Unfälle: Wer den Abflug machte, konnte in der Mauer landen. Beim freien Fahren darf man den Blick in den Spiegel nicht vergessen. Es gibt sie nämlich tatsächlich: die Piloten, die schneller sind als man selbst. Und es sind auch Fahrer unterwegs, die den Blinker setzen, sich überholen lassen, ohne dass einer der Streckenposten mit der blauen Fahne signalisieren muss, dass der Fahrer gleich überholt wird.

Ein paar Stunden später stehen wir wieder in Zweierreihen. Jetzt wird es „ernst“. Irgendwie schleicht sich doch ein Anflug von Nervosität ein, obwohl alle vorher bekräftigt haben, dass das Fahren „nur Fun“ bereiten soll. Aber ehrgeizig ist insgeheim jeder. Das 30-minütige Rennen beginnt, die Fahrbahn ist streckenweise nass. Gebotener Abstand vor den jetzt extrem glatten Curbs muss gehalten werden. Das beherzigen alle Fahrer, keiner „fliegt“ raus, Unfälle Fehlanzeige. Nach dem Rennen folgt gleich die Siegerehrung: Die Rundenzeiten waren gut, Letzter war keiner von uns, fast alle bekommen eine Medaille. Das mit dem Gasgeben hat also offenbar gut geklappt. Nur die Gleichmäßigkeit, die müssen wir noch üben.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben